Kultur – Leo Delibes „Lakmé“ in der Bonner Oper – Bernd und Cecilie Kregel / Gastautoren
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Indisch-britische Liebesgeschichte Leo Delibes „Lakmé“ in der Bonner Oper

Bernd und Cecilie Kregel / Gastautoren

18.02.2012

Leó Delibes Lakmé in der Bonner Oper. Foto: Lilian Szokody
Leó Delibes Lakmé in der Bonner Oper.

Foto: Lilian Szokody

„Zusammenprall der Kulturen?“ Das 19. Jahrhundert konnte ein Lied davon singen - und sogar eine Oper darüber schreiben. In seinem Werk „Lakmé“ zeichnet der Franzose Leo Delibes den indisch-britischen Wertekonflikt musikalisch nach anhand einer Liebesgeschichte zwischen der indischen Bramahnentochter Lakmé (Miriam Clark) und dem britischen Offizier Gérald (Alexandru Badea).

Und dazwischen Lakmés Vater, der Bramahne Nilakantha (Renatus Meszar), der mit seinem kulturell-religiösen Tugendkatalog diese für ihn undenkbare Verbindung mit allen Mitteln zu verhindern sucht. Und dies nach den Vorstellungen der Autoren Edmond Gondinet und Philippe Gille, deren gesungener Originaltext mit deutschen Übertiteln inhaltlich leicht nachzuvollziehen ist.

Nicht immer zum Vorteil. Offenbart doch das Libretto, dass die französischen Autoren nur über ungefähre Vorstellungen von der fernen indischen Kultur mit ihrem unglaublich vielfältigen Götterhimmel verfügten. Doch für Delibes scheint nicht die wissenschaftlich exakte Kulturhistorie im Vordergrund zu stehen. Vielmehr nimmt er den Handlungsgegenstand zum Anlass, um ihn in eine stellenweise zauberhafte Musik umzusetzen.

Allem voran die sogenannte „Glöckchenarie“, das unbestrittene Bravourstück der Oper. Koloratursopranistin Miriam Clark nimmt sie zum Anlass, um ihre stimmliche Bandbreite zwischen  tragfähiger Mittellage bis hinauf in die glockenhellen und lupenreinen Spitzentöne mit spielerisch anmutender Leichtigkeit unter Beweis zu stellen.

Miriam Clark als Lakmé (li.) und Alexandru Badea als Gérald.
Miriam Clark als Lakmé (li.) und Alexandru Badea als Gérald.

Foto: Lilian Szokody

Auch die anderen sängerischen Leistungen in dem Stück der Bonner Oper können sich hören lassen. Wie beispielsweise Susanne Blattert als Mallika, Anjara I. Bartz als Mistress Bentson, Julia Kamenik als Ellen und Charlotte Quadt als Rose. Ebenso Giorgos Kanaris als Frederic und Carles Prat als Hadji. Schön anzuschauen auch die drei Tänzerinnen Stephanie Blasius, Raquel Lopez Ogando und Nora Vladiguerov.

Sie alle tun ihr Bestes, um die nicht letztlich überzeugende Inszenierung von Paul-Emile Fourny aufzuwerten. Beeindruckend auch das Bühnenbild von Benoit Dugardyn (Licht: Max Karbe), das in fein ziseliertem  Fatehpur Sikri-Stil die Mogul-Ära Indiens überzeugend herauf beschwört. Genial die auf der Mitte der Drehbühne installierte triptychonartige Trennwand, die durch Öffnen und Schließen der Flügel bei gleichzeitiger Bühnendrehung eine unglaubliche Vielfalt an Gestaltungsmöglichkeiten bereit hält.

Und auch dem Beethoven Orchester Bonn unter der Leitung von Stefan Blunier ist wie dem Chor des Theaters Bonn (Einstudierung: Sibylle Wagner) durch sensible Interpretation die Freude an der Ausgestaltung dieser musikalischen Rarität anzumerken. Mit begeistertem Applaus bedankt sich das Publikum, das der Aufführung der Lakmé die erkennbaren Schwächen der Inszenierung gern verzeiht.

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