“Game Over” für Spielhallen treibt Zocker in Online Casinos

Epoch Times30. January 2018 Aktualisiert: 30. Januar 2018 0:00
Der Glücksspielstaatsvertrag der 2012 in Kraft trat gab den Spielhallen in Deutschland 5 Jahre Galgenfrist um diese umzusetzen. Seit Juli 2017 ist das Gesetz in Kraft und viele Zocker haben …

Der Glücksspielstaatsvertrag der 2012 in Kraft trat gab den Spielhallen in Deutschland 5 Jahre Galgenfrist um diese umzusetzen. Seit Juli 2017 ist das Gesetz in Kraft und viele Zocker haben ihre Heimspielstätte verloren. Als Alternative boomen jetzt die Online Casinos.

Mit den Änderungen des Vertrags versucht man von Seiten des Bundes und der Länder gegen die Spielsucht anzukämpfen. Allerdings hört sich dies einfacher an als es ist. Generell ist Glücksspiel in Deutschland auf Länderebene geregelt. Das heißt nichts anderes als dass es regionale unterschiede gibt, welche natürlich wiederum zu erheblichen Problemen führen. Während in Bayern zwischen zwei Spielhallen ein Mindestabstand von 250 Metern liegen muss, sind es in Nordrhein-Westfalen 350 Metern. Ähnliche Regelungen gelten auch für den Abstand zu Bildungseinrichtungen oder Heimen in denen Kinder und/oder Jugendliche wohnen sowie manchen Krankeneinrichtungen.

Zudem werden in dem neuen Gesetz nur bis zu 12 Automaten an einem Standort geduldet. Jeder der schon mal in einer Spielothek war weiß, dass es sich hierbei um eine Utopie handelt. Diese Hallen haben eine Konzession für Mehrfachspielhallen. Das heißt nichts anderes, dass mehrere konzessionierte Betriebe unter einem Dach vereinigt sind. Das soll nach der neuen Regelung auch nicht mehr möglich sein.

Spielhallenbetreiber wehren sich

Die Schließungen bringen den Städten und Gemeinden in Deutschland viel bürokratische Arbeit. Der Gesetzgeber hat den Betreibern nämlich auch das Recht eingeräumt Härtefallanträge zu stellen. Diese werden in den meisten Fällen von den zuständigen Ordnungsämtern bearbeitet. Dabei gibt es aber dann keine einheitliche Linie und selbst Nachbarstädte im selben Bundesland verfahren mit dem Problem auf unterschiedliche Art und Weise.

In Dortmund werden diese Härtefälle zum Beispiel eher akzeptiert als in der Nachbarstadt Münster. In Letzterer führte der Leiter des Ordnungsamtes in einem kürzlich gegebenen Interview aus, dass er keine Bedenken bezüglich der Härtefälle habe. Von den 55 in Münster existierenden Spielhallen sind 17 unbedenklich und zwei seien „auf der Kippe“. Hinter meisten Hallen stehen ohnehin Konzerne und Unternehmen für die es laut Gesetzgeber keine Härtefälle gibt. Allerdings rechne er mit einer Reihe von Schadensersatzklagen. Dafür habe man aber Experten welche das Verfahren beschleunigen können. Allerdings müsse man wohl auch das „Stadtsäckel“ etwas enger schnüren. Durch die Schließung der Spielhallen werden unter anderem die Einnahmen aus der Vergnügungssteuer nicht unwesentlich zurückgehen.

In München brät man eine Extrawurst

Wie so oft ticken die Uhren in Bayern etwas anders. Das Bayerische Innenministerium hat Härtefall Regelung welche den Betreibern zunächst die Möglichkeit gibt die im Gesetz geregelten Vorgaben um vier Jahre aufzuschieben. Dafür müssen die Betreiber folgende „Qualitativen Maßnahmen zur Reduzierung der Gefährlichkeit“ erfüllen.

  • Zutritt zu den Spielhallen ist erst ab 21 Jahren erlaubt
  • Der Spieler kann einen Selbstantrag stellen um sich aus einer Halle aussperren zu lassen. Hierauf müssen die Spieler in der Spielhalle selbst auf geeignete Art deutlich hingewiesen werden
  • Die Sperrzeit muss mindestens 6 Stunden betragen
  • Betreuung der Spieler durch geschulte Spieler-Schutzbeauftragte
  • Betreiber müssen Tester zur Mitarbeiterkontrolle beauftragen

In München gibt es derzeit 227 Spielhallen. 213 davon erfüllen die neuen Gesetzesvorgaben, wie zum Beispiel den Mindestabstand von 250 Metern, nicht. Mit den neuen Härtefall Regeln haben die meisten bayerischen Spielhallen nun die Möglichkeit bis zum Juli 2021 eine Lösung zu finden.

Online Casinos profitieren vom Glücksspielvertrag

Ob man sich mit dem neuen Staatsvertrag in den eigenen Fuß geschossen hat muss die Zukunft zeigen. Was sich aber schon jetzt abzeichnet ist der Zuwachs von registrierten Mitgliedern in Online Casinos. Internetportale wie Casinospezialist berichten über das überdurchschnittlich wachsende Interesse an den virtuellen Spielhallen.

Einer der Gründe hierfür ist vor allem, dass die Spielfreunde in den Online Casinos oftmals die selben Automaten vorfinden wie in ihrer realen Spielothek. Die „Lachende Sonne“, seit vielen Jahrzehnten das Logo der Merkur Spielautomaten der Gauselmann Gruppe lacht auch in vielen Online Casinos. Zudem muss man dort nicht warten bis ein Automat frei wird, alle Spiele sind umgehend verfügbar. Man hat oftmals hunderte verschiedener Spielautomaten zur Auswahl. Diese können sogar kostenlos getestet werden. Versuchen sie mal in der Spielhalle einen der Mitarbeiter zu fragen ob sie erst einmal ein paar Runden üben können und sich dann entscheiden ob sie den Geldspielautomaten mögen oder nicht.

Ein weiterer Vorteil in den Online Casinos ist die hohe Auszahlungsquote. Diese liegt in der Regel bei über 95%, eine Hausnummer von der Spielhallen oder staatliche Lotterien nur träumen können.

Im Online Casino ist nicht alles Gold was glänzt

So einfach wie es sich liest ist es für die Betreiber der Online Casinos in Deutschland aber bei weitem nicht. Generell ist das Zocken in virtuellen Spielhallen in Deutschland illegal. Eine Ausnahme bildet hier Schleswig-Holstein. Das Bundesland hat einigen Betreibern eine Art „beschränkte Testlizenz“ ausgestellt.

Die findigen Betreiber der virtuellen Spielhallen haben jedoch Lizenzen aus Malta oder Gibraltar. Da Online Glücksspiel von der EU geregelt ist, sind die Online Casinos mit maltesischer Lizenz absolut legal. Die meisten Anbieter betreiben eine komplett entwickelte deutsche Webseite, die allerdings auf Servern außerhalb Deutschlands gehostet wird. Wie es bei den in Gibraltar angemeldeten Unternehmen nach dem Brexit weitergeht steht momentan noch in den Sternen. Sicherlich wird man auch hier eine clevere Lösung finden. Einige der großen Casinobetreiber erwägen jedoch einen Umzug nach Malta.

Kurz vor Weihnachten ging aber ein kleines Beben durch die Online Casinos. Die in Deutschland und Österreich ansässigen Unternehmen Novomatic und die Gauselmann Gruppe (Merkur Spielautomaten) blockierten ihre Spielautomaten für alle Spieler die aus Deutschland auf die Online Slots zugreifen. Hiermit wolle man -laut Aussagen der Firmensprecher- Konflikte mit den Gesetzen vermeiden bis eine klare Lösung gefunden wird. (red)

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