Aktuelle Nachrichten Europa – Krankenkassen finden nach wie vor grossen Rückhalt in der Bevölkerung – DAPD
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Umfrage Krankenkassen finden nach wie vor grossen Rückhalt in der Bevölkerung

DAPD

04.09.2008

Bern – Die Schweizer Krankenkassen können nach wie vor auf einen grossen Rückhalt in der Bevölkerung zählen. Gemäss einer neuen Umfrage im Auftrag des Dachverbands santesuisse stehen mehr als drei Viertel der Befragten hinter dem solidarischen Versicherungssystem. Rund die Hälfte erachtet die Prämien als „hoch, aber tragbar“, eine Mehrheit wünscht zudem eine Lockerung des Vertragszwangs.

Grundsätzlich fanden in der jüngsten – und inzwischen sechsten – „sondage sante“ sowohl solidarische wie reformerische Ansätze eine klare Mehrheit. Über 75 Prozent der Befragten sprachen sich für eine „Versicherungssolidarität“ sowohl zwischen Gesunden und Kranken wie auch zwischen Armen und Reichen aus; 69 Prozent zeigten gleichzeitig aber auch Interesse an einem ausgebauten Bonus/Malus-System, um die Eigenverantwortung der Versicherten zu stärken. Managed-Care-Modelle bildeten deshalb auch künftig einen wichtigen Ansatz bei der Reform der Krankenversicherung, sagte santesuisse-Direktor Stefan Kaufmann bei der Präsentation der Umfrageergebnisse am Donnerstag in Bern. Die Versicherer und die Leistungserbringer brauchten dazu allerdings die nötige Gestaltungsfreiheit, um Kreativität und Innovation in die Praxis umsetzen zu können.

Durchaus bestätigt sehen sich die Krankenkassen dabei auch mit Blick auf die Gestaltung ihrer Prämien. Diese wurden in der jüngsten Umfrage von rund der Hälfte der Befragten als „hoch, aber tragbar“ beurteilt, und nur noch 20 Prozent – im Vergleich zu 34 Prozent im Jahr 2004 – beurteilten die aktuellen Prämien als „zu hoch für ihre Verhältnisse“. Dennoch will sich santesuisse auch künftig für neue Reformen und nachhaltige Kostensenkungen einsetzen. Denn wer heute die Prämien allein über den Abbau von Reserven im Griff zu behalten versuche, gaukle den Versicherten letztlich wider besseres Wissen einen Fortschritt vor, sagte Kaufmann.

Klare Mehrheiten erhoffen sich die Versicherer etwa im Bereich der Medikamentenkosten oder bei der Lockerung des Vertragszwangs zwischen den Ärzten und den Versicherern. Eine solche Lockerung wurde in der Umfrage von 54 Prozent der Befragten unterstützt, 89 Prozent sprachen sich für eine Senkung der Medikamentenpreise auf das durchschnittliche Niveau in Europa aus. 81 Prozent der Befragten verlangten gleichzeitig aber auch die Wiederaufnahme der Komplementärmedizin in die obligatorische Grundversicherung, 71 Prozent sprachen sich für eine neue Aufteilung der Kosten in der Alterspflege aus, und 69 Prozent plädierten schliesslich dafür, die Vergütung von medizinischen Behandlungen im Ausland zu erleichtern.

Allerdings scheint der Wille zu Reformen nicht überall gleich gross zu sein. Namentlich die Bevölkerung in der Westschweiz und Personen über 55 Jahren zeigten sich in der neuen Umfrage weniger reformfreudig als der Durchschnitt der Bevölkerung. Dennoch sieht sich santesuisse auch nach der „sondage 2008“, die im vergangenen Juni bei 1.210 Personen durchgeführt wurde, in ihrem Kampf „gegen eine Ausweitung staatlicher Planwirtschaft“ – wie sie zurzeit von den kantonalen Gesundheitsdirektoren wie von der Ärztevereinigung FMH angestrebt werde – durchaus bestätigt. Sie will den Ärztestopp nach wie vor durch ein Modell ablösen, das den Prämienzahlern die freie Wahl zwischen einem regulierten und einem marktwirtschaftlich orientierten Grundversicherungsmodell überlässt. Eine solche duale Lösung wird auch von der Gesundheitskommission des Ständerats unterstützt. (AP)

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