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08.10.2009
Stockholm – Zehn Jahre nach Günter Grass geht der Literatur-Nobelpreis wieder nach Deutschland: Die Schriftstellerin Herta Müller ist am Donnerstag mit der höchsten Literatur-Auszeichnung der Welt ausgezeichnet worden. Das schwedische Nobelpreiskomitee erklärte, Müller habe „mittels Verdichtung der Poesie und Sachlichkeit der Prosa Landschaften der Heimatlosigkeit“ gezeichnet. Sie ist die zehnte Deutsche, die den Literaturnobelpreis bekommt. Die Ehrung ist mit zehn Millionen Kronen (1,09 Millionen Euro) dotiert.
Der neue Roman Müllers, „Atemschaukel“, ist für den Deutschen Buchpreis nominiert, der am Montag vergeben wird.
Die 56-jährige wurde in Nitzkydorf im Banat in Rumänien geboren, wanderte aber 1987 noch zu Zeiten des kommunistischen Regimes aus. Ihre Werke erschienen zuletzt im Hanser Verlag. Die Autorin „freut sich sehr, und wir freuen uns auch“, sagte eine Sprecherin des Hanser Verlags, Leonie Obalski, auf Anfrage der Nachrichtenagentur AP. Bisher hat Hanser fünf Bücher Herta Müllers herausgebracht. Der Verlag werde nach Verleihung des Literatur-Nobelpreises aber nunmehr mit Sicherheit weitere Werke der Schriftstellerin herausbringen.
Früher schrieb Müller für Rowohlt; dort zeigte man sich erfreut über die Ehrung: „Das freut uns natürlich für die Autorin. Wir haben sie sehr geschätzt“, sagte Pressesprecherin Ursula Steffens der AP.
Die Entscheidung für Müller war nicht unbedingt zu erwarten. So hieß es zuvor in Stockholm, dass nach der Dominanz europäischer Schriftsteller in den vergangenen Jahren Autoren anderen Kontinente gute Chancen hätten: Philip Roth und Joyce Carol Oates aus den USA, Amos Oz aus Israel und der syrische Dichter Adonis wurden in Stockholm als Favoriten gehandelt.
Der ständige Sekretär der entscheidenden Schwedischen Akademie, Peter Englund, hatte in dieser Woche mit Äußerungen in einem AP-Interview Aufsehen erregt, das Komitee sei zu eurozentrisch eingestellt. In den meisten Sprachregionen der Welt gebe es würdige Kandidaten und das gelte auch für Nord- und Südamerika, erklärte er. Sein Vorgänger Horace Engdahl hatte im vergangenen Jahr den US-Autoren vorgeworfen, sie dächten zu insular und seien ihrer Massenkultur zu sehr verhaftet. Der Literaturnobelpreis 2008 ging an den Franzosen Jean-Marie Gustave Le Clezio.
Bislang wurden die Empfänger der Nobelpreise für Medizin, Physik und Chemie bekanntgegeben. Am Freitag folgt die Entscheidung über den Friedensnobelpreis. Jede Auszeichnung ist mit zehn Millionen Kronen (1,09 Millionen Euro) dotiert. Die Preisverleihung erfolgt alljährlich am 10. Dezember, dem Todestag Nobels. (AP)
http://nobelprize.org