Aktuelle Nachrichten – Europa
22.06.2010
Brüssel (apn) Knapp 50 Jahre nach der Ermordung des ersten kongolesischen Ministerpräsidenten Patrice Lumumba sollen sich mehrere belgische ehemalige Regierungsbeamte dafür vor Gericht verantworten. Eine Gruppe namhafter Anwälte und Historiker rief die Staatsanwaltschaft am Montag dazu auf, Anklage zu erheben. „Die Fakten sind ermittelt und belegen, dass es sich bei den Ereignissen von 1960 und 1961 um Kriegsverbrechen handelte“, sagte Christophe Marchand, der das Anwaltsteam leitet.
Eine parlamentarische Untersuchung war bereits 2002 zu dem Schluss gekommen, dass die seinerzeitige belgische Regierung moralische Verantwortung für den Tod Lumumbas trägt.
Der erste demokratische gewählte Regierungschef des unabhängigen Kongo war 1960 von Mobutu Sese Seko gestürzt worden. Lumumba wurde zunächst in Kinshasa ins Gefängnis gesperrt und im Januar 1961 von belgischen Offiziellen in die abtrünnige Region Katanga gebracht. „Sie waren für seine Ergreifung, Entführung und schließlich Ermordung verantwortlich“, sagte der Historiker Luddo de Witte, dessen Forschungen schon die Parlamentsuntersuchung eingeleitet hatte.
Mehrere der Verdächtigen sind noch am Leben. Marchand sagte, er erwarte die Eröffnung des Verfahrens im Oktober. (AP)
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