Köln - Lufthansa-Chef Wolfgang Mayrhuber hat eine «zunehmende Reichensteuer-Mentalität» in Deutschland beklagt. Die Luftfahrt leide besonders unter der Genehmigungsbürokratie, sagte er am Mittwoch bei der Hauptversammlung des Unternehmens in Köln. Nach einem in allen Geschäftsbereichen positiven Verlauf des Jahres 2005 sieht Mayrhuber die Lufthansa für künftige Herausforderungen gut aufgestellt. Die Dividende steige um 67 Prozent auf 50 Cent pro Aktie.
Um die Wachstumschancen der Luftfahrtindustrie in Deutschland zu nutzen, sei eine ausreichende Infrastruktur erforderlich, betonte Mayrhuber. Nötig seien unter anderem eine zusätzliche Startbahn in München und auch in Frankfurt. «Die Genehmigungsverfahren ziehen sich über Jahre und Jahrzehnte hin. Sie kosten Zeit, sie kosten vor allem Geld und Nerven.» Das schade dem Standort Deutschland. «Während wir Anhörungshallen aufstellen, werden in Dubai Großflughäfen gebaut.»
Luftverkehr sei das ökonomischste und ökologische Transportmittel für Distanzen über 400 Kilometer, betonte der Lufthansa-Vorstandsvorsitzende. «Drei Kilometer Schienen oder drei Kilometer Autobahn bringen Sie genau drei Kilometer weit. Drei Kilometer Startbahn bringen Sie in die ganze Welt», sagte er. Das Drei-Liter-Flugzeug fliege bereits, der Lärmteppich sei geschrumpft auf die Flughäfen und ihr unmittelbares Umfeld. Und die Technik halte schon weitere Fortschritte bereit. «Wir werden noch leiser. Wir sind noch lange nicht am Ende der technischen Möglichkeiten.»
Luftfahrt sei essenziell für die Volkswirtschaft. «Wir brauchen einen Strukturwandel und eine moderne Haltung der Politik-Entscheider in Brüssel und Berlin», forderte Mayrhuber.
Mayrhuber bekräftigte die Konzernstrategie, mit der die Lufthansa im Jahr ihres 50-jährigen Bestehens, 2005, einen Rekord bei den Passagierzahlen erreicht und in allen Geschäftsfeldern, nach erfolgreicher Sanierung auch beim Catering-Service LSG Sky Chefs und dem Reiseveranstalter Thomas Cook, positive Ergebnisse erzielt habe. Für die Lufthansa habe Gewinn Vorrang vor Umsatz und Marktanteilen, betonte er. Sie spare nicht um zu wachsen, sondern umgekehrt. Riskante Manöver und Schlagzeilen überlasse sie anderen.
Im Jahr 2005 steigerte die Lufthansa den operativen Gewinn um 50 Prozent auf 577 Millionen Euro. Trotz der hohen Treibstoffpreise wolle sie diesen Wert im laufenden Jahr halten. Seine Sparziele habe der Konzern erreicht; er investiere aber auch, beispielsweise «in Preiselastizität, zum Leidwesen unserer Wettbewerber», oder in bessere und bequemere Sitze für die Kontinentalflotte. «Der Kranich zeigt Biss», meinte Mayrhuber. Bis 2008 will er das operative Ergebnis auf eine Milliarde Euro steigern.
Positiv entwickle sich auch die Schweizer Tochter Swiss. Die im Juli 2005 zu 49 Prozent übernommene Fluglinie arbeite «mit Hochdruck und mit großem Erfolg an der Umsetzung ihres Restrukturierungsprogramms». Die Erwartungen würden sogar übererfüllt. Swiss wolle bereits in diesem Jahr die Gewinnzone erreichen. Die Synergieeffekte durch die Integration von Swiss entwickelten sich schneller und umfangreicher als ursprünglich erwartet. Mit der vollständigen Übernahme der schweizer Tochter könne die Lufthansa frühestens Ende 2006 rechnen, nach Erhalt wesentlicher Verkehrsrechte.
(AP)
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