Madrid – Dreieinhalb Jahre nach den verheerenden Terroranschlägen in Madrid hat ein Gericht am Mittwoch 21 der 28 Angeklagten schuldig gesprochen. Drei Hauptbeschuldigte wurden zu mehreren tausend Jahren Haft verurteilt. Überraschend freigesprochen wurde dagegen Rabei Osman, der von der Staatsanwaltschaft als einer der Drahtzieher der Anschläge bezeichnet worden war.
Osman sitzt derzeit in Italien in Haft. Er soll sich in einem abgehörten Telefongespräch damit gebrüstet haben, die Anschläge seien seine Idee gewesen. Seine Verteidiger argumentierten jedoch erfolgreich, die Bänder seien falsch übersetzt worden. Vier weitere Männer wurden vom Vorwurf des Mordes freigesprochen, aber wegen Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung zu Haftstrafen zwischen zwölf und 18 Jahren verurteilt. 14 Angeklagte wurden wegen geringerer Straftaten schuldig gesprochen, sechs weitere wurden von allen Vorwürfen freigesprochen.
Der spanische Ministerpräsident José Luis Rodriguez Zapatero zeigte sich zufrieden mit den Urteilen. Der Gerechtigkeit sei genüge getan worden. „Die Barbarei des 11. März 2004 hat einen tiefen Schmerz in unserer gemeinsamen Erinnerung hinterlassen, einen Schmerz, der bei uns bleibt als eine Huldigung der Opfer“, sagte der Regierungschef.
Unter den Hauptbeschuldigten war Jamal Zougam, der mindestens eine Bombe in einen der Züge gebracht haben soll. Sein Komplize Emilio Suarez Trashorras wurde schuldig gesprochen, den Sprengstoff für die Anschläge besorgt zu haben. Dem Marokkaner Osman Gnaoui wurde vorgeworfen, die rechte Hand des Chefs der Operation gewesen zu sein. Ihre Haftstrafen zwischen 34.000 und 43.000 Jahren sind nur symbolisch, da auf eine Verurteilung wegen einer terroristischen Straftat in Spanien maximal 40 Jahre Gefängnis stehen. Eine Verurteilung zu lebenslanger Haft gibt es nicht.
Die Urteilsverkündung durch Richter Javier Gomez Bermudez erfolgte unter strengen Sicherheitsvorkehrungen. Polizeihunde durchsuchten den Gerichtssaal nach Sprengstoff, über dem Gebäude in Madrid kreisten Hubschrauber. Bermudez erklärte im Gerichtssaal, es gebe keine Hinweise auf eine Beteiligung der baskischen Untergrundorganisation ETA an den Anschlägen. Das hatte die damalige konservative Regierung kurz nach den Explosionen behauptet.
Die Serie von zehn Bombenexplosionen in Madrider Pendlerzügen am Morgen des 11. März 2004 kostete 191 Menschen das Leben. Etwa 1.800 weitere wurden verletzt. Islamisten bekannten sich zu den Anschlägen und bezeichneten sie als Racheakt für die Entsendung spanischer Truppen in den Irak. Aus der Wahl kurz nach den Anschlägen gingen die Sozialisten überraschend als Sieger hervor. Der fünfmonatige Prozess war im Juli zu Ende gegangen. (AP)
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