Aktuelle Nachrichten – Gesundheit
07.12.2009
Berlin – Wegen des geringen Interesses an der Schweinegrippe-Impfung bleiben die Bundesländer inzwischen auf dem Impfstoff sitzen. Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler sagte am Montag in Berlin, er bemühe sich international um Interessenten für 2,2 Millionen Dosen. Die Ukraine wolle Impfstoff kaufen. Ärzte, Pfleger, Kassen und Rösler appellierten erstmals gemeinsam an die Bundesbürger, sich impfen zu lassen. „Der Impfstoff wirkt über die aktuelle Pandemie hinaus ein Jahr oder länger“, sagte Rösler.
Seit Ausbruch der Schweinegrippe gab es in Deutschland 190.000 Infizierte und 86 Todesfälle. Von diesen Todesfällen hätten ungefähr 85 Prozent Vorerkrankungen gehabt, sagte Jörg Hacker, Präsident des Robert-Koch-Instituts. Geimpft sind nach offiziellen Schätzungen inzwischen fünf Prozent der Bundesbürger und 15 Prozent des Ärzte- und Pflegepersonals. Nach Impfungen wurden rund 600 verschiedene Nebenwirkungen bekannt, die meist leichterer Art waren, aber keinerlei Todesfälle.
Nach dem zweiten Impfgipfel in seinem Ministerium sagte Rösler, für Impfung und Serum zahlten die Krankenkassen. Das Risiko für nichtverimpfte Dosen liege bei den Ländern. In einer Arbeitsgruppe im Kanzleramt habe es das Finanzministerium abgelehnt, dass der Bund das Risiko übernimmt.
Die Länder hätten 50 Millionen Dosen für 25 Millionen Menschen geordert. Zunächst sei davon ausgegangen worden, dass zweimal geimpft werden müsse. Nötig sei aber nur eine Impfung. Deshalb soll zumindest die Lieferung von 2,2 Millionen Dosen aus der letzten Woche des Jahres veräußert werden. „Wir sind gerade in der Abfrage“, sagte der FDP-Minister. Der Impfstoff ist ein Jahr lang haltbar.
Der Präsident des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte, Wolfram Hartmann, kritisierte, dass es „im Vorfeld dieser Pandemieplanung erhebliche Pannen“ gegeben hat. „Die Ärzteschaft hat sich schlecht informiert gefühlt, als der Impfstoff auf den Markt kam.“ Dann sei die Lieferung des Impfstoffs teilweise „völlig chaotisch“ verlaufen. Außerdem komme er in Zehnerdosen, die innerhalb von 24 Stunden aufgebraucht werden müssten. Kinderärzte seien gar nicht in der Lage, genug Impfwillige zu finden.
Der Hauptgeschäftsführer der Bundesärztekammer, Christoph Fuchs, sagte, der Impfstoff sei sicher und wirksam. Deshalb sei es überraschend, wie hoch das Maß an Unsicherheit in Bevölkerung und Ärzteschaft sei. Auch wenn die erste Welle der Erkrankungen inzwischen den Höhepunkt überschritten habe, könne es eine zweite Welle und eine Veränderung des Virus geben. Vor beidem schütze eine Impfung.
Verbandschef Hartmann rief ebenso wie die Ständige Impfkommission dazu auf, jetzt Kinder ab dem Alter von sechs Monaten impfen zu lassen. Es habe sich herausgestellt, dass bis zum zehnten Lebensjahr ein einziger Pieks mit der halben Erwachsenendosis ausreichend sei. Hartmann sprach sich für die Impfung von Kindern und Jugendlichen aus, auch wenn sie schon Grippesymptome hatten. Oft sei nicht abgeklärt worden, ob es der Schweinegrippe-Erreger gewesen sei. „Wir haben im Moment genügend Impfstoff“, sagte der Verbandspräsident.
http://www.neuegrippe.bund.de/ (AP)
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