Außen hui und innen hui

Chinesisches Feng Shui bringt Harmonie in den Wohnraum

Des einen Leid, des anderen Freud: Als 2008 die Wirtschaftskrise Hongkong erreichte, erlebte ein Geschäftszweig in der Krise einen regelrechten Boom: Das auch hierzulande immer beliebtere Feng Shui (chinesisch für „Wind und Wasser“). Unternehmer interessieren sich mehr denn je dafür, wie sie Harmonie in ihre Geschäftsräume bringen können. Das Ziel: Verluste vermeiden und das Leben im Vertrauen auf die uralte Technik, die auf Naturgesetzen basiert, positiv zu beeinflussen.

Allerhöchster Grundsatz des Feng Shui ist die Harmonisierung zwischen Himmel, Erde (sie steht für die Natur) und Mensch, der weltweit von allen Feng Shui-Meistern anerkannt wird. Vieles aus der Feng-Shui-Theorie leitet sich aus dem I-Ging, dem Buch der Wandlung, ab: die daoistische Yin-Yang-Lehre, die Fünf-Elemente-Theorie sowie jene der zehn Himmelsrichtungen und zwölf Erdstämme sind ebenso integraler Bestandteil. Die Idee, dass die bewusste Harmonisierung des Menschen mit seiner Umwelt positiv auf Gesundheit und Geschäftserfolg wirken können, wird in den vergangenen Jahren auch in westlichen Ländern immer mehr anerkannt. Hier firmiert sie jedoch öfter als Umweltpsychologie oder Geomantie. Diese westliche Schwesterdisziplin ist in gewisser Hinsicht vom chinesischen Feng Shui inspiriert, geht aber oft eigene Wege, die durch die Unterschiede in den Lebensumfeldern bedingt sind.

Das klassische chinesische Feng Shui konzentrierte sich auf die Anwendung weniger tiefgreifender Prinzipien unter Beachtung der Landschaftssituation, Himmelsrichtungen und Ausrichtung des Grundstücks, während sich das moderne Feng Shui zu einer Methode mit vielen Hilfsmitteln verkompliziert hat. Da wir modernen Menschen zumeist in bereits fertigen Wohnungen leben, richten wir einfach alles nach dem Hauseingang oder der Wohnungstür aus und es wird versucht mit Accessoires wie Windspielen, Kristallen, Zimmerbrunnen oder gar Düften den Energiefluss im Raum zu harmonisieren.

Die Wahl des Grundstücks

Der Bau eines Hauses beginnt mit dem Grundstück: Das beste Grundstück hat laut Feng Shui vor dem Haus ein Gewässer und dahinter einen Berg. Bei dieser Konstellation wird durch den Wind die Qi-Energie gesammelt. Man richtet den Haupteingang nach Süden aus – wie am Kaiserhof. Das soll die Ansammlung von Energie begünstigen. Yang ist das Qi (die Energie) von Bergen und Straßen, Yin das Qi von Ruhe und Wasser.

Interessanterweise haben sich in anderen Erdteilen genau gegensätzliche Regeln als günstig erwiesen: So achten die Australier zwar auf Sonnenschein und Windrichtung, bevorzugen jedoch einen  Nordeingang.

Beim Hausbau sollte man darauf achten, dass die Dachgiebel zweier Häuser sich nicht direkt gegenüber stehen,eine solche Anordnung wirkt sich dem Feng Shui zufolge negativ auf Gesundheit und Karriere aus. Da dieses Phänomen in modernen Städten bereits weit verbreitet ist, schlägt Feng-Shui-Meisterin Shuhui Jian aus Taiwan vor,  Zimmerpflanzen mit langen Ranken oder Vorhänge zu verwenden. Eher für „Fortgeschrittene“ empfehlenswert ist der Rat, einen Spiegel in  Form der Acht Trigramme zu benutzen.

In Taiwan lassen sich Bauherren schon beim Kauf eines Grundstücks von Feng-Shui-Experten beraten, weil anerkannt ist, dass mit der richtigen Wahl des Grundstücks die Erreichung der Lebensziele des Hausbesitzers  positiv beeinflusst werden können. Feng-Shui-Meisterin Shuhui Jian  meint: „Unterschiedliche Menschen brauchen unterschiedliche Grundstücke.“

Ihre Erfahrung bestätigt, dass Häuser, deren Faktoren beispielsweise einen Herzinfarkt fördern, bevorzugt von Leuten ausgewählt würden, die bereits an dieser Krankheit leiden, während gesunde Menschen oft schon in einer Wohnung mit harmonischem Feng Shui leben.

Menschen wohnen also in den Behausungen, die zu ihnen passen. Das heißt aber noch lange nicht, dass ein Mensch zwangsläufig Probleme bekommt, wenn seine Wohnung kein optimales Feng Shui besitzt.
Die gesundheitliche und emotionale Konstitution ist schließlich bei jedem anders, außerdem reagieren Menschen unterschiedlich sensibel. Die Amerikaner bevorzugen Grundstücke am Ende einer Sackgasse, weil sie sich eine ruhige Umgebung wünschen. Straßen haben im Feng Shui aber die energetische Qualität von Flüssen, weshalb sich in einer Sackgasse die Energie wie aufgestautes, unbewegtes Wasser verhält. Dies begünstigt familiäre Spannungen, Karriereprobleme oder finanzielle Engpässe.

Auch sollte, wenn eine Straße frontal auf die Haustür zuführt, zur Harmonisierung ein Teich oder ein runder Platz vor der Tür angelegt werden. Dies hilft, die eintretende Energie abzufedern.

Feng Shui in der Wohnung

Im klassischen Wohn-Feng-Shui ist es am wichtigsten, dass Toilette oder Küche nicht vom Hauseingang einsehbar sind.

In der Küche würde Reichtum gesammelt werden können – weshalb sie nicht offen liegen sollte; das Qi beziehungsweise das Vermögen würde sonst verstreut statt gesammelt. Das Waschbecken sollte nicht direkt gegenüber dem Herd sein, weil sich die Elemente Wasser und Feuer hemmen, dies gilt genauso für Kühlschrank und Herd. Auch sollte das Arbeitszimmer nicht direkt neben Toilette oder Küche liegen, weil sich die Elemente Feuer und Wasser gleichermaßen hemmend auf Papier auswirken.

In Bad und Toilette werden negative Energien abgeleitet, weshalb es ungünstig ist, wenn man sie sofort beim Eintreten sieht. Dies sollte durch künstliche Raumteilung mit Paravents vermieden werden. Das Bad sollte auf alle Fälle ein Fenster haben und nicht den Abschluss eines Flurs bilden, weil sich sonst viel negative Energie durch den Flur in alle anderen Zimmer verteilen kann.

Die Wände sollten in einem warmen Farbton gestrichen sein, besonders im Schlafzimmer (wo auch die Bettdecke eine warme Farbe haben sollte), da kalte Farben Melancholie fördern können.

Für Gemälde gilt die Faustregel: Keine zu dunklen oder erschreckenden Motive wie Raubtiere und Ähnliches, weil sie sich unbewusst negativ auf den Betrachter auswirken.

Wer einen Balkon hat, sollte ihn nicht als Ablageplatz verwenden, weil er ein wichtiges Tor für Energien darstellt. Deshalb sollten auch Pflanzen am Balkon nicht zu dicht gedrängt stehen.

Wasser ist wichtig für den Garten

Im Garten ist das wichtigste Element das Wasser, egal ob man es als lebensnotwendig für die Pflanzen oder als Reichtum anziehende Kraft sieht.

Yin und Yang können durch Wasser balanciert werden, so wirkt es etwa ausgleichend auf die Temperatur. Im Buch „Huang Di Zhai Jing“, dem ältesten chinesischsprachigen Buch über Wohn-Feng Shui, das der chinesischen Überlieferung zufolge vom  ersten Herrscher Chinas stammen soll, wird gesagt, dass das Wasser für das Haus wie die Blutgefäße für den Körper ist. Deshalb sollte in einem guten Garten unbedingt Wasser in Form eines Teichs,  Brunnens oder Swimmingpools vorhanden sein.

Und wer sich dann einen Teich zugelegt hat, sollte Fische oder Wasserpflanzen nicht vergessen. Durch sie soll die Lebenskraft gefördert werden. Die Haltung von Karpfen als Teichfisch hat deshalb in China eine 2500-jährige Geschichte.

Halbrund ist die beste Form für den Gartenteich, während für den Swimmingpool eine unregelmäßige oder runde Form ohne Ecken empfohlen wird.

Fotos: The Epoch Times
Fotos: The Epoch Times