Aktuelle Nachrichten – Deutschland
12.02.2011
St. Goarshausen (dapd-rps). Am havarierten Säuretanker nahe der Loreley laufen die letzten Vorbereitungen für die für Sonntag geplante Bergung des Schiffs. Am Samstagmittag waren die Bergungskräfte dabei, die für die Bergung notwendigen Kräne in Stellung zu bringen, wie ein Sprecher der Einsatzleitung in St. Goarshausen (Rhein-Lahn-Kreis) auf dapd-Anfrage sagte. Zwei Kräne sollen die Bergung des Schiffes vornehmen, ein dritter Kran soll am nahen Loreleyhafen zur Sicherung der Arbeiten genutzt werden.
Zur eigentlichen Bergung am Sonntag erwartet die Einsatzleitung einen großen Andrang von Schaulustigen an beiden Ufern des Rheins. Unter anderem deshalb sind ab 7.00 Uhr früh die Bundesstraßen auf beiden Seiten des Flusses gesperrt: die rechtsrheinische B 42 von Kaub bis St. Goarshausen, die linksrheinische B 9 von Oberwesel bis St. Goar.
Man wolle vermeiden, dass es etwa durch abgelenkte Autofahrer zu Unfällen komme, sagte der Sprecher. Außerdem müsse sichergestellt werden, das im Notfall ein schnelles Heranschaffen von Bergungsmaterial möglich sei. Im Uferbereich direkt an der Unglücksstelle werde zudem eine Sicherheitszone eingerichtet für den Fall, dass während der Bergung etwa eines der unter dem Schiff gespannten Stahlseile reiße.
Die Bergung soll dann am Sonntag um 7.00 Uhr damit beginnen, dass im Bugbereich des Schiffs zwei der insgesamt sieben Säuretanks, die derzeit mit Rheinwasser gefüllt sind, leergepumpt werden. Dadurch soll das Schiffen, das derzeit nur am Heck aus dem Wasser ragt, Auftrieb bekommen.
Sobald das Schiff dann wieder schwimmt, soll es noch im Strom mit Hilfe der um den Schiffskörper gespannten Stahlseile langsam in seine normale Lage gedreht werden. Wie lange das dauern wird, ist dem Sprecher zufolge unklar. Der Rhein sei vorsorglich bis Dienstagfrüh 7.00 Uhr für die Schifffahrt gesperrt.
Sobald die Normallage erreicht ist, wollen die Einsatzkräfte zunächst im Schiffsinneren nach den Leichen der beiden noch vermissten Schiffer suchen. Wie es dann weitergeht, hängt dem Sprecher zufolge vor allem vom Zustand des Schiffs ab. Auf jeden Fall werde der Tanker aber zuerst einmal aus der Fahrrinne heraus ans Ufer gezogen.
Derzeit gingen die Bergungsexperten davon aus, dass der Doppelhüllentanker prinzipiell noch schwimmfähig sei und weggeschleppt werden könne. Allerdings sei auch nicht auszuschließen, dass durch die zahlreichen Felsen, die an der Loreley auf dem Grund des Rheins seien, die Außenhülle des Schiffs möglicherweise stark beschädigt wurde.
Der 110 Meter lange Chemietanker war am 13. Januar aus noch ungeklärter Ursache gekentert. Von den 2.400 Tonnen Schwefelsäure an Bord konnten etwa 550 Tonnen geborgen werden. Der Rest trat entweder langsam aus oder wurde kontrolliert abgelassen. Die Bergungsexperten hatten sich dazu entschlossen, um ein Auseinanderbrechen des Tankers zu verhindern. Langsam in den Rhein abgelassen, stellt Schwefelsäure den Angaben zufolge durch die große Verdünnung keine Umweltgefahr dar.
(dapd)
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