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Berlin (APD) Trotz schwieriger gewordener Eingliederung hat das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) eine positive Bilanz der ersten fünf Jahre Hartz IV gezogen. „Alles in allem wirkt Hartz IV positiv“, sagte der Leiter des Instituts, Joachim Möller, am Dienstag in Berlin. Seit der Einführung des Arbeitslosengelds II vor fünf Jahren sei die Langzeitarbeitslosigkeit deutlich zurückgegangen. Auch die Vermittlung von offenen Stellen an Arbeitslose habe sich verbessert.
IAB-Vizedirektor Ulrich Walwei erklärte, die Zahl der Hartz-IV-Empfänger sei seit Ausbruch der Wirtschaftkrise im Herbst 2008 um nur 2,8 Prozent gestiegen. „Die betroffenen Betriebe haben in der Regel ein finanzielles Polster und halten ihre qualifizierten Arbeitskräfte“, erklärte Möller die bisher eher geringen Auswirkungen der Krise auf den Arbeitsmarkt. Bei anhaltender Regression müsse man aber mit massiveren Auswirkungen rechnen.
Insgesamt habe sich die Lage der Arbeitslosen verschlechtert. So gibt es nach IAB-Angaben mehr Übergänge vom Arbeitslosengeld I ins Arbeitslosengeld II. Zudem sei es angesichts knapper Stellen und Einstellungsstopps schwieriger, aus der Arbeitslosigkeit zurück in ein Beschäftigungsverhältnis zu finden.
Schafft ein Hartz-IV-Empfänger den Sprung zurück ins Erwerbsleben, sind seine Arbeitsbedingungen meist prekärer als im ursprünglichen Arbeitsverhältnis. „Die Hälfte der Jobs, die Hartz-IV-Empfänger annehmen, sind befristet, 29 Prozent arbeiten unterhalb ihres Qualifikationsniveaus“, sagte der Leiter der IAB-Studie, Mark Trappmann.
Während es jüngere Hartz-IV-Empfänger mit abgeschlossener Ausbildung leichter hätten, wieder einen Job zu finden, gehörten 88 Prozent der ALG-II-Empfänger zur Gruppe schwer vermittelbarer Fälle. Zu ihnen gehören Menschen ohne Ausbildung sowie Ältere und Migranten der ersten Generation. Verlierer der Reformen sind laut Möller alleinerziehende Frauen, die trotz vergleichsweise guter Qualifikationen länger in Hartz IV verbleiben als kinderlose ALG-II-Empfänger. Um dem entgegen zu wirken, bestehe im Bereich der Kinderbetreuung noch Handlungsbedarf.
Den schlechten Ruf der Hartz-Reformen begründete Möller mit einer „katastrophalen Öffentlichkeitsarbeit“. Die Ärmsten der Armen hätten im Vergleich mit der alten Sozialhilfe sogar gewonnen. „Die Armut ist gleicher geworden“, sagte Möller. Er kritisierte den von den Medien geprägten Begriff „Ein-Euro-Job“. „Eigentlich müsste es 'Plus-Ein-Euro-Job' heißen“, so Möller. Schließlich verdiene man sich den Euro zur Grundsicherung hinzu.
Rund 1,2 Millionen Menschen haben im Laufe des Jahres 2008 Sozialhilfe bezogen. Nach Angaben des Statistischen Bundesamts in Wiesbaden stieg die Zahl der Empfänger damit im Jahresvergleich um 6,2 Prozent. Die gesamten Nettoausgaben für diese Leistungen betrugen 19,8 Milliarden Euro.
Die mit Abstand wichtigste Hilfeart war die Eingliederungshilfe für behinderte Menschen. Insgesamt erhielten 713.000 Personen oder 60 Prozent aller Sozialhilfeempfänger diese Eingliederungshilfe.
Bei der Armutsgefährdung gibt es in Deutschland immer noch enorme Unterschiede zwischen den Bundesländern, vor allem zwischen Ost und West. Während in Mecklenburg-Vorpommern 2008 fast jeder Vierte von Armut bedroht war (24 Prozent), war es in Baden-Württemberg (10,2 Prozent) und Bayern (10,8 Prozent) nur rund jeder Zehnte. Allerdings lag die sogenannte Armutsgefährdungsquote auch in Bremen bei 22,2 Prozent. Bundesweit ist jeder siebte Bundesbürger von Armut bedroht (14,4 Prozent). (AP)
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