Aktuelle Nachrichten – Wirtschaft
27.05.2008
Berlin – Die Wolken am Himmel zur Eröffnung der Internationalen Luft- und Raumfahrtausstellung (ILA) am Berliner Flughafen Schönefeld standen auch für die Stimmung der Branche. Noch stimmt zwar das Wachstum, im vergangenen Jahr stieg der Umsatz um 3,8 Prozent. Doch der steigende Ölpreis setzt den Unternehmen zu. Die Schau beschäftigt sich deshalb erstmals auch mit Möglichkeiten zur Einsparung von Kerosin und mit alternativen Antriebsstoffen.
„Wir sehen einige Wolken am Horizont“, klagte der Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie (BDLI), Thomas Enders. Neben dem Ölpreis nannte er die US-Finanzmarktkrise und den schwachen Dollarkurses. Schon jetzt macht sich die Entwicklung bei den Fluggesellschaften bemerkbar, über kurz oder lang dann auch bei den Flugzeugherstellern.
Bisher sind vor allem die Billigflieger mit ihrer schlanken Kostenstruktur betroffen. Sie können die Aufschläge bei den Treibstoffkosten kaum über andere Einsparungen ausgleichen. Außerdem sind große Gesellschaften gegen die Schwankungen am Ölmarkt versichert – kleinere können sich das so genannte Hedging oft nicht leisten. Und die Preissprünge scheinen kein Ende zu nehmen: Auch am Dienstag wurden für ein Fass Rohöl mehr als 130 Dollar fällig. Vor einem Jahr war es noch die Hälfte.
Die größte deutsche Billigfluglinie Air Berlin erwägt deswegen Preisaufschläge. „Für die Kunden wird die Entwicklung nicht ohne Folgen bleiben“, sagte Airline-Chef Joachim Hunold der Nachrichtenagentur AP. Zudem will Air Berlin seine erst Anfang Mai gestartete China-Verbindung wieder zurück fahren. Ab Anfang Juni soll es nur noch drei statt fünf Flüge pro Woche zwischen Düsseldorf und Schanghai geben. Und das ist erst der Anfang. „Wir werden alle Strecken auf Effizienz prüfen. Es kommt alles auf den Prüfstand“, erklärte Hunold.
Andere Billigflieger reagieren ebenfalls. TUIfly hat in diesem Jahr bereits zwei Mal die Kerosinzuschläge bei Städteverbindungen erhöht, Konkurrent Germanwings verlangt seit kurzem Extra-Gebühren für Gepäckstücke. Andere Airlines werden kreativer: Die skandinavische Airline SAS will ihre Maschinen künftig langsamer fliegen lassen, um Kerosin zu sparen. Die Frachttochter der chinesischen Cathay Pacific begann vor zwei Jahren sogar damit, die Bemalungen wegzulassen und fliegt seitdem mit silbernen Jumbos durch die Welt.
TUIfly-Chef Roland Keppler warnt in drastischen Worten: „Wenn der Ölpreis so hoch bleibt, wird das für die gesamte Branche ähnlich dramatische Auswirkungen haben wie die Terroranschläge des 11. September“, sagte er der Zeitung „Die Welt“. Analysten rechnen damit, dass in den kommenden Jahren viele Billigflieger vom Markt verschwinden werden. An der Börse sind die Kurse vieler Fluggesellschaften zuletzt heftig unter Druck geraten.
Auch die Hersteller sind gefordert: Sie entwickeln sparsamere Triebwerke oder sparen Gewicht mit neuen Verbundmaterialien – wie beim Langstreckenflieger Boeing 787 und dem Airbus-Konkurrenzmodell A350. Airbus zeigt sogar die Testmaschine eines A320, die am Boden mit Brennstoffzelle angetrieben wird. Im Vergleich zu früheren Modellen sind schon heutige Flieger weniger durstig: Kanzlerin Angela Merkel wies auf der ILA darauf hin, dass der Spritverbrauch pro Passagier und Kilometer seit 1970 im Schnitt um 70 Prozent gesunken sei.
Nicht zuletzt wirkt sich die Treibstoffeinsparung auch auf den Umweltschutz aus – zu diesem Thema wird auf der ILA eine eigene Fachkonferenz veranstaltet. Zwar ist der Anteil des Luftverkehrs an der Klimaveränderung vergleichsweise gering: Je nach Schätzung ist die Branche für drei bis vier Prozent der weltweiten Treibhausgase verantwortlich. Kritiker halten aber der Industrie vor, dass Flugzeugabgase besonders schädlich sind, weil sie in großer Höhe ausgestoßen werden.
Karl-Otto Schallaböck vom Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie verweist zudem auf Fehler bei der Berechnung der Klimabilanz des Luftverkehrs. „Das Kyoto-Protokoll und die Verpflichtungen, die darauf aufbauen, beziehen sich nur auf den heimischen Luftverkehr. Also von Deutschland nach Deutschland. Und das ist natürlich nur ein kleiner Teil des Luftverkehrs“, sagt er in der 3sat-Sendung „nano“. Die Einschätzung teilt auch der Ministerialdirektor im Bundesumweltministerium, Franzjosef Schafhausen. „Eigentlich ist der Flugverkehr durch das Kyoto-Protokoll nicht erfasst worden.“ (AP)
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