Aktuelle Nachrichten – Forschung
30.03.2009
Moskau – Kurz vor seinem Abflug ins All hat ein russischer Kosmonaut die Zustände in der Internationalen Weltraumstation (ISS) kritisiert. Es gebe unter den Besatzungsmitgliedern Verstimmungen wegen des Nachschubs, der Verpflegung und der Nutzung von Räumlichkeiten unter nationalen Auflagen, zitierte die Zeitung „Nowaja Gaseta“ am Montag den nächsten ISS-Kommandanten Gennadi Padalka, der sich bereits 2003 dort aufhielt. Das Interview wurde am Donnerstag kurz vor dem Start einer russischen „Sojus“-Kapsel zur ISS aufgezeichnet.
Schuld an der schlechten Stimmung in der Weltraumstation sind Padalka zufolge nicht etwa die Astronauten oder Kosmonauten, sondern die Bodenkontrolle. Diese habe ein paar bürokratische Regeln nach nationalen Gesichtspunkten aufgestellt, die der ISS-Besatzung des Leben unnötig schwer machten. So bestünden die russischen und amerikanischen Weltraumbehörden darauf, dass ihre Leute im All nur die Lebensmittel äßen, die in ihren jeweiligen Ländern abgepackt worden seien. Selbst bei den Toiletten gebe es „Landesgrenzen“, die nach einschlägiger Anweisung nicht überschritten werden dürften.
Vor seinem jetzigen Flug zur ISS hat Padalka nach eigenen Worten angefragt, ob er den Fitnessraum der Amerikaner nutzen dürfe: „Die Antwort war zunächst: 'Ja, das geht klar.' Dann hieß es plötzlich 'Nein'. Es folgten weitere Konsultationen, und man gab mir grünes Licht. Und jetzt heißt es wieder, der Antrag sei doch nicht genehmigt worden.“ Der 50-jährige Weltraumveteran schlug vor, solche Entscheidungen doch lieber der ISS-Besatzung selbst zu überlassen, denn die würde sich schon einig werden.
Allerdings räumte er auch ein, dass die russische Sektion der ISS der amerikanischen von der Ausstattung her weit hinterherhinke. Die Technik stamme zum Teil noch aus den 80er Jahren des vorigen Jahrhunderts. Vielleicht sei dies zumindest für die USA ein Grund für die bürokratischen Regeln. (AP)
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