Konjunktur – Lokführerstreiks ab dieser Woche möglich – Isabell Scheuplein
The Epoch Times - Deutschland

Aktuelle Nachrichten – Konjunktur

Lokführerstreiks ab dieser Woche möglich

Isabell Scheuplein

30.09.2007

Frankfurt/Main – Bahnreisende müssen sich wieder auf Verspätungen und ausfallende Züge einstellen. Die im Tarifstreit mit den Lokführern vereinbarte Friedenspflicht sollte in der Nacht zum (morgigen) Montag auslaufen. Die Lokführergewerkschaft GDL will am Vormittag verkünden, wann sie streiken will. Im Juli hatte sie den Bahnverkehr mit Warnstreiks mehrmals lahmgelegt. Ein Notfallplan der Bahn soll sicherstellen, dass auch während der Streiks mehr als die Hälfte der Züge fährt. Bahnchef Hartmut Mehdorn bot in der „Bild“-Zeitung rund zehn Prozent mehr „ab sofort“ an.

Die Lokführergewerkschaft GDL droht mit bundesweiten Bahn-Streiks in der kommenden Woche. Wenn die Friedenspflicht in den Tarifverhandlungen mit der Bahn auslaufe, könne das Fahrpersonal wieder in ganz Deutschland streiken, sagte der GDL-Vorsitzende Manfred Schell der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“. Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee rief die Tarifparteien zu einer zügigen Einigung auf, ansonsten drohten negative Auswirkungen auf die Konjunktur.

Schell sagte, er sehe „Waffengleichheit mit Bahnchef Hartmut Mehdorn“. Mit wochenlangen Streiks ist seiner Ansicht nach aber nicht zu rechnen. „Ich denke, dann wird die Politik irgendwann eingreifen und den Bahnvorstand zur Räson bringen“, sagte er. Ein Spitzengespräch zwischen Schell und Mehdorn war am Donnerstag ergebnislos verlaufen. Die GDL fordert einen eigenständigen Tarifvertrag und Verbesserungen bei Arbeitszeit und Entgelt. Mehdorn bot der GDL am Sonntag laut „Bild“-Zeitung zwei Wochenstunden bezahlte Mehrarbeit an. Zusammen mit dem mit den anderen Gewerkschaften erreichten 4,5-prozentigen Tarifabschluss und Verbesserungen bei den Zulagen könnten Lokführer dann „ab sofort“ auf zehn Prozent mehr Gehalt kommen.

Tiefensee warnte, ein erneuter Streik könne verheerende Folgen für die Volkswirtschaft und den Aufschwung haben. „Ich bin sehr enttäuscht, dass sich die Bemühungen um eine Einigung zerschlagen haben“, sagte der Minister dem „Spiegel“.

Mehr als die Hälfte der Züge sollen fahren

Um einen Streik zu kontern, hat die Bahn Notfall-Dienstpläne erarbeitet, mit denen erreicht werden soll, dass streikwillige Fahrer erst gar nicht ins Führerhaus gelangen, bestätigte ein Bahnsprecher auf AP-Anfrage einen „Spiegel“-Bericht. Einspringen sollen demnach Zuglenker, die den Gewerkschaften Transnet und GDBA angehören sowie Lokführer mit Beamtenstatus, die nicht streiken dürfen. Dadurch wolle die Bahn sicherstellen, dass deutlich über 50 Prozent aller Züge, sowohl im Nah- wie im Fernverkehr, fahren werden.

Ein Bahnsprecher sagte, alle streikenden Lokführer könne sie nicht ersetzen. Der Einsatz ausländischer Kräfte sei „nicht sehr realistisch“, weil man ihnen nicht von heute auf morgen die nötige Streckenkenntnis vermitteln könne. Ähnlich äußerte sich Transnet-Sprecher Michael Klein: „Wir halten solche Pläne für mehr als problematisch.“ Transnet-Chef Norbert Hansen sagte dem „Spiegel“: „Unsere Mitglieder werden sich nicht als Streikbrecher missbrauchen lassen, aber ihren Dienst tun.“

Der Fahrgastverband Pro Bahn empfahl Kunden, die sich am Monatsanfang eine neue Zeitkarte kaufen wollten, genau nachzurechnen. Sprecher Hartmut Buyken sagte der AP, es könnte sich für manche Pendler lohnen, den Kartenkauf zu verschieben, wenn sie ohnehin streikbedingt aufs Auto umsteigen müssten.

Die Bahn rechnet am Montagvormittag sowie am Mittwoch, dem Tag der Deutschen Einheit, nicht mit Streiks. Aktuelle Informationen bietet das Unternehmen im Internet sowie unter der kostenlosen Telefonnummer 08000/996633.

http://www.bahn.de/ (AP)

 

Hier können Sie sich im Newsletter eintragen.

Folgen Sie uns auf Facebook , Twitter und Google+.

 
Anzeige
Anzeige