Aktuelle Nachrichten Europa – London fürchtet die Plünderer – David Stringer
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Krawalle London fürchtet die Plünderer

David Stringer

09.08.2011

An den Plünderungen beteiligten sich junge Leute aller Hautfarben und sozialer Herkunft. Foto: Neil Lancefield/AP Photo
An den Plünderungen beteiligten sich junge Leute aller Hautfarben und sozialer Herkunft.

Foto: Neil Lancefield/AP Photo

London – London ist gezeichnet von der Gewalt: Die dritte Nacht in Folge haben zumeist jugendliche Randalierer Geschäfte geplündert, Autos angezündet und Polizisten mit Flaschen beworfen. In mehreren Stadtteilen konnten sie ungehindert ihre Raubzüge ausführen und versuchten auch, in Privathäuser einzudringen. In ganz London schlossen Geschäfte und Restaurants früher als sonst, um nicht ausgeraubt zu werden.

Der 27-jährige Marketingmanager Simon Dance erlebt die Krawalle aus nächster Nähe vor seiner Wohnung im Stadtteil Camden. Er und seine Frau haben Angst. "Wir haben alle Türen verschlossen und meine Frau hat sogar eine Tasche für die Flucht geplackt", sagt Dance am Dienstagmorgen. "Wir haben die ganze Nacht Twitter verfolgt, um die Entwicklung zu verfolgen. Wir hatten zu viel Angst, um aus dem Fenster zu schauen."

In Camden und Chalk Farm lieferten sich etwa 100 junge Leute Straßenschlachten mit der Polizei. Im Bezirk Packham in Südlondon wurden ein Haus und ein Bus in Brand gesteckt. Augenzeugen erklärten, es habe ausgesehen wie in einem Krisengebiet. In Croydon ging ein 100 Jahre altes Möbelgeschäft, ein Familienbetrieb, in Flammen auf. Häuser der Umgebung mussten wegen der Rauchentwicklung geräumt werden.

In Clapham Junction stahlen Jugendliche Masken aus einem Kostümgeschäft, um damit ihre Identität zu verschleiern, und zündeten den Laden danach an. Im Stadtteil Hackney überfielen Plünderer einen Supermarkt und trugen Alkohol, Zigaretten, Süßigkeiten und Toilettenpapier davon. Einer der Randalierer rief: "Kommt und habt Spaß!"

"Das ist der Aufstand der Arbeiterklasse"

An den Plünderungen beteiligten sich junge Leute aller Hautfarben und sozialer Herkunft. Gesehen wurden junge Frauen mit manikürten Fingernägeln und BlackBerrys genauso wie Männer in dreckigen T-Shirts, offenbar Obdachlose. "Das ist der Aufstand der Arbeiterklasse. Wir verteilen den Wohlstand um", sagte der 28-jährige Bryan Phillips, der sich selbst als Anarchist bezeichnet.

Bewohner der betroffenen Stadtviertel forderten von den Behörden den Einsatz von Wasserwerfern und eine militärische Unterstützung für die Polizei. "Es gibt seit langer Zeit Spannungen", sagt der Lehrer Matthew Yeoland in Peckham. "Diese Kinder sind nicht glücklich. Sie hassen die Polizei." Es gehe zu wie in einem Kriegsgebiet, "und die Polizei hat nichts getan".

"Die Gewalt ist einfach unentschuldbar", sagt Polizeichefin Christine Jones. "Durch dieses sinnlose und rücksichtslose Vorgehen ist das Leben vieler Bürger auf den Kopf gestellt worden."

Zweifel an politischem Hintergrund

In den vergangenen Monaten kam es in Großbritannien immer wieder zu Protesten gegen Pensionskürzungen und steigenden Studiengebühren. Allerdings sind die Auswirkungen der Sparmaßnahmen bei der Bevölkerung noch gar nicht richtig angekommen und die Arbeitslosenquote ist stabil, auch wenn sie unter den jungen Leuten am höchsten ist.

Und so wollen viele nicht glauben, dass Arbeitslosigkeit bei den Krawallen eine Rolle spielt. So auch Marylin Moseley aus Brixton: "Das ist nur eine Ausrede für die Jungen, um Geschäfte auszurauben."

 

(dapd)

 

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