Aktuelle Nachrichten Europa – Liberianischer Expräsident Charles Taylor zu 50 Jahre Haft verurteilt – von Mike Corder
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Blutdiamanten für Waffen und Munition Liberianischer Expräsident Charles Taylor zu 50 Jahre Haft verurteilt

von Mike Corder

30.05.2012

Im vergangenen Monat wurde Taylor unter anderem wegen Terror, Mordes, Vergewaltigung und der Anwerbung von Kindersoldaten schuldig gesprochen. Foto: ICC/AP Photo
Im vergangenen Monat wurde Taylor unter anderem wegen Terror, Mordes, Vergewaltigung und der Anwerbung von Kindersoldaten schuldig gesprochen.

Foto: ICC/AP Photo

Den Haag – Als mitverantwortlich für "einige der abscheulichsten und brutalsten Verbrechen in der Geschichte der Menschheit" hat ein Sondertribunal den liberianischen Expräsidenten Charles Taylor zu 50 Jahren Haft verurteilt. Der 64-jährige Angeklagte Taylor war von dem Gericht in Den Haag zuvor bereits in elf Anklagepunkten wegen Unterstützung von Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit für schuldig befunden worden. Der Vorsitzende Richter Richard Lussick bezeichnete Taylors Verbrechen bei der Verkündung des Strafmaßes am Mittwoch als in Umfang und Brutalität von größter Schwere.

Im vergangenen Monat wurde Taylor unter anderem wegen Terror, Mordes, Vergewaltigung und der Anwerbung von Kindersoldaten schuldig gesprochen. Es war das erste internationale Urteil gegen einen afrikanischen Staatschef. Demnach unterstützte Taylor die Rebellen im benachbarten Sierra Leone während des Bürgerkriegs von 1991 bis 2002. Mehr als 50.000 Menschen kamen dabei ums Leben.

Der Anklage zufolge lieferte Taylor Waffen, Munition und andere Ausrüstung an die Rebellen. Bezahlen ließ er sich diese Hilfe mit sogenannter "Blutdiamanten" – Diamanten, die von Sklaven zur Finanzierung des Kriegs geschürft wurden. "Die Leben von vielen zusätzlichen Zivilpersonen in Sierra Leone wurden als direkte Auswirkungen ihrer Handlungen zerstört und ausgelöscht", sagte Richter Lussick zu Taylor. Der Ex-Präsident blieb bei der Urteilsverkündung äußerlich ruhig.

Verglichen mit anderen von dem UN-Gericht verurteilten Kriegsverbrechern sei Taylor "eine Klasse für sich", sagte Richter Lussick. Als Staatschef gehöre er in Bezug auf die Strafmaßfindung in eine völlig andere Kategorie. Es gebe keinen Präzedenzfall. Mit seinem Strafmaß von 50 Jahren Haft blieb der Richter unterhalb der von der Staatsanwaltschaft geforderten 80 Jahre Haft. Die Freiheit wird Taylor wohl aber trotzdem nie wiedersehen. Seine Strafe soll er in Großbritannien absitzen. Allerdings wird erwartet, dass seine Anwälte Berufung gegen das Urteil einlegen werden, weswegen er wohl noch eine Weile in den Niederlanden bleiben wird.

Nach der Anklageerhebung gegen ihn im Jahr 2003 dankte Taylor ab und floh nach Nigeria. 2006 wurde er festgenommen und in die Niederlande überstellt. Während das mit den Verbrechen in Sierra Leone befasste Tribunal allerdings in der Hauptstadt Freetown tagt, wurde der Prozess gegen Taylor ins Ausland verlagert. Zu groß war die Angst, dass Taylor vor Ort Westafrika erneut destabilisieren könnte.

 

(dapd)

 

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