Aktuelle Nachrichten – Trends
03.06.2012
Foto: Peter Grewer/dapd
Havixbeck – Bernd Storks steht vor einer Palette Furnier aus japanischer Sen-Esche. "Möglich, dass die bald in einer australischen Luxusjacht landet", sagt er. Ein Baum aus Japan, der in Form von 0,9 Millimeter dicken Furnierlagen in einer Halle in Havixbeck im Münsterland liegt, ziert vielleicht bald das Interieur eines sündhaft teuren Boots in Sydney oder Melbourne.
Die Halle ist der Showroom des Furnierwerks Wehmeyer, und als Storks ein paar Schluck Mineralwasser über die Furniere schüttet, erblühen sie zu voller Schönheit mit intensiver Farbe und kräftiger Maserung.
Wehmeyer verarbeitet hauptsächlich Holz aus Deutschland und Frankreich. Der Exportanteil beträgt 50 Prozent. Die Sen-Esche ist ein Exot. Ihr Weg ist ein Beispiel für internationale Konkurrenzfähigkeit der deutschen mittelständischen Holzindustrie. Storks rechnet vor: Die Stämme für etwa 2.000 Euro pro Festmeter werden vor Ort in Japan längs halbiert, weil aus dem Inselreich kein Rundholz im Stück exportiert werden darf. Dann treten diese Holz-"Flitsche" im Kühlcontainer eine Seereise um die halbe Welt an und werden in Havixbeck zu Furnieren "gemessert".
Containergroße High-Tech-Maschinen schneiden die Stämme in der Präzision von Tausendstelmillimetern in dünnste Lagen. Über Holzmakler wird das so entstandene Furnier manchmal wieder um die halbe Welt verschifft und an einen Objekteinrichter verkauft, der damit Jachten oder Hotelbars verschönert. Aus einem Festmeter werden bis zu 700 Quadratmeter Furnier, deren jeder je nach Qualität, Seltenheit und Marktwert sechs bis acht Euro einbringen kann.
2.000 durch 700 gibt rund drei Euro Einkaufspreis pro Quadratmeter. Dazu kommen laut Storks 3,50 Euro Produktionskosten. Bleiben 50 Cent bei sieben Euro Umsatz – vorausgesetzt, der Stamm hielt beim Messern, was er von außen versprach, als er gegen Vorkasse gekauft wurde. Geht die Rechnung auf, so hat Heiner Wehmeyer, der Chef des Familienbetriebs, Glück gehabt. "Die Einkäufer für diese Luxusschiffe gehen keine Kompromisse ein. Die wollen immer nur das Beste", sagt er. Und das kostet.
Weil das Risiko so groß ist, ist die Holz-Auswahl Chefsache. Wehmeyer reist viel. Vorher informiert er sich bei Kunden und Möbelmessen. "Ich weiß, was die Kunden wollen, und dementsprechend reagiere ich auch im Wald."
Abgesehen vom oberen Preissegment ist Holz-Look nicht so sehr in, momentan. "Wir haben den Trend zum Lack deutlich gemerkt", gibt Wehmeyer zu, und auch, dass Wehmeyer die Firma in der Krise auf jetzt 28 Mitarbeiter verkleinern musste, die Menge des verarbeiteten Holz sank von 3.500 auf 2.500 Festmeter jährlich.
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