Erneuerbare Energie – Kraftstoff aus Biomasse könnte ein Fünftel des Bedarfs decken Erste Zusammenfassung – Verena Schmitt-Roschmann
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Kraftstoff aus Biomasse könnte ein Fünftel des Bedarfs decken Erste Zusammenfassung

Verena Schmitt-Roschmann

13.12.2006

Berlin – Vom Feld in den Tank: Die neueste Generation von Diesel aus Biomasse könnte theoretisch schon heute ein Fünftel des Kraftstoffbedarfs in Deutschland decken, bis 2030 gut ein Drittel. Dies geht aus einer am Mittwoch veröffentlichten Studie der Deutschen Energie-Agentur hervor. Ergebnis: Die Herstellung solcher BtL-Kraftstoffe im großen Stil ist technisch machbar und sollte schnell in Angriff genommen werden. Gesucht werde nun ein Investor, sagte Dena-Chef Stephan Kohler. Er forderte mehr staatliche Unterstützung.

Die neuen Kraftstoffe nach dem BtL-Verfahren (Biomass to Liquid) seien „eine der vielversprechendsten Optionen im Kraftstoffbereich“, meinte Kohler. Sie helfen demnach beim Klimaschutz – und zwar weit mehr als bisherige Biokraftstoffe: Könne mit Biodiesel etwa die Hälfte der Emissionen von herkömmlichen Benzin vermieden werden, so seien es bei BtL rund 90 Prozent. Zudem seien die Ausbeute größer, die Herstellungskosten niedriger und die Qualität höher als beim herkömmlichen Biosprit. Im Vergleich zu normalem Benzin oder Diesel komme hinzu, dass Deutschland weniger von Importen abhängig wäre und bei der Herstellung hier Arbeitsplätze entstünden.

Für die Herstellung können praktisch alle Sorten von Biomasse verwendet werden, ob nun Holz, Stroh, Nutzpflanzen oder Kuhdung. Folglich reiche die verfügbare Biomasse aus, um mit jetziger BtL-Technik 20 Prozent des heutigen Kraftstoffbedarfs zu decken, ist ein Ergebnis der Studie. Diese unterstellt, dass sich die Technik verbessert und somit 2030 der Anteil des Biosprits beim Kraftstoffbedarf auf bis zu 35 Prozent wachsen könnte.

„Biokraftstoffe können einen wichtigen Beitrag für Versorgungssicherheit, Klimaschutz und Wertschöpfung im ländlichen Raum leisten“, lobte auch Clemens Neumann, Abteilungsleiter im Bundeslandwirtschaftsministerium. Allerdings „gibt es bei BtL noch einige offene Fragen“.

Teure Herstellung

So kostet die Herstellung eines Liters BtL nach Kohlers Worten nach heutigem Stand rund 88 Cent. Eine Verminderung der Kosten auf unter 70 Cent sei mit Verbesserung der Technik zu erwarten. Herkömmliches Benzin kostet in der Herstellung jedoch nur 31 Cent, Diesel 36 Cent je Liter, wie Klaus Picard, Hauptgeschäftsführer des Mineralölwirtschaftsverbands betonte. Zwar sei es das Gebot der Stunde, Alternativen zu Kraftstoffen auf Erdölbasis zu suchen. Aber: „Wir stehen noch am Anfang.“ Für jeden Investor sei bei einem Volumen von 400 bis 650 Millionen Euro für eine Großanlage ein „robuster Business Case“ nötig.

Picard verwies auf die „Nutzungskonkurrenz“ für Biomasse, die die Studie nicht berücksichtigt hat. Das heißt, von dem theoretischen Biomassepotenzial für 20 Prozent Kraftstoffbedarf sind heute bereits große Teile für Wärme- und Stromproduktion verplant. Angesichts steigender Nachfrage seien zum Beispiel die Weizenpreise bereits deutlich gestiegen, sagte Picard. Weitere Steigerungen seien zu erwarten.

Picard forderte deshalb längere Förderzusagen des Staates. Die zuletzt per Gesetz festgeschriebenen Steuervorteile bis 2015 reichten nicht aus. Denn „unter großen Anstrengungen“ sei erst 2012 mit der Inbetriebnahme einer großindustriellen BtL-Anlage zu rechnen. Hier erhielt der Branchenvertreter Rückendeckung von Dena-Chef Kohler: Die Steuerbegünstigung bis 2015 sei zu kurz, um Investoren Sicherheit zu bieten.

http://www.dena.de/

(AP)

 

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