Umwelt – Landkauf zum Nutzen der Umwelt – Shane Romig
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Landkauf zum Nutzen der Umwelt

Shane Romig

10.06.2007

Der Pumalin Park im Süden Chiles, im Besitz des U.S. Geschäftsmannes Douglas Thompkins. (AP Photo/Carlos Quezada/ La Tercera)
Der Pumalin Park im Süden Chiles, im Besitz des U.S. Geschäftsmannes Douglas Thompkins. (AP Photo/Carlos Quezada/ La Tercera)

Los Esteros del Ibera/Argentinien – Der US-Multimillionär und Gründer der Modefirmen North Face und Esprit will mit Landkäufen in Südamerika Gutes für die Umwelt tun. Zunächst kaufte Douglas Tompkins ein riesiges Gebiet im Süden Chiles, jetzt hofft er darauf, mit seinem Einsatz Feuchtgebiete im Nordosten Argentiniens zu retten. Dazu kaufte er mehr als 200.000 Hektar der Esteros del Ibera, ein Marschgebiet mit reichhaltiger Fauna.

Für manche ist Tompkins wegen seines umweltpolitischen Engagements ein Held. Andere sehen in den Aktivitäten des 64-Jährigen eher einen Ausverkauf des nationalen Erbes an einen Ausländer. In einem Interview der Nachrichtenagentur AP erklärte Tompkins, die industrialisierte Landwirtschaft reiße große Lücken in das ökologisch sensible Marschland und die Savanne, wertvoller Mutterboden gehe dadurch verloren. „Wohin ich hier in Argentinien schaue, sehe ich einen massiven Missbrauch des Bodens, genau, wie es vor 20 oder 30 Jahren in den USA passierte.“

Tompkins will in Argentinien ähnlich vorgehen wie in Chile: breite Streifen Land schaffen, die vor dem Zugriff der Agrarwirtschaft oder industrieller Entwicklung geschützt bleiben, und sie eines Tages der Regierung als Naturreservate übergeben.

Reiche Ausländer haben in den vergangenen 15 Jahren in Patagonien im Süden Argentiniens und Chiles schätzungsweise 1,8 Millionen Hektar Land für private Zwecke gekauft. Der Schauspieler Sylvester Stallone, CNN-Gründer Ted Turner und der italienische Modedesigner Luciano Benetton etwa besitzen große Ländereien inmitten unberührter Natur an Bergen und Seen. Tompkins war unter den ersten, als er in Chile einen rund 55 Kilometer breiten Streifen kaufte, der von einer Bucht am Pazifik bis zur Grenze zu Argentinien in den Anden reicht. Nach seinen Worten diente der Kauf ausdrücklich dem Umweltschutz.

Darauf wurden die argentinischen Behörden aufmerksam und umwarben Tompkins in der Folge. Ende der 90er Jahre, als die Regierung in Buenos Aires wegen einer Wirtschaftskrise an akutem Geldmangel litt, flog sie ihn in mehrere ökologisch wichtige Gebiete. 1998 kaufte er eine 49.000 Hektar große Ranch, seither weitete er seinen Besitz in Argentinien auf 240.000 Hektar aus. In beiden Ländern zusammen besitzt Tompkins nun mehr als 400.000 Hektar, was etwa einem Viertel der Fläche des Bundeslandes Thüringen entspricht.

Finanzielle Einzelheiten wurden nicht bekannt, da es sich um Privatverträge zwischen Tompkins und den bisherigen Landbesitzern handelte. Größeren Widerstand gab es nicht, da Tompkins schrittweise vorging und sein Engagement nicht an die große Glocke hängte. Inzwischen spinnen Kritiker allerdings Verschwörungstheorien und beschuldigen ihn, nach der Kontrolle über das größte Süßwasservorkommen Südamerikas zu streben, auf dessen Gebiet sein Besitz liegt. Die Kritiker befürchten, dass er das Land nie dem Staat übergeben werde.

Kritik an Landverkauf an Ausländer

„Diese Ländereien sollten nicht einem Einzelnen gehören, und schon gar nicht einem Ausländer“, sagt etwa Luis D'Elia, ein früherer Minister der linksgerichteten argentinischen Regierung. Er warf Tompkins im vergangenen Jahr vor, den Zugang zu öffentlichen Straßen zu versperren. Abgeordnete in der Provinz Corrientes, wo das Feuchtgebiet liegt, änderten die Regionalverfassung, um Ausländer daran zu hindern, als strategische Ressource betrachtetes Land zu kaufen. Das Gesetz scheint darauf abzuzielen, weitere Landkäufe Tompkins' zu verhindern. Dieser reagierte mit einer Stellungnahme, wonach eine solche Änderung nicht verfassungskonform sei und vermutlich juristisch angefochten werde.

José Luis Niella, ein sozial engagierter katholischer Priester, erklärte, viele Arme hätten keinen Zugang mehr zu Land, auf dem ihre Vorfahren seit Generationen ungehindert gelebt hätten. „Es ist nicht fair von ihm, sich nur um den Umweltschutz zu kümmern“, sagte Niella. In Chile sagte der unabhängige Senator Antonio Horvath, die Regierung müsse das letzte Wort über die Landnutzung haben. Tompkins' Gebietskäufe hätten das Land tatsächlich in zwei Teile gespalten. Versuche, den US-Bürger zu enteignen oder eine Obergrenze für Landbesitz einzuführen, sind in beiden Ländern gescheitert.

Tompkins betont, er werde das Land irgendwann zur Einrichtung von Naturreservaten an die Regierungen zurückgeben. In der Zwischenzeit werde er zeigen, wozu privater Naturschutz fähig sei. Im argentinischen Feuchtgebiet in seinem Besitz tummeln sich Sumpflandhirsche, Wasserschweine, Kaimane und Nandus. Tompkins' Umwelt-Treuhandgesellschaft entließ kürzlich den ersten Ameisenbären in die Freiheit und will Otter und sogar Jaguare wieder in dem Gebiet ansiedeln. Drei Ranches wurden renoviert und bieten jetzt Ökotouristen Unterkunft.

„Wenn man jede Nacht über all die Beschuldigungen nachdächte, die am nächsten Tag auftauchen, würde man davon aufgefressen“, sagt Tompkins. „Manches davon ist lächerlich. Man muss einfach damit leben und sich auf die Dinge konzentrieren, die man tun.“ (AP)

 

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