Aktuelle Nachrichten – Gesundheit
06.04.2006
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München - Die Zahl gefährlicher Hirnhautentzündungen nach Zeckenbissen hat im vergangenen Jahr drastisch zugenommen. Deutschlandweit stieg die Erkrankungen an der durch Zecken übertragenen so genannten Frühsommer-Meningo-Enzephalitis (FSME) von 274 auf 420 Fälle, wie die Bayerische Gesellschaft für Immun- und Tropenmedizin am Mittwoch in München mitteilte. Vor allem in Bayern verdoppelte sich die Zahl der FSME-Erkrankungen von 102 auf 205 Fälle, nachdem sich in dem warmen und feuchten Sommer die mehr Zecken deutlich vermehrt hätten.
Nach dem Stich einer infizierten Zecke kommt es meist zu einer Antikörperbildung ohne Erkrankung, in zehn bis 30 Prozent der Fälle bilden sich aber Symptome eines grippalen Infektes wie Fieber und Abgeschlagenheit aus. Nach einem fieberfreien Intervall kommt es erneut zu erhöhten Körpertemperaturen, wobei das Zentralnervensystem angegriffen werde. 70 Prozent der Erkrankten werden wieder gesund, bei 30 Prozent entwickelt sich eine vorübergehende oder dauerhafte Schädigung im Bereich des zentralen Nervensystems. Etwa ein Prozent der FSME-Erkrankten stirbt.
Der bayerische Gesundheitsminister Werner Schnappauf warb eindringlich für Impfungen. Das zunehmend wärmere Klima in Mitteleuropa werde vermutlich die Vermehrung der Zecken in den nächsten Jahren weiter begünstigen, warnte der Minister. «Jeder sollte sich impfen lassen, der in einem FSME-Risikogebiet wohnt oder dort Urlaub macht und sich häufig in freier Natur aufhält», betonte Schnappauf. In Bayern seien bereits zwei Drittel der gesamten Landesfläche als Risikogebiete ausgewiesen.
Nach Angaben der Mediziner gelten auch Baden-Württemberg und Hessen als Regionen mit vermehrtem Zeckenaufkommen und wachsenden FSME-Fällen. Der Präsident der bayerischen Immunmedizin-Gesellschaft, Nikolaus Frühwein, verwies auf das Vorbild Österreich, wo eine Impfrate von 80 Prozent der Bevölkerung zu einem Rückgang von mehr als 90 Prozent der Erkrankungszahlen geführt habe. Frühwein betonte, dass in Regionen mit Zeckenbefall eine Infektion mit dem FSME-Virus in befallenen Gebieten «praktisch überall in der Natur» vorkommen könne, «dies schließt natürlich den häuslichen Garten mit ein».
Frühwein warb für ein höheres Schutzimpfungsbewusstsein: FSME-Erkrankungen seien inzwischen ähnlich häufig wie Hepatitis B und weiter verbreitet als Tetanus. Schnappauf betonte, bei einer Impfung sei alle drei bis fünf Jahre ein Auffrischung erforderlich. Unabhängig von einer Impfung gegen FSME bestehe jedoch zugleich bei Zeckenbissen die Gefahr einer Borreliose. Gegen die Krankheit gebe es keine Impfung, sondern nur die Möglichkeit einer antibiotischen Behandlung, sagte Schnappauf Vorbeugender Schutz biete hier vor allem möglichst geschlossene Kleidung, unbekleidete Körperstellen mit Mückenabwehrmitteln einzureiben und sich nach Aufenthalt im Freien nach Zecken abzusuchen, rät der Minister.
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