Regensburgs rockende Fürstin beim Lichterkosmos der Weihnachtsmärkte

Als adventliche Glanzlichter verbreiten die Märkte der Stadt Regensburg ein vorweihnachtliches Wohlgefallen.

Bei klammen Fingern will keine rechte Weihnachtsstimmung aufkommen. Da wirkt ein weihnachtlich duftendes Getränk in heißer Tasse Wunder. Wem dies noch nicht ausreicht, den lassen Feuer und Flamme immer näher an die Holzscheite heranrücken, deren glutroter Schein aus großen Metallkörben belebend hervorlodert. Denn wer wollte sich an diesem frostigen Adventsabend die wohlige Wärme entgehen lassen, die der romantische Weihnachtsmarkt von Sankt Emmeram in der Adventszeit für jedermann bereithält?

Soeben hat das Christkind in einem leuchtend weißen Gewand den Menschen vom Balkon des Schlosshofes aus seine Botschaft feierlich vermittelt. Und in einer unnachahmlichen himmlischen Pose die staunenden Menschen zu seinen Füßen mit flimmerndem Sternenstaub überstreut. Und schon ist es in einer weißen Wolke ebenso unauffällig wieder entschwunden, wie es gekommen war.

Weihnachtlicher Kosmos

Eine gute Gelegenheit, noch einmal all die Eindrücke nachwirken zu lassen, die die Donaumetropole Regensburg alljährlich in vorweihnachtlicher Fülle hervorruft. So besonders im Gewirr des Christkindlmarkts auf dem Neupfarrplatz, dessen Tradition bereits zurück reicht bis ins 18. Jahrhundert.  In seiner Weitläufigkeit und Reichhaltigkeit geht von ihm eine geradezu magnetische Wirkung aus.

Nicht weit entfernt präsentiert sich im Herzen der Altstadt auch der kunsthandwerklich orientierte Lucrezia-Markt mit allem, was das vorweihnachtlich gestimmte Herz begehrt. Und natürlich, wer wollte ihn verpassen, spielt auch der Spitalmarkt am gegenüberliegenden Donauufer mit seinen Verführungskünsten. Genau hier, am Fuß der steinernen Donaubrücke, erwartet den Besucher an den Advents-Wochenenden nicht nur lebendiges Brauchtum. Vielmehr stehen auch heimische Spezialitäten wie das dunkle „Schürhaklbier“ bereit.

Fürstlicher Auftritt

Bereits seit einer Reihe von Jahren hat der reichhaltige vorweihnachtliche Kosmos Regensburgs ein neues Glanzlicht hervorgebracht. Es findet seine Entfaltung rund um das Schloss der Fürstenfamilie Thurn und Taxis, das sich seit napoleonischer Zeit aus dem alten Chorherrenstift St. Emmeram zu fürstlicher Pracht entfaltet hat. Mit seinen dreihundert Räumen ist es sogar größer als der Londoner Buckingham Palast.

Zumindest ist es einer der originellsten. Dafür garantiert Fürstin Gloria, deren öffentliche Auftritte immer für Überraschungen gut sind. Auf sie konzentrieren sich nun die Erwartungen. Und dann, wie aus dem Nichts, steht sie da auf der Höhe des Balkons. Allerdings ohne den geringsten Pomp. Stattdessen in provozierend einfacher Winterkleidung, die in ihrer Schlichtheit zweifellos dazu beiträgt, die stets praktizierte Bürgernähe erneut zu praktizieren.

Verraucht und verrockt

Doch die Überraschung lässt nicht lange auf sich warten, die sich, bei rechtem Licht betrachtet, sogleich als ein handfester Stilbruch entpuppt. Denn wo hätte man je “Ihr Kinderlein kommet“ mit einer dermaßen verraucht-verrockten Stimme vernommen, als werde hier der Stamm eines Weihnachtsbaums zersägt? Und das alles in einer rhythmischen Verfremdung, die man dem schichten kindlichen Text nun wirklich nicht zugetraut hätte.

Und doch trifft ihr Stil die Gefühlslage ihrer kleinen wie großen Zuhörer, die in ihrer Begeisterung natürlich eine weitere Zugabe einfordern. Diese wird gewährt mit einem wunderbar gerockten „Leise rieselt der Schnee“, bei dem auch das engagiert aufspielende Instrumentalensemble zur Höchstform aufläuft. Und ebenso plötzlich wie sie erschienen ist, verschwindet sie im Dunkel des Abends. Natürlich unter dem Jubel ihrer Fangemeinde, der ihr noch lange nachhallt.

Stimmungsvoller Budenzauber

Bald schon wieder gilt das Interesse dem Budenzauber, wie er sich an den Verkaufsständen vor der barocken Schlossfassade und im geräumigen Innenhof des Schlosses entfaltet.  Alle Auslagen sind von individueller Originalität. So die wunderschönen Zinnfiguren der Malerin Annemarie, die ihre Bewunderer direkt ins 19. Jahrhundert zurückführt.

Umgeben ist das Schlossareal von einem Bestand imposanter Bäume. Beim entfernten Klang von Jagdhörnern findet sich selbst in dieser Parkeinsamkeit eine der Tankstellen für die edel abgeschmeckten Glühweine, die auf dem Gelände angeboten werden: vom Fürstenkelch und dem Feenzauber über Blaublut, Kutscherglück und Prinzentrunk bis zum legendären Schlossfeuer, das beim Genuss hält, was es verspricht.

Die Konkurrenz soll leben

Nach aller Weihnachtsromantik führt der Weg irgendwann zurück in den Alltag. Vielleicht zu „Dampfnudel Uli“, einem Regensburger Original durch und durch. Die Kerze an der Bar seines Speiserestaurants ist jedoch nicht dem Christkind geweiht. Vielmehr erweist sie selbst zur Advents- und Weihnachtszeit dem von Uli hoch verehrten König Ludwig II. die Ehre. Als Bayer von echtem Schrot und Korn muss er das niemand erklären.

Stattdessen nimmt er sich die Zeit, seine berühmten Dampfnudeln vorzustellen. Ein schmackhaftes Teiggebäck, garniert mit Puderzucker und Vanillesoße, das namhafte Kulinariker für das beste seiner Art in ganz Deutschland halten. Da hat es die Konkurrenz schwer, von der Uli offenbar nicht viel hält. Im Stil Karl Valentins liest man es an der Wand: „Die Konkurrenz soll leben. Nur schlecht soll sie leben.“ Zu diesem Grundsatz steht er, auch wenn er in die Regensburger Weihnachtsstimmung nur schwerlich hineinpassen will.

www.regensburg.de; www.bayern.by;

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