Forschung - Aktuelle Nachrichten und Erkenntnisse – Können Gedanken die Realität ändern? – Leonardo Vintiñi
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Aktuelle Nachrichten – Forschung

Geist und Materie Können Gedanken die Realität ändern?

Leonardo Vintiñi

12.12.2009

Foto: IHM

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„Alles was wir sind ist das Ergebnis dessen, was wir gedacht haben. Die Gedanken sind alles. Was wir denken, werden wir bekommen.“ (Zurückgeführt auf Gautama Siddhartha, den Buddha)

Laut Dr. Joe Dispenza ändern sich immer, wenn wir lernen oder etwas Neues erfahren, hunderte von Millionen Neuronen und organisieren sich neu.

Dr. Dispenza ist weltweit für seine innovative Theorie über die Beziehung zwischen Geist und Materie bekannt. Noch bekannter ist er vielleicht als einer der Wissenschaftler, die 2004 die  amerikanische Dokumentation  „Ich weiß, dass ich nichts weiß!" (Originaltitel: „What the Bleep Do We Know") veröffentlichten. Seine Arbeit trug dazu bei, ungewöhnliche Eigenschaften des menschlichen Geistes zu enthüllen und seine Fähigkeit, synaptische Verbindungen zu erzeugen, wenn wir unsere Aufmerksamkeit auf etwas fokussieren.

Stellen Sie sich einmal vor: Jede neue Erfahrung führt zur Entstehung einer neuen synaptischen Verbindung in unserem Gehirn. Jeder neue Sinneseindruck, jeder erstmalige Anblick oder eine Emotion, die das erste Mal erlebt wird, bewirkt eine Neuverschaltung der mehr als 100 Milliarden Zellen unseres Gehirns.

Um aber eine tatsächliche Veränderung zu erreichen, bedarf es verstärkter Aufmerksamkeit. Wenn das Erlebte nach kurzer Zeit wiederholt auftritt, wird die Verbindung stärker. Wird die Erfahrung auch nach langer Zeit nicht noch einmal gemacht, kann die Verbindung wieder schwächer werden oder ganz verschwinden.

Die Wissenschaft nahm an, dass unsere Gehirne statisch und hart verdrahtet sind mit geringen Veränderungsmöglichkeiten. Aktuelle Forschungen im Bereich der Neurowissenschaften haben aber ergeben, dass sich durch den Einfluss einer jeden körperlichen Empfindung (Kälte, Angst, Ermüdung, Fröhlichkeit) unser Gehirn ständig umformt.

Wenn ein kühler Windhauch in der Lage ist, die Haare auf unserem Unterarm aufzurichten, können die Gedanken des Menschen vielleicht die gleiche Empfindung mit dem gleichen Ergebnis erzeugen können? Vielleicht können sie sogar viel mehr.

„Was ist, wenn wir nur durch unsere Gedanken unsere Körperchemie so oft aus dem Gleichgewicht bringen, dass das Selbstregulierungssystem unseres Körpers möglicherweise diesen unnormalen Zustand als Normalität definiert?", fragt Dispenza in seinem 2007 erschienenen Buch „Evolve Your Brain, The Science of Changing Your Mind" („Entwickle dein Bewusstsein, die Wissenschaft von der Veränderung des Geistes"). „Es ist ein subtiler Prozess, aber es kann sein, dass wir bis heute dem Ganzen nie genügend Aufmerksamkeit geschenkt haben."

Dispenza ist der Meinung, dass das Gehirn tatsächlich nicht in der Lage ist, einen von außen kommen Eindruck von einer inneren Erfahrung zu unterscheiden. Deshalb kann unser Gehirn leicht getäuscht werden, sodass wir zum Beispiel in einen schlechten Gesundheitszustand geraten, weil wir uns immer wieder auf schlechte Gedanken konzentriert haben.

Dispenza illustriert sein Verständnis durch ein Experiment, bei dem Teilnehmer vier Wochen lang jeden Tag eine Stunde ihren Ringfinger mit einer Zugfeder trainierten. Danach wurden die Finger der Testkandidaten um 30 Prozent stärker als vorher. Zur gleichen Zeit sollten sich Kandidaten einer anderen Gruppe diesen Vorgang geistig vorstellen, wobei sie mit dem Gerät nie wirklich in Berührung kamen. Nach vier Wochen war bei dieser Gruppe eine Verstärkung der Fingerkraft um 22 Prozent zu verzeichnen.

Seit Jahren untersuchen Wissenschaftler, wie der Geist die Materie beeinflusst. Vom Placeboeffekt (bei dem sich ein Patient besser fühlt, nachdem er ein unwirksames Medikament eingenommen hat) bis zu den Praktizierenden von Tummo (einer Praxis des tibetischen Buddhismus, bei der Praktizierende sogar ins Schwitzen kommen, während sie bei Minusgraden meditieren) - der Einfluss des menschlichen Geistes auf den Körper hinterfragt die traditionellen Konzepte über das Denken, bei denen die Materie nur durch physikalische Gesetze beherrscht wird und der Geist einfach als Nebenprodukt chemischer Interaktionen zwischen Neuronen betrachtet wird.

Jenseits des Glaubens

Dr. Dispenzas Forschungen stammen aus einer kritischen Zeit seines Lebens. Nachdem er beim Fahrradfahren von einem Auto angefahren wurde, bestanden Ärzte darauf, einige seiner Wirbel starr zu verbinden, damit er wieder gehen könne - ein Eingriff, der ihm Schmerzen für den Rest seines Lebens eingebracht hätte.

Dispenza, selbst Chiropraktiker, entschied sich jedoch, die Wissenschaft herauszufordern und den Zustand seines Körpers allein durch die Kraft seiner Gedanken zu ändern  - und es funktionierte. Nach neun Monaten eines konzentrierten therapeutischen Programms konnte Dispenza wieder laufen. Ermutigt durch seinen Erfolg entschied er sich, sein Leben der Erforschung der Zusammenhänge zwischen Geist und Materie zu widmen.

Gewillt, die Macht der Gedanken zur Heilung des Körpers zu studieren, interviewte der „Gehirndoktor" Dutzende von Menschen die eine „spontane Rückbildung", wie es im Ärztejargon heißt, erlebt hatten. Das waren Menschen mit ernsten Erkrankungen, die sich gegen eine normale Behandlung entschieden hatten, aber trotzdem vollständig genesen waren. Dispenza fand heraus, dass diese Menschen alle davon überzeugt waren, dass ihre Gedanken ihren Gesundheitszustand bestimmten. Nachdem sie sich darauf konzentriert hatten ihr Denken zu ändern, verschwanden ihre Krankheiten auf wundersame Weise.

Süchtig nach Emotionen


Ganz ähnlich denkt Dispenza, dass die Menschen eine unbewusste Sehnsucht nach bestimmten Emotionen haben, nach negativen sowie positiven. Laut seinen Forschungen führen die Emotionen bei Menschen zu Verhaltensmustern, die eine Abhängigkeit hervorrufen nach einer Kombination aus spezifischen chemischen Substanzen für jede Emotion, die das Gehirn in bestimmten Abständen überfluten.

Der Körper antwortet auf diese Emotionen mit bestimmten Chemikalien, die wiederum den Geist dazu bringen, die gleiche Emotion hervorzurufen. Anders ausgedrückt könnte man sagen, dass eine ängstliche Person „süchtig" nach dem Gefühl der Angst ist. Dispenza entdeckte, wenn das Gehirn eines solchen Individuums in der Lage ist, sich selbst von den chemischen Substanzen zu befreien, die dem Angstgefühl zugeordnet sind, dann sind die zuständigen Rezeptoren geöffnet. Das gleiche gilt für Depression, Wut, Gewalt und andere Leidenschaften.

Dennoch stehen viele den Entdeckungen Dispenzas skeptisch gegenüber, obwohl er nachwies, dass Gedanken den körperlichen Zustand verändern können. Die Theorie „es geschieht, was du glaubst", klingt nicht sehr wissenschaftlich und wird generell als Pseudowissenschaft bezeichnet.

Die Wissenschaft ist vielleicht noch nicht bereit anzuerkennen, dass der Körper durch die Macht der Gedanken geändert werden kann, aber Dr. Dispenza versichert, dass diese Prozesse dessen ungeachtet tatsächlich stattfinden.

„Wir brauchen nicht darauf zu warten, dass uns die Wissenschaft die Erlaubnis gibt, das Ungewöhnliche zu tun oder über das hinauszugehen, was von anderen als möglich bezeichnet wurde. Wenn wir das tun, machen wir die Wissenschaft zu einer anderen Form der Religion. Wir sollten Vorreiter sein und Außergewöhnliches tun. Wenn wir unsere Fähigkeiten voll einsetzen, wird eine ganz neue Art der Wissenschaft entstehen", schreibt Dispenza.

Erschienen in The Epoch Times Deutschland Nr. 47/09

Originalartikel auf Englisch: Can The Mind Affect Reality?

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