Menschen & Meinungen – Labradormischlinge als Sozialhelfer im Gefängnis – Lutz Jordan
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Film stand Pate Labradormischlinge als Sozialhelfer im Gefängnis

Lutz Jordan

25.03.2009

Auf dem Freigelände der Justizvollzugsanstalt in Bützow trainiert ein Strafgefangener mit dem Hund Wotan für das Projekt "Hunde im sozialen Einsatz".(AP Photo/Frank Hormann)
Auf dem Freigelände der Justizvollzugsanstalt in Bützow trainiert ein Strafgefangener mit dem Hund Wotan für das Projekt "Hunde im sozialen Einsatz".(AP Photo/Frank Hormann)

Bützow – Wenn die Mischlingswelpen „Ben“, „Wotan“ und „Pacco“ ihren treuen Hundeblick aufsetzen, werden sogar die härtesten Männer schwach – und kümmern sich gern um die Tiere. Im Rahmen des Programms „Hunde im sozialen Einsatz“ im mecklenburgischen Gefängnis Bützow betreuen und erziehen drei Strafgefangene als „Pate“ je ein Tier. Das soll bei ihrer Resozialisierung helfen. Die Justizministerin von Mecklenburg-Vorpommern, Uta-Maria Kuder, stellte das bundesweit einzigartige Projekt am Mittwoch offiziell vor.

Hauptakteure sind drei sogenannte Labradoodles, eine besonders friedliche und lernfähige Kreuzung aus Labrador und Pudel. Seit Oktober sind „Ben“, „Wotan“ und „Pacco“ in Bützow bei ihren neuen Herrchen, die mit ihnen spielen und Kommandos üben, sie füttern und Gassi führen. Die Strafgefangenen, die sich freiwillig für das Programm gemeldet haben, sind rund um die Uhr für die Tiere da.

Ziel ist zum einen, die Resozialisierung der Häftlinge zu fördern. „Ich erhoffe mir, dass die Strafgefangenen auf diese Weise Schritt für Schritt ein neues verantwortungsbewusstes und soziales Verhalten lernen“, sagte Kuder. Anstaltsmitarbeiter stellen bei den Hundebetreuern bereits positive Veränderungen im Verhalten fest.

Vorbereitung auf weitere Ausbildung

Zum anderen sollen die jungen Vierbeiner ein besonderes Verhältnis zum Menschen aufbauen und so auf ihre künftige Aufgabe als Behinderten-Hund vorbereitet werden. Die drei Welpen, die im vergangenen Oktober von der in Rheinland-Pfalz ansässigen Kynos-Stiftung „Hunde helfen Menschen“ ausgewählt wurden, kehren nach etwa einjähriger Vorbereitung im Gefängnis dorthin zurück. Dann erhalten sie eine Spezialausbildung als Helfer für Menschen mit verschiedenen Handicaps.

Die Tiere werden zu Blinden-, Therapie- oder Signalhunden ausgebildet. Beispielsweise apportieren sie dann heruntergefallene Gegenstände, bringen das Telefon, die Post oder Medikamente. Auch lösen sie auf Kommando Alarmsignale aus, öffnen Türen oder bedienen Lichtschalter.

„Die Grundvorbereitung der Welpen auf ihre künftige Helferlaufbahn findet ansonsten in freiwilligen Patenfamilien statt“, sagte Kynos-Stiftungsbeirat Herbert Wolter. In dem Gefängnisprojekt sieht er eine weitere gut gangbare Möglichkeit. Deshalb zögerte die Stiftung auch nicht, drei Welpen bereitzustellen.

Die Gewissheit, dass mit ihrer Betreuungsarbeit bei den Hunden später Menschen mit verschiedenen Handicaps geholfen wird, ist nach Ansicht von Justizministerin Kuder für den Erziehungseffekt bei den Häftlingen besonders wichtig. „Ein tolles Projekt“, sagte sie und erinnerte an die völlig andersgeartete Rolle der Gefängnishunde zu DDR-Zeiten. Damals sollten Hunde wie „Kampfmaschinen“ Ausbrüche verhindern.

Film „Underdogs“ war Initialzündung

Auslöser für das Projekt waren Erfahrungen aus den USA und der deutsche Kinofilm „Underdogs“, der 2008 mit Häftlingen in der Bützower Haftanstalt gedreht wurde und dort auch seine Premiere feierte. Der Film erzählt die Geschichte eines gewalttätigen und verschlossenen Gefangenen, der im Rahmen eines Resozialisierungsprojekts einen Welpen zum Blindenhund ausbilden muss.

Der Regisseur des Streifens, Jan Hinrik Drevs, gab nach den Dreharbeiten den Anstoß, ein solches Projekt auch einmal real in einem deutschen Gefängnis umzusetzen. Bei der JVA Bützow und dem Schweriner Justizministerium stieß er damit auf offene Ohren. (AP)

 

 

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