Sportwettenanbieter lockt DFB mit Millionenvertrag

DFB-Präsident Reinhard Grindel bestätigte Verhandlungen mit dem Sportwettenanbieter bwin, der dem Fußballbund einen Sponsoring-Vertrag in Millionenhöhe anbietet.

Reinhard Grindel, Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), bestätigte im Mai, dass der DFB aktuell in Verhandlungen mit dem Sportwettenanbieter bwin über einen millionenschweren Sponsoring-Deal stehe. Ob es zur Zusammenarbeit kommt, hängt aber nicht allein vom DFB und der Zustimmung der Profivereine ab, sondern auch von den deutschen Amateurklubs.

Blickt man auf den englischen Fußball, könnte einem der deutsche Ballsport fast leidtun; nicht aus sportlicher Sicht, dafür aber in Hinblick auf die Finanzen. Durch den neuen TV-Vertrag der englischen Premier League bzw. des englischen Fußballverbandes FA mit dem TV-Giganten British Telecommunication und Sky sind die Einnahmen der Fußballvereine auf der Insel explodiert.

Größen wie der FC Barcelona, der amtierende Champions-League-Sieger Real Madrid oder auch der deutsche Rekordmeister Bayern München stünden mit Blick auf die TV-Einnahmen weit unten. Die Bayern beispielsweise kassierten für die laufende Saison gute 74 Mio. Euro an TV-Geldern, das sind mehr als 30 Mio. Euro weniger, als der Tabellenletzte aus der Premier League, der FC Sunderland, erhält.

Auch um international konkurrenzfähig zu bleiben, ist es daher zwingend notwendig, andere Geldquellen zu erschließen. Jüngst verkündete DFB-Präsident Reinhard Grindel, dass dem Deutschen Fußball-Bund vom Sportwettenanbieter bwin ein lukratives Angebot vorliege. bwin zählt insbesondere im europäischen Raum zu den bekanntesten und renommiertesten Buchmachern, wie ein Sportwetten-Vergleich unterstreicht.

40 Mio. Euro für Sponsoren-Deal

Insgesamt stehen dem DFB durch den Deal 40 Mio. Euro in Aussicht. Welche Inhalte und Klauseln mit der möglichen Zusammenarbeit verbunden sind, das ist allerdings noch nicht klar, zumal der Sponsoren-Deal auch längst noch nicht in trockenen Tüchern ist.

Vertreter des Online-Glücksspielanbieters wollten sich auf Nachfrage bislang nicht zu Inhalten äußern und ließen die Meldung unkommentiert. Auch von Seiten des DFB gibt es bislang noch keine näheren Informationen.

Dies wiederum hängt mit einem möglichen Veto der deutschen Amateurvereine zusammen. Denn während viele Profivereine der 1. und 2. Bundesliga in Deutschland mit großen und namhaften Wettanbietern aus der Privatwirtschaft kooperieren, werden viele Amateurklubs und auch Ligen aus dem unterklassigen Bereich von den Lotto- und Totoanbietern der Bundesländer finanziell unterstützt. Erst kürzlich hat beispielsweise der Bayerische Fußball-Verband (BFV) seine mittlerweile 20-jährige Partnerschaft mit Lotto Bayern bis 2019 verlängert.

Klar, dass die staatlichen Glücksspielvertreter einer möglichen Kooperation mit bwin eher misstrauisch gegenüberstehen, könnte der private Wettanbieter so doch noch mehr Marktdominanz gewinnen als ohnehin schon. DFB-Präsident Grindel betonte wohl auch deswegen, dass man sich bei den Verhandlungen auf keinen Fall über die Köpfe der deutschen Amateurvereine hinwegsetzen möchte.

Denn auch er wüsste nicht, „wie sich ein Sponsoring-Vertrag mit einem privaten Wettanbieter mit den in einzelnen Landesverbänden jahrzehntelangen engen Partnerschaften mit den Lotto-Toto-Gesellschaften vertragen würde.“

Dieses Thema werden wir am 19. Mai intensiv mit den Präsidenten der Landes- und Regionalverbände diskutieren. Wir werden nichts gegen den Willen der Landes- und Regionalverbände machen, wenn die sich aus sportpolitischen Gründen dagegen aussprechen.“

Reinhard Grindel, DFB-Präsident

Tipico verhandelt ebenfalls mit DFB

Doch auch von anderer Seite droht bwin Gegenwind. So wurde jüngst bekannt, dass wohl auch ein anderer großer Wettanbieter mit dem DFB verhandle. Der Sportwettenanbieter Tipico möchte ebenfalls Glücksspielpartner des DFB werden und habe Berichten des Boulevardblattes BILD zufolge angeblich ein Angebot in Höhe von 7,5 Mio. Euro unterbreitet.

Video: Mit Oliver Kahn schnappte sich Tipico eine deutsche Torwart-Legende als Werbepartner.

Dieses Angebot liegt zwar weit unterhalb der kolportierten 40-Millionen-Grenze von bwin, im Gegensatz zum bwin-Kontrakt wurde beim Tipico-Deal allerdings relativ schnell bekannt, welche Rechte sich der Bookie, der sich unter anderem Oliver Kahn als Testimonial für den deutschen Markt sicherte, für das Geld sichern möchte.

  • Premium-Sponsorship der deutschen DFB-Elf inklusive Bandenwerbung bei Länderspielen
  • Werbepräsenz in der dritten deutschen Fußball-Liga; diskutiert wird über einen möglichen Titelsponsorship, beispielsweise bei der Namensgebung
  • Tipico möchte des Weiteren in der Akademie des DFB werblich vertreten sein; konkrete Rechteausformulierungen gibt es bislang jedoch nicht
  • Besonders ausbauen möchte Tipico die Präsenz im Amateurfußball; Tipico ist bereits Sponsor des sächsischen Fußball-Verbandes, möchte aber bundesweit in allen Ländern im Amateurfußball vertreten sein

Fraglich ist des Weiteren, inwieweit das Rechtepaket auch ein Engagement Tipicos im DFB-Pokal zulassen würde. Laut DFB-Statuten dürfen maximal sechs Pokalsponsoren auftreten. Jeder dieser Plätze ist aktuell jedoch vergeben. Zu den sechs aktuellen DFB-Pokal-Partnern zählen:

  • Volkswagen
  • Bitburger
  • Deutsche Post
  • Engelbert Strauss
  • ERGO
  • TARGOBANK

Bevor Tipico also auch im DFB-Pokal präsent sein könnte, müsste einer der Werbepartner ausscheiden. Dass ein Partner freiwillig geht, dürfte allerdings ausgeschlossen sein, sodass auch hier noch abzuwarten bleibt, was die zukünftigen Verhandlungen zwischen dem österreichischen Wettanbieter und dem DFB ergeben.

Oddset bisheriger DFB-Partner

Zumindest aus finanzieller Sicht dürfte eine Kooperation des DFB mit einem der privaten Wettanbieter durchaus Sinn ergeben. Bislang ist nämlich noch der staatliche Wettanbieter Oddset Partner des Deutschen Fußball-Bundes.

Video: Sportwettenbüros sind im ganzen Land zu finden. Dabei ist die Rechtslage noch immer nicht vollständig geklärt.

Doch auch weil die Rechtslage im Sportwettensegment in Deutschland noch immer nicht reguliert bzw. einheitlich geregelt ist, kam es in der Vergangenheit immer wieder zu Problemen. Zwar dürfte dieses Problem durch die zunehmende Liberalisierung des deutschen Glücksspielmarktes zwar schon in Zukunft ausgeräumt sein, Fakt ist aber, dass Oddset ganz einfach weniger an den DFB zahlt, als es die privaten Wettanbieter in Aussicht stellen.

Zwischen 1,5 und 2 Mio. Euro erhält der DFB pro Jahr von Oddset. Mit Blick auf die Millionensummen von Tipico und insbesondere bwin erscheint es wirtschaftlich kaum sinnvoll, an Oddset festzuhalten. Allerdings ist der Vertrag mit Oddset noch bis 2021 befristet.

Inwiefern es dem DFB also möglich sein wird, eine weitere Partnerschaft mit einem Sportwettenanbieter einzugehen, bleibt abzuwarten und muss höchstwahrscheinlich durch Juristen geklärt werden.

Solange aber weder der DFB noch die Profi- und vor allem Amateurvereine sowie die privaten Wettanbieter Tipico und bwin zu diesem Thema eindeutig Stellung beziehen, bleiben diese Fragen spekulativ.

(se/rf)