Gesundheit - Aktuelle Nachrichten, Ratgeber und Berichte – Lärm: Die unterschätzte Gefahr – Frank Leth
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Aktuelle Nachrichten – Gesundheit

Lärm: Die unterschätzte Gefahr

Frank Leth

24.04.2007

Frankfurt/Main – Jugendliche hören oft einfach nicht richtig – und das im wahrsten Sinne des Wortes. Jeder vierte Teenager hat mittlerweile nachweisbare Hörprobleme. Mehr als jeder Fünfte schätzt sein Hörvermögen als schlecht oder nur befriedigend ein. „Der Freizeitlärm nimmt immer mehr zu. Es ist nicht nur in Discotheken sondern auch in Schulen oft zu laut“, sagt Brigitte Schulte Fortkamp, Schwallwirkungsforscherin an der TU Berlin anlässlich des Tages gegen Lärm am 25. April.

Der von der Deutschen Gesellschaft für Akustik organisierte Tag jährt sich zum zehnten Mal und will über Lärmwirkungen und -folgen aufmerksam machen. „Lärm ist jedoch nicht gleich Lärm“, betont die Wissenschaftlerin. Denn je nach Schallquelle verbinde der Hörende positive oder negative Empfindungen. Während Meeresrauschen an der Nordsee als angenehm empfunden werde, bereite der Lärm einer Großstadt schlaflose Nächte.

„Viele Menschen unterschätzen oft den Lärm mit seinen krankmachenden Wirkungen“, sagt Schulte-Fortkamp. Denn je länger und lauter Lärm andauere, desto größer sei die Gefahr von Hörverlust und Erkrankungen. Denn mit häufigem und lautem Lärm können die Sinneszellen im Ohr unwiederbringlich absterben.

„Vielfach sind die Leistungen von Schülern, die in einer lauten Klasse lernen müssen, schlechter“, sagt die Expertin. Denn Lärm führe zu Konzentrationsstörungen. Genaue Messungen, wie laut es in einem Klassenraum ist, wurden bislang zwar fast gar nicht gemacht. „Der Lärmpegel in einer Schulklasse könne aber oft bei 60 bis 75 Dezibel liegen“, schätzt die Forscherin. Dies entspreche etwa der Lautstärke eines Rasenmähers oder dem Krach beim Benutzen eines Altglascontainers aus zehn Metern Entfernung.

Dabei kann man den Lärm im Klassenraum mit einfachen Umbaumaßnahmen beschränken und den Schülern so das Lernen erleichtern. „Dazu müssen die Klassenräume neu konstruiert werden“, sagt Schulte-Fortkamp. Mit speziellen Decken, Wänden, Böden und Vorhängen sei es möglich, den Schall besser zu leiten, so dass der Klassenlärm als weniger störend empfunden wird. „Dann sind vielleicht sogar bessere PISA-Ergebnisse denkbar“, sagt die Expertin.

Laute Discos, aber auch laute Musik aus dem MP3-Player machen dem Ohr ebenfalls zu schaffen und können schlimmstenfalls zu Hörverlust und Tinnitus führen. Experten rechnen damit, dass jeder dritte Jugendliche spätestens mit 50 Jahren ein Hörgerät benötigen wird. Nach Angaben des Bundesverbandes deutscher Discotheken und Tanzbetriebe (BDT) kann der Lärmpegel in Discotheken bei bis zu 110 Dezibel liegen. Ab 85 Dezibel beginnt der hörschädigende Bereich.

DJ-Führerschein soll Problembewusstsein stärken

In einer vom Bundesministerium für Gesundheit geförderten Befragung von 1.511 Jugendlichen gab die Hälfte aller Discogänger an, sich dort nur schreiend verständigen zu können. Drei Prozent hatten sich beim Discjockey über die Lautstärke beschwert, acht Prozent hatten sich dazu nicht getraut. Mehr als die Hälfte wünschte sich beim Tanzen keine extremen Lautstärken.

Der BDT, die Länder Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg und der Berufsverband der Discjockeys haben deshalb den so genannten DJ-Führerschein entwickelt. „Bislang haben rund 900 Discjockeys an dieser Fortbildung teilgenommen“, berichtet Schulte-Fortkamp. Neben gesundheitlichen Aspekten lauter Musik wurden die DJs auch über akustisch-technische und haftungsrechtliche Fragen geschult. „Entsteht wegen eines Konzert- oder Discobesuches nachweislich ein Hörschaden, haftet nämlich der Veranstalter“, sagt Schulte-Fortkamp.

Ob der DJ-Führerschein tatsächlich zu einer Verbesserung der Situation in Discotheken geführt hat, wird derzeit überprüft. „Ich würde mir wünschen, dass in jeder Discothek auch ein spezielles Schallmessgerät aufgestellt, bei dem der DJ und die Besucher die Musiklautstärke in Dezibel ablesen können“, sagt Schulte-Fortkamp. Der BDT empfiehlt zudem, dass in Zukunft nur noch Discjockeys eingestellt werden sollen, die einen DJ-Führerschein besitzen.

Der klassische Lärmverursacher in Deutschland ist aber immer noch der Straßenverkehr. So sind schlechte Straßen für ein erhöhtes Lärmaufkommen verantwortlich. „Selbst das Einrichten von Tempo-30-Zonen muss nicht mit einer Verringerung des Lärmes einhergehen“, sagt die Expertin. Im Gegenteil: Mit häufigem Beschleunigen und Abbremsen erhöhe sich sogar der störende Lärm. Besser sei es, wenn Verkehrsplaner auf einen gleichmäßigen Verkehrsfluss achteten.

Menschen, die unter Straßenlärm leiden, empfiehlt Schulte-Fortkamp nach Möglichkeit den Schlafort zu wechseln. Kinder- und Schlafzimmer sollten nicht direkt an der Straße liegen. „Denn bei vielen führt der Lärm zu Nervosität oder Schlafstörungen“, sagt sie. Auch das Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen oder für einen Herzinfarkt sei bei einer dauernden Lärmbelastung erhöht.

http://www.tag-gegen-laerm.de (AP)

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