Was bedeutet die Digitalisierung für die Modebranche?

Epoch Times22. January 2018 Aktualisiert: 22. Januar 2018 22:25
Innovative Produkte hielten in den vergangenen Jahren in nahezu all unseren Lebensbereichen Einzug. Selbst in der Modebrache reagieren die Designer auf die scheinbar unbegrenzten Möglichkeiten des multimedialen Wandels. In den …

Innovative Produkte hielten in den vergangenen Jahren in nahezu all unseren Lebensbereichen Einzug. Selbst in der Modebrache reagieren die Designer auf die scheinbar unbegrenzten Möglichkeiten des multimedialen Wandels. In den schöpferischen Industrien verbreitet sich mehr und mehr die Annahme, man müsse dem digitalen Wandel entsprechen und die bestehenden Systeme, Geschäftsmodelle und Prozesse rasch „zukunftsfähig“ gestalten.

Der Wandel der Modegeschäftswelt hat vor allem mit dem mobilen Web zu tun. Viele Kunden kaufen ihre Kleidung online – und das nicht nur bei großen Modeketten. Dabei sitzen die Kunden nicht mehr ausschließlich vor den heimischen Rechnern, sondern surfen mit den mobilen Endgeräten auf großen Onlineshops oder bei Stylefindern wie Stylaholic, um neue Kleidung zu kaufen. Für viele Menschen ist diese Entwicklung bequemer und einfacher, da sie die Ware zu jeder Zeit und an jedem beliebigen Ort der Welt kaufen können. Auch an den Umsatzzahlen lässt sich der digitale Trend ablesen. Laut einschlägigen Statistiken macht der Anteil der verkauften Modeartikel im Internet bereits 20 Prozent des gesamten Umsatzes aus. Das Kölner Institut für Handelsforschung sagt voraus, dass der Anteil der Artikel, welche die Kunden online kaufen, in den kommenden Jahren um 30 Prozent wachsen könnte – und somit die Hälfte aller Umsätze ausmache.

Überschätzen die Modegurus die digitalen Wünsche der Kunden?

Es gibt auch andere Stimmen, die der Digitalisierung der Mode keine so hohe Bedeutung beimessen. Diese Experten weisen der Digitalisierung eine unterstützende Rolle in der Bekleidungs- und Textilindustrie zu. Zwar erlauben die digitalen Prozesse schnellere und effizientere Reaktionen, die Kundenanliegen würden sich allerdings nicht wesentlich ändern, was in der Natur der Mode begründet liegt: Bestellen die Kunden in einem Online-Shop, können sie zwar weltweit auf einfachste Weise auf all ihre Lieblingsprodukte zugreifen, aber kein „reales Shoppingerlebnis“ genießen. Ein wesentlicher, entscheidender Faktor, der viele Kunden zum Kauf bewegt, fehlt in den Online-Shops, denn diese können trotz der digitalen Fortschritte die Haptik eines Kleidungsstückes nicht über eine Breitbandverbindung transportieren. Nur in einem „realen“ Geschäft kann der Kunde den Stoff haptisch wahrnehmen und Größe, Kontur und Maße erfassen.

Neue E-Commerce-Systeme etablieren sich im Mode-Sektor

Experten gehen davon aus, dass das digitale Zeitalter der Mode gerade erst beginnt und in den nächsten Jahren weiter voranschreitet – nicht zuletzt dank der neuen E-Commerce-Systeme, die eine Wechselwirkung zwischen Online- und Offline Kanälen erzeugen. Ein einfaches Beispiel hierfür bilden Millionen Kunden, die sich online zu einem Produkt belesen und dieses Produkt anschließend in einem lokalen Geschäft anprobieren und kaufen. Hier liegt eine der zentralen Herausforderungen, die es für Unternehmen zu bewältigen gilt: Sie müssen den Spagat zwischen Online- und Offlinemarkt meistern und die Kunden auf allen Kanälen von dem Produkt überzeugen. Im Idealfall gelingt es, die Kunden nach dem Kauf eines Produktes langfristig an sich zu binden.

Vor welchen weiteren Hürden steht die Mode des 21. Jahrhunderts?

  • Die Branche muss den Begriff der „Digitalisierung“ neu erfinden und definieren. Dieser Prozess geht weit über die Existenz eines Online-Shops hinaus.

  • Die Branche steht vor der Aufgabe, mit anderen Bereichen zu verschmelzen und in eine Art symbiotische Beziehung zu treten. Dies trifft vor allem auf technische und elektronische Themenfelder zu.

  • Die Geschäftsmodelle der Modewelt könnten innovativer sein. Damit einher geht die Personalfrage, denn Veränderungen benötigen fundierte Experten, die sich in der modischen Umgebung und mit artverwandten Branchen auskennen.

Folgende Fehler gilt es, zu vermeiden:

  • Zusatzleistungen außer Acht lassen: Es ist eine gewinnbringende Option, neue und dauerhafte Kollektionen mit attraktiven Benefits für Kunden zu verknüpfen.

  • Digitalisierung als Trend bewerten: Sie ist viel mehr als das, nämlich die Gesellschaft von morgen.

  • Kooperationen vernachlässigen: Zuverlässige Geschäftspartner sind unverzichtbar, um die eigene Philosophie zukunftssicher, multimedial und international auszurichten.

Digitalisierung verbindet Handel und Medien miteinander

Einen erheblichen Anteil an der neuen Ausrichtung haben die Medien, die sich in den letzten Jahren zunehmend mit dem Handel vernetzten. Den Anfang machten die Blogger, die sich bewusst als eine Art Gegenpol der großen, massentauglichen Modelabel verstanden und neue (modische) Werte wie Emotionalität, Subjektivität und Unabhängigkeit in ihrer Kreativität entfalteten. Heute sind Blogger ein fester Bestandteil der Modebranche und setzen eigene Trends. Immer mehr Marken und Label schwören auf eine Zusammenarbeit mit sogenannten „Influencern“. Die privaten Blogger sind breit vernetzt und erreichen auf ihren Facebook- oder Instagram- Accounts viele Menschen auf der ganzen Welt.

Welche spektakulären Entwicklungen gab es in den letzten Jahren?

Die kreativen und selbstbewussten Modeblogger waren nicht das einzige Phänomenen, das es in den letzten Jahren zu beobachten gab. Neue technische Fortschritte kamen in der Modewelt auf und sorgen einerseits für Begeisterung, andererseits für Kopfschütteln. Dazu gehören die sogenannten „Smart Textiles“. Das sind passive, textile Strukturen, die fähig sind, auf äußere Reize der Umgebung, beispielsweise Druck, Licht, Temperatur oder Niederspannungsstrom zu reagieren. Diese Art der Textilien sei laut Experten funktional und aktiv gegenüber äußeren Umweltbedingungen. Die pfiffigen Textilien haben sich als umsatzstarke Innovationen in vielen Bereichen etabliert – so auch in der Medizin, da die Bandbreite hier von antibakterieller Kleidung bis hin zu „heilenden“ Verbänden reicht, die bei einem Hautkontakt medizinische Arzneien in bestimmten festgelegten Dosierungen freisetzen.

Zu den neuen Spielwiesen der modischen Kreativität gehört auch der 3D-Druck. Renommierte Designer gingen bereits dazu über, ihre Kollektionen mittels 3D-Drucker herzustellen. Der bekannte Sportartikelhersteller Adidas hat das Ziel, künftig hochwertige sportliche Treter mit solch einem 3D- Verfahren anzufertigen, mit dem Ziel, „regionaler und nachhaltiger arbeiten zu können“ und die Konkurrenz aus China auf Abstand zu halten. Zu den weiteren zukunftsträchtigen Entwicklungen gehören die bekannten „Wearables“, smarte Uhren und Fitnessarmbänder, sowie futuristisch orientierte Kleidung mit LED-Elementen. Karl Lagerfeld, der berühmte Modedesigner, stellte solch eine Handtasche jüngst auf der Pariser Modewoche zur Schau.

Welche Gefahren entstehen durch den digitalen Wandel der Mode?

Die Neuerungen der Mode sind nicht immer nur positiv zu werten. Das Angebot war zwar selten so umfangreich und groß wie heute, doch besteht die Gefahr, dass die Kleidung zunehmend einheitlicher aussieht und die Kreativität verloren geht, da die individuellen Modelabel, welche nicht für die Massen produzieren, sondern auf kleine Kollektionen setzen, mehr unter Zeit- und Konkurrenzdruck stehen. Prominente Botschafter, welche die Ware vermarkten, sprechen die Menschen heutzutage eher an als die Kollektion selbst. Die Digitalisierung legt sich damit ihre eigenen Ketten an und das kann verhängnisvoll sein, wie eine große Modekette kürzlich feststellen musste, die online jüngst einen echten Skandal auslöste und nun einen Imageverlust zu verkraften hat. (mz)

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