Sydney/Bonn – Für den Klimaschutz sind am Samstag rund um den Globus in vielen Städten die Lichter eine Stunde ausgeschaltet worden. Von den Chatham-Inseln im Pazifik über Neuseeland, Australien und Asien wanderte die „Earth Hour“ zwischen 20.30 und 21.30 Uhr Ortszeit westwärts. In allen Zeitzonen auf der Welt wollten sich insgesamt 4.000 Städte in 88 Ländern an der von den Vereinten Nationen unterstützten Aktion beteiligt haben, sagte „Earth Hour“-Direktor Andy Ridley von der Umweltorganisation WWF.
An vielen symbolträchtigen Orten auf der Welt gingen bei der diesjährigen „Earth Hour“ die Lichter aus, so an den Pyramiden in Ägypten, an der Athener Akropolis, dem Londoner Riesenrad und der Lichtermeile von Las Vegas. In Deutschland machten Hamburg und andere Städte an der von den Vereinten Nationen unterstützen Aktion mit. „Die Earth Hour ist eine Möglichkeit für die Bürger der Welt, eine klare Botschaft zu senden,“ sagte UN-Generalsekretär Ban Ki Moon in einer Internet-Botschaft.
In Paris fielen am Abend der Eiffelturm und Notre Dame ins Dunkel, der Eiffelturm aus Sicherheitsgründen aber nur fünf Minuten. Pünktlich gingen auch am Petersdom und am Kolosseum in Rom die Lichter aus. In Spanien wurden Lichter in allen 52 Provinzhauptstädten ausgeschaltet, auch der königliche Palast und das Parlament in Madrid, das Guggenheim-Museum in Bilbao und die Alhambra in Granada lagen im Dunkeln.
Die „Erdstunde“ wurde erstmals 2007 abgehalten – eine einzige Stadt, Sydney, beteiligte sich an dem symbolischen Licht ausknipsen für mehr Umweltbewusstsein und der Forderung nach einem wirksamen internationalen Klimaschutzabkommen. Im vergangenen Jahr machten 400 Städte mit. Mit der diesjährigen Aktion soll vor allem Druck auf die Kopenhagener Klimaschutzverhandlungen gemacht werden, bei denen es Ende des Jahres um ein Nachfolgeabkommen für das Umweltprotokoll von Kyoto geht. Dieses Abkommen, dem beispielsweise die USA nicht beitraten, läuft 2012 aus.
China, das bislang für sich eine international fixierte verbindliche Schadstoffreduzierung ablehnt, beteiligte sich erstmals an der Aktion. In Peking wurde das Licht an den bekanntesten Olympiastätten des vergangenen Jahres, dem „Vogelnest“-Stadion und dem „Wasserwürfel“ abgeschaltet. Auch die Millionenmetropole Shanghai machte mit, Hongkong verzichtete auf seine „Symphonie des Lichts“, bei der Laser- und Lichtquellen von 44 Gebäuden aus die Victoria-Bucht illuminieren. In Kuala Lumpur fielen die Petronas-Zwillingstürme ins Dunkel, die zu den höchsten Gebäuden der Welt zählen.
Auf den Chatham-Inseln 800 Kilometer östlich von Neuseeland begann „Earth Hour“ mit dem Ausschalten von Dieselgeneratoren. In Auckland wurden etwas später auch die Lichter im höchsten Gebäude Neuseelands, dem Sky Tower, ausgeknipst. In Sydney, sozusagen der Geburtsstunde von „Earth Hour“ vor zwei Jahren, gingen auch die Lichter der berühmten Oper aus. Forscher der neuseeländischen Station Scott in der Antarktis schalteten ebenfalls alle nicht dringend benötigten Geräte aus.
Ridley sagte, die Veranstalter hätten angesichts der globalen Wirtschaftskrise mit einer geringeren Beteiligung gerechnet, es sei aber genau das Gegenteil eingetreten. „'Earth Hour' war immer eine positive Kampagne; das waren Straßenfeste und nicht Straßenproteste, es ist die Idee der Hoffnung und nicht der Verzweiflung“, sagte Ridley. „Und ich denke, das ist dieses Jahr ungeheuer wichtig, weil es sonst so viel Verzweiflung gibt.“
http://www.earthour.org/
UN-Generalsekretär Ban Ki Moon:
http://www.youtube.com/watch?v=9bm7yR0HcVY (AP)