Aktuelle Nachrichten Welt - News und Hintergründe – Kolumbien will Chávez vor Internationalen Strafgerichtshof bringen – Toby Muse
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Kolumbien will Chávez vor Internationalen Strafgerichtshof bringen

Toby Muse

04.03.2008

Venezuelas Präsident Hugo Chavez. (AP Photo/Fernando Llano)
Venezuelas Präsident Hugo Chavez. (AP Photo/Fernando Llano)

Bogotá – Die Krise zwischen Kolumbien und seinen Nachbarstaaten Ecuador und Venezuela beschäftigt mittlerweile auch die internationalen Institutionen: Die kolumbianische Regierung kündigte am Dienstag an, den venezolanischen Präsidenten Hugo Chávez wegen Unterstützung der linken Guerillagruppe FARC vor dem Internationalen Strafgerichtshof zu verklagen. Ecuador warf Kolumbien vor dem Menschenrechtsrat der UN vor, mit seiner Militäraktion gegen FARC-Rebellen auf ecuadorianischem Gebiet die Rechte des ecuadorianischen Volkes verletzt zu haben.

Kolumbien werde eine Anklage Chávez' vor dem Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag wegen Unterstützung der FARC und Finanzierung von Völkermord beantragen, sagte Präsident Alvaro Uribe vor Journalisten. Der Konflikt in der Region eskalierte, nachdem Kolumbien am Samstag ein Rebellenlager der FARC auf ecuadorianischem Staatsgebiet bombardierte. Bogotá erklärte, dabei seien Beweise sichergestellt worden, die finanzielle Zuwendungen der venezolanischen Regierung an die Rebellengruppe dokumentieren.

Der Militärschlag Kolumbiens gegen die FARC, bei dem 21 Rebellen getötet wurden, hat nach Angaben des ecuadorianischen Präsidenten Rafael Correa eine bevorstehende Geiselbefreiung zunichtegemacht. Die Freilassung von zwölf Gefangenen der FARC habe unmittelbar bevorgestanden, auch die Franko-Kolumbianerin Ingrid Betancourt sei unter ihnen gewesen. Betancourt befindet seit sechs Jahren in der Gewalt der FARC, sie ist deren bekannteste Geisel.

Angeblich direkte Kontakte zu Marulanda

Kolumbien warf den Nachbarländern hingegen eine weitgehende Zusammenarbeit mit den Rebellen vor. Dokumente, die bei dem Militärschlag sichergestellt wurden, zeigten die Verwicklung, erklärte der kolumbianische Polizeichef General Oscar Naranjo. Die Regierung des linksnationalistischen Präsidenten Chávez soll die kolumbianische Guerillabewegung demnach mit 300 Millionen Dollar (200 Millionen Euro) unterstützt haben.

Angeblich habe es auch direkte Kontakte der Regierung mit dem FARC-Anführer Manuel Marulanda gegeben, bis hin zu einem Verteidigungsbündnis. Aus einem anderen Dokument auf dem Laptop des getöteten Rebellenführers Raul Reyes gehe hervor, dass die FARC Anfang der 90er Jahre den damals inhaftierten Chávez mit 100 Millionen Pesos (damals rund 150.000 Dollar) unterstützt habe. Kopien der Beweisdokumente wurden nicht herausgegeben. Ecuador und Venezuela wiesen die Anschuldigungen als Lügen zurück.

FARC wollte angeblich Uran kaufen

Venezuela und Ecuador haben ihre Botschafter aus Protest aus Kolumbien abgezogen. Beide Staaten haben ihre Truppenpräsenz an der Grenze zum Nachbarland verstärkt. Die Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) wollte noch am Dienstag auf einer Dringlichkeitssitzung über die Krise beraten.

Der kolumbianische Vizepräsident Francisco Santos erklärte am Dienstag vor der Genfer Abrüstungskonferenz, die Polizei habe auf Computern Hinweise gefunden, wonach die FARC versucht habe, in den Besitz von radioaktivem Material zu gelangen, um eine „schmutzige Bombe“ zu bauen. Bereits am Montag hatte die Regierung erklärt, die FARC habe versucht, 50 Kilogramm Uran zu kaufen.

Die FARC ist die größte kolumbianische Rebellengruppierung und kämpft seit vier Jahrzehnten gegen die Regierung. Sie ist in Drogengeschäfte verwickelt und soll insgesamt mehr als 700 Menschen in ihrer Gewalt haben, entweder um Lösegeld zu erpressen oder aus politischen Gründen. Zuletzt ließ die FARC unter Vermittlung von Chávez sechs ihrer Geiseln frei. (AP)

 

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