Tripolis – Frankreich und Libyen haben ein Abkommen über die friedliche Nutzung der Atomkraft abgeschlossen. Die Vereinbarung, die der französische Staatspräsident Nicolas Sarkozy und der libysche Staatschef Muammar Gaddafi am Mittwoch in Tripolis trafen, wurde von der französischen Opposition scharf kritisiert. Der Grüne Europa-Abgeordnete Daniel Cohn-Bendit sprach am Donnerstag von einem „Lösegeld“ für die Freilassung der bulgarischen Krankenschwestern, das Sarkozy an einen „blutigen Diktator“ zahle.
Das erste Projekt der Zusammenarbeit sieht den Bau eines Reaktors vor, der Meerwasser entsalzen soll, erklärte Sarkozy am Mittwochabend. Die Vorbereitungen sind laut Élysée-Palast bereits angelaufen. Diskutiert werde zudem ein Projekt zum Uranabbau. Der französische Atomkonzern Areva brauche das Rohmaterial, sagte Sarkozy.
Libyen galt Jahrzehnte lang als Paria-Staat. 2003 übernahm Tripolis dann aber die Verantwortung für den Lockerbie-Anschlag mit 270 Toten, vor drei Jahren stellte Gaddafi ein geheimes Atomwaffenprogramm offiziell ein. In der Folge der beiden Schritte wurden internationale Sanktionen gegen das Land aufgehoben.
Cohn-Bendit bezeichnete es im Sender RTL als „absolut verrückt“, dass Sarkozy mit dem Abkommen „einen amtierenden Diktator rehabilitiert“. Die Grünen-Abgeordnete Noel Mamère sagte auf Europe-1 unter Hinweis auf Lockerbie, es handele sich um einen Vertrag mit einem Terrorstaat. Die Sozialisten forderten Sarkozy auf, bei der Normalisierung der Beziehungen zu Libyen gemeinsam mit der EU und unter Kontrolle der UN vorzugehen. (AP)
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