An Bord der A380 – Das ist es also, was den ganzen Trubel verursacht hat. Wenn man aber in einem der weichen Sessel des A380 rasant an Höhe gewinnt, dann scheinen die gewaltigen Probleme, die der Superjumbo Airbus beschert, unten auf der Rollbahn zu bleiben. Man könnte auch sagen, es scheint plötzlich verständlich, warum trotz der zweijährigen Lieferverzögerungen erst ein Kunde abgesprungen ist.
Der A380 ist der größte Passagierjet der Welt, das Prestigeobjekt für den europäischen Flugzeugbauer und das Pfund im Konkurrenzkampf mit Boeing. Am Mittwoch durften erstmals Journalisten mitfliegen. Und die Spannung unter den rund 200 Reportern ist groß, als der Riesenflieger Richtung Startbahn rollt.
Nach Angaben von Airbus verfügt der Jumbo über die ruhigste Kabine am Himmel. Beim Starten und Landen soll nur halb so viel Lärm entstehen wie bei herkömmlichen Maschinen, zudem kommt der neue Gigant der Lüfte mit einer um zehn Prozent kürzeren Landebahn als die Boeing 747 aus.
Tatsächlich ist der Krach lange nicht so gewaltig, wie es für eine derart riesige Maschine zu erwarten gewesen wäre, als die A380 abhebt und Kurs auf die Pyrenäen nimmt. Man muss nicht mal die Stimme heben, um sich weiter zu unterhalten.
Das Dröhnen der Turbinen ist nicht lauter, als würde ein Nachbar einen Straßenblock entfernt Rasen mähen. Das liegt zwar auch daran, dass die Motoren wegen der immensen Spannweite weiter von den Kabinen entfernt sind. Aber nach Airbus-Angaben ist die Lärmemission dennoch halb so groß wie beim Boeing-Konkurrenz-Modell.
Und trotz der heftigen Seitenwinde bleibt das Flugzeug ruhig in der Luft, auch wenn einige Sauerstoffmasken aus ihren Schalen fallen. Die Wirkung ist wie bei einem größeren Boot, in dem man kleine Wellen nicht spürt. „Wo man in einem kleinen Flieger hin und her geschüttelt würde, ist es in dieser Maschine wirklich ruhig“, sagt Fernando Alonso, Vizechef der Testabteilung bei Airbus.
Das zweistöckige Flugzeug kann bis zu 555 Passagiere befördern. Allerdings gilt es als wahrscheinlich, dass die größten Kunden wie Emirates und Qantas weniger, aber dafür profitablere Erste-Klasse-Plätze einrichten wollen. Der Raum in der zweiten Etage ist doppelt so groß wie in der Boeing 747. In der ersten Klasse haben die Passagiere eigene Kabinen. Auch in der Business-Class ist das Raumangebot das bislang großzügigste auf Linienflügen – selbst ein Basketball-Star könnte hier ohne Probleme seine Glieder ausstrecken.
„Das Flugzeug ändert die Spielregeln“, sagte Airbus-Verkaufschef John Leahy, kurz bevor die Reporterschar in Toulouse an Bord ging. „Das einzige, kleine Problem ist, dass wir es nicht schnell genug fertig bekommen haben.“
Über die Extrawünsche der 15 Airlines, die den A380 bestellt haben, hält er sich weitgehend bedeckt. Einige der Spekulationen, wonach der Jet mit Whirlpools ausgestattet werden sollte, seien ein wenig übertrieben. „In der Realität wird es eine Lounge geben, einige Duty-free-Shops, wo man Geld sparen kann. Allerdings hat ein Kunde schon eine Dusche geordert.“ Welcher, das wollte Leahy nicht verraten.
Die Maschine, mit der die Journalisten am Mittwoch drei Stunden unterwegs waren, ist die A380 MSN007 – eines von fünf Testflugzeugen. Auf jedem Deck gibt es eine Bar, am Ende des Decks jeweils eine weite Treppe, wodurch es angenehm ist, durch die Maschine zu laufen.
Für mehrere Luftfahrtexperten stand nach dem Flug fest, dass die A380 nicht nur die größte Maschine, sondern auch die intelligenteste mit dem größten Sex-Appeal ist.
(AP)
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