Kultur – Liebesmärchen aus dem alten Teheran – Axel Schock
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Huhn mit Pflaumen Liebesmärchen aus dem alten Teheran

Axel Schock

31.12.2011

In diesem Film wirkt alles Orientalische merkwürdig unauthentisch. Foto: Prokino Filmverleih/dapd Photo
In diesem Film wirkt alles Orientalische merkwürdig unauthentisch.

Foto: Prokino Filmverleih/dapd Photo

Berlin – Das filmische Erstlingswerk der Comiczeichnerin Marjane Satrapi, der Animationsfilm "Persepolis", war ein überzeugender Coup. Die gemeinsam mit Vincent Paronnaud realisierte Verfilmung ihrer autobiografischen Graphic Novel über Kindheit und Jugend im Teheran zu Zeiten der Revolution wurde beim Filmfestival von Cannes mit dem Preis der Jury und auch mit einer Oscar-Nominierung belohnt. Nun hat das Regieduo Satrapis Comicroman "Huhn mit Pflaumen" für die Leinwand adaptiert, diesmal jedoch als märchenhaften Realfilm.

Wurde "Persepolis" nicht nur wegen des unkonventionellen Zeichenstils, sondern auch der aufwühlenden und zugleich differenzierten Auseinandersetzung mit der iranischen Geschichte geschätzt, spielen politische Momente im neuen Film der Exil-Iranerin kaum eine Rolle.

Erzählt wird von einer unglücklichen Liebe im Teheran des Jahres 1958. Der berühmte Geiger Nasser Ali Khan (Mathieu Amalric) will freiwillig aus dem Leben scheiden. Warum, das offenbart sich dem Zuschauer in kunstvoll verschachtelten Vor- und Rückblenden, die nicht von ungefähr an die Erzählweise der "Märchen aus Tausendundeiner Nacht" erinnern.

Da gibt es rührselige Erinnerungen an die Kindheit, handfeste Dispute mit Nassers Mutter (Isabella Rossellini) und philosophische Grundsatzdebatten mit dem Todesengel Azraël (Edouard Baer). Nach und nach schält sich der Grund für Nassers Lebensmüdigkeit heraus: Er will keineswegs, wie die Welt denken soll, in den Tod gehen, weil seine Frau Faranguisse (Maria de Medeiros) in einem Wutanfall seine geliebte Violine zerstört hat. Vielmehr kann er es nicht länger ertragen, dass er als Student aus Standesgründen seine wahre Liebe, die schöne Irâne (Golshifteh Farahani), nicht heiraten durfte.

Bunt und visuell ausladend bis an die Grenze zum Kitsch

Um die komplex miteinander verwobenen Episoden zu bebildern, bringt das Regieduo Paronnaud und Satrapi eine Vielzahl visueller Ideen – von Szenen in Scherenschnitttechnik über Zeichentrickeffekte bis zu gezeichneten Hintergrundpanoramen – zum Einsatz. Doch so bunt, detailverliebt und fantasievoll die gestalterische Umsetzung auch sein mag, auf Dauer mag der märchenhafte Bilderzauber nicht darüber hinwegtäuschen, dass "Huhn mit Pflaumen" nicht das berührende Melodram geworden ist, das Satrapi offensichtlich vor Augen hatte.

Die zum Kitsch neigende Poesie erscheint dann doch zu aufgesetzt und letztlich sogar bieder. Zudem wirkt in diesem Film alles Orientalische merkwürdig unauthentisch. Vielleicht, weil seltsamerweise fast alle persischen Charaktere – wohl aus Rücksicht auf das westliche Kinopublikum – mit Franzosen besetzt wurden. Die tiefe Tragik jedenfalls, die Nassers Leben kennzeichnet, bleibt pure Behauptung. Spürbar zu machen vermag sie der Film nicht.

("Huhn mit Pflaumen", Melodram, Frankreich 2011, 91 Minuten, FSK: 12, Verleih: Prokino, Regie: Vincent Paronnaud und Marjane Satrapi, Darsteller: Mathieu Amalric, Maria de Medeiros, Golshifteh Farahani, Edouard Baer, Isabella Rossellini, Chiara Mastroianni u. a.)

 

(dapd)

 

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