Aktuelle Nachrichten – Europa
08.03.2007
Rom – Um ihre ewige Treue zur Schau zu stellen, greifen Hunderte Liebespaare in Rom zu einem skurrilen Ritual: Sie ketten Vorhängeschlösser an die Laternenmasten auf einer antiken Brücke und werfen die Schlüssel in den Tiber. Die Stadtbehörden sorgen sich inzwischen schon, ob die Milvische Brücke dem Ansturm gewachsen ist. „Der Ritus hat ein problematisches Ausmaß erreicht“, sagte Stadtvertreter Marco Perina. „Wir müssen die Würde der Brücke und zugleich diese schöne Praxis bewahren.“
Einige Masten auf der nördlichen Tiber-Brücke sind schon schwer wie Weihnachtsbäume behängt. Viele Paare haben ihre Namen oder kurze Botschaften auf den Vorhängeschlössern verewigt. Sie werfen die Schlüssel über die Schulter in den Fluss, um nicht zu sehen, wo diese landen. Neu ist das Ritual zwar nicht in Italien. Doch die Milvische Brücke ist dabei neuerdings besonders angesagt, seitdem sie Schauplatz zweier Bestseller-Liebesromane war.
Gebaut wurde die Brücke im zweiten Jahrhundert vor Christi. 312 nach Christi entschied sich auf ihr die Schlacht zwischen Kaiser Konstantin und seinem Mitkaiser Maxentius. Heute dient die 136 Meter lange und knapp neun Meter breite Ponte Milvio als Fußgängerbrücke in der Nähe des Olympiastadions nördlich des historischen Stadtzentrums.
Dank ihrer neuen Popularität war die Brücke inzwischen sogar schon in einem Musikvideo zu sehen, das das neue Ritual aufgriff. Außerdem wird in Rom mittlerweile das „Goldene Vorhängeschloss“ verliehen: ein Preis für die beste Liebesbotschaft zum Valentinstag. Und nicht zuletzt werden jetzt wieder deutlich mehr Touristen in das etwas abseits gelegene Gebiet gelockt als noch vor wenigen Jahren.
Allerdings hat der Hype auch negative Folgen: In der vergangenen Woche wurden mehrere Hundert der Vorhängeschlösser gestohlen. Allerdings tauchten sie am nächsten Tag wieder auf und sollen demnächst feierlich zurückgehängt werden; an der Zeremonie wird vermutlich sogar der Bürgermeister teilnehmen.
Für die Stabilität der Laternenmasten bedeuten die Schlösser nämlich keine Gefahr, wie eine Untersuchung im Auftrag der Stadt ergab. Aus Furcht vor möglichen Schäden an der Brücke selbst suchen die Behörden derzeit dennoch nach einem alternativen Platz für die gewichtigen Liebesbeweise. Als eine Möglichkeit wird erwogen, auf einem Platz in der Nähe der Brücke eine „Liebes-Laterne“ aufzustellen. „Wir wollen diese Tradition erhalten“, sagte Perina. „Es wird sein, wie eine Münze in den Trevi-Brunnen zu werfen.“ (AP)
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