Aktuelle Nachrichten – Unternehmen
03.12.2008
Frankfurt/Main – Die Deutsche Lufthansa setzt ihren Expansionskurs auch in Krisenzeiten fort und will die angeschlagene Austrian Airlines (AUA) übernehmen. Der Aufsichtsrat genehmigte der Konzernleitung, bis zu 100 Prozent der Anteile an dem österreichischen Unternehmen zu kaufen, wie die Lufthansa am Mittwoch mitteilte.
Der Mitteilung zufolge zahlt die Lufthansa für die komplette AUA maximal 377 Millionen Euro und bekommt zugleich vom österreichischen Staat 500 Millionen, um die Fluggesellschaft umzubauen. Die Fusion steht unter dem Vorbehalt der Kartellbehörden.
Die staatliche Beteiligungsgesellschaft ÖIAG, die 41,56 Prozent der AUA-Anteile hält, soll bereits am Freitag der Fusion zustimmen. Lufthansa zahlt nach eigenen Angaben an die ÖIAG einen symbolischen Preis von 366.000 Euro oder einem Cent je Aktie. Sollte sich die Lage der AUA positiv entwickeln, sind zusätzlich bis zu 162 Millionen Euro mit einem sogenannten Besserungsschein möglich. Für die übrigen Anteile, die sich in Streubesitz befinden, will Lufthansa den Aktionären ein öffentliches Angebot im Gesamtvolumen von 215 Millionen Euro unterbreiten.
Das Unternehmen will dafür 4,44 Euro je Aktie bieten. Der AUA-Kurs schoss nach der Bekanntgabe am Mittwochabend um fast 40 Prozent auf 3,70 Euro in die Höhe. Papiere der Lufthansa gaben um etwa 0,7 Prozent nach und standen am Abend bei 10,34 Euro.
Lufthansa-Chef Wolfgang Mayrhuber erklärte: „Unser Angebot ist fair.“ Es trage den Interessen aller Beteiligten Rechnung und sehe eine gerechte Verteilung der Lasten und Risiken vor. „Die Folgen der Finanzmarktkrise und die Wirkungen auf die Realwirtschaft belasten auch den Luftfahrtsektor erheblich.“ Die Veränderungen erhöhten die Chancen auf bessere Perspektiven für Lufthansa und AUA, erklärte der aus Österreich stammende Manager.
Details zur Fusion sollen auf einer Pressekonferenz am Freitag in Wien bekanntgegeben werden. Über den Zeitrahmen und die künftige Rolle der AUA im Lufthansa-Konzern wurde zunächst nichts bekannt.
Die AUA schreibt hohe Verluste und ist dringend auf neues Geld angewiesen. Die roten Zahlen könnten sich in diesem Jahr auf eine halbe Milliarde Euro summieren.
Im vergangenen Jahr hatte die Lufthansa die Übernahme der Schweizer Fluggesellschaft Swiss abgeschlossen. Die Fusion wurde im Frühjahr 2005 bekanntgegeben. Danach wurde das Traditionsunternehmen in Rekordzeit integriert, erreichte schnell die Gewinnzone und fliegt bis heute als eigenständige Marke. Zum Lufthansa-Konzern gehören inzwischen zahlreiche Gesellschaften: So ist das Unternehmen auch beim US-Billigflieger JetBlue, bei British Midland (BMI) und Brussels Airlines engagiert.
Mit der AUA-Fusion stärkt die Lufthansa ihre Position im Wettbewerb mit der Gruppe Air France KLM und British Airways, die gerade mit der spanischen Iberia und der australischen Qantas über einen Zusammenschluss verhandelt.
Air France KLM hat bei einem Verkauf der AUA an die Lufthansa bereits mit rechtlichen Schritten gedroht. Der designierte Chef des französisch-niederländischen Luftfahrtkonzerns, Pierre-Henri Gourgeon, sagte im November, die ÖIAG habe seinem Unternehmen in dem Bieterverfahren Bedingungen diktiert, die offenbar die Lufthansa bevorzugten.
Die Abkürzung ÖIAG steht für Österreichische Industrieholding AG. Die Gesellschaft verwaltet die Beteiligungen des österreichischen Staates. Dazu zählt nicht nur die AUA, sondern auch Anteile an der Telekom Austria und dem Energiekonzern OMV. (AP)
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