Nachrichten Deutschland – Mangelhafte S-Bahn-Wartung sorgt für Chaos im Berliner Nahverkehr – Thomas Rietig
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Fehler bei der Fahrzeugwartung Mangelhafte S-Bahn-Wartung sorgt für Chaos im Berliner Nahverkehr

Thomas Rietig

08.09.2009

Auf der zentralen West-Ost-Achse durch die Innenstadt fuhren überhaupt keine S-Bahnen mehr, andere Verbindungen waren unregelmässig, die Bahnhöfe waren voller Menschen, wie eine Bahnsprecherin am Morgen auf Anfrage sagte. (AP Photo/Maya Hilti)
Auf der zentralen West-Ost-Achse durch die Innenstadt fuhren überhaupt keine S-Bahnen mehr, andere Verbindungen waren unregelmässig, die Bahnhöfe waren voller Menschen, wie eine Bahnsprecherin am Morgen auf Anfrage sagte. (AP Photo/Maya Hilti)

Berlin – Hunderttausende Pendler in Berlin und Brandenburg sind am Dienstag von einem neuerlichen Chaos bei der S-Bahn kalt erwischt worden. Wenige Wochen nach erheblichen Achsproblemen konnte das Verkehrsunternehmen nun wegen gravierender Mängel an den Bremsen wiederum nur ein Viertel seiner Züge einsetzen. Grund ist offenbar nachlässige Wartung. Folge waren volle Bahnhöfe, überfüllte U-Bahnen und Busse sowie verstopfte Straßen.

Auch die Bahn als Mutterkonzern wurde von dem Rückschlag überrascht. Noch am Montag war nach einem S-Bahn-Gipfel mit der zuständigen Senatorin Ingeborg Junge-Reyer die beschleunigte Rückkehr zu normalen Verhältnissen verkündet worden. Wenige Stunden später musste DB-Personenverkehrs-Vorstand Ulrich Homburg am Montagabend die neuen Einschränkungen verkünden.

Homburg sprach von einem „schwarzen Tag“ für Berlin und die S-Bahn. Bei einem Großteil der Züge müssten unverzüglich die Bremszylinder ausgetauscht werden, sagte er. Während einer Routineüberprüfung war ein Wagen entdeckt worden, bei dem vier von acht Bremszylindern gleichzeitig ausgefallen waren. Homburg musste indirekt einräumen, dass Fehler bei der Fahrzeugwartung die Probleme so weit hätten wachsen lassen.

Zufallsprinzip an der Bahnsteigkante

Am Dienstag gab es zunächst nicht einmal einen Notfahrplan, so dass mehr oder weniger das Zufallsprinzip im S-Bahn-Verkehr waltete. Für Mittwoch wurden zumindest verlässliche Abfahrtzeiten erwartet.

Vorerst fuhren auf der Ost-West-Achse keine Züge mehr. Auch der Verkehr in Richtung Spandau und Wannsee wurde eingestellt, so dass etwa der für die Funkausstellung IFA wichtige Bahnhof Messe Süd stilllag – vom Hauptbahnhof und dem Bahnhof Zoo zu schweigen. Die noch bedienten Bahnhöfe wurden in unregelmäßigen Abständen angefahren.

Die BVG, die in der Hauptstadt U-Bahnen, Trams und Busse betreibt, sprach von „Schwierigkeiten“ wegen des unerwartet stark erhöhten Verkehrsaufkommens. „Teilweise konnten Fahrgäste nicht mehr mitgenommen werden.“ Nach ihren Schätzungen drängten sich eine halbe Million zusätzlicher Fahrgäste in Bahnen und Bussen.

BVG-Chef Andreas Sturmowski bezweifelte, dass der Ersatzverkehr so reibungslos klappen werde wie bei dem ersten Ausfall des S-Bahn-Netzes im Juli, weil die Ferien inzwischen zu Ende sind und der Druck auf den öffentlichen Nahverkehr erheblich größer ist.

Auf den Straßen bildeten sich – für Berlin eher ungewöhnlich – lange Staus, zumal auch einige Baustellen den Verkehr behinderten.

Politischer Druck wuchs

Der politische Druck wuchs auf den Mutterkonzern ebenso wie auf den Senat, der als Besteller der S-Bahn-Leistungen die Abhilfe anmahnen und gegebenenfalls die Verträge mit der S-Bahn kündigen muss. Junge-Reyer erklärte, sie habe Homburg zu einem neuerlichen Gipfel eingeladen. Die Berliner FDP forderte ihren Rücktritt. Der Grünen-Bundestagsabgeordnete Winfried Herrmann verlangte ein Machtwort von Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee. Dieser wollte das Chaos aber am Dienstag nicht kommentieren. Der Verkehrsclub Deutschland führte es auf Stellenabbau und mangelnde Investitionen zurück.

Seit Monaten Probleme mit Achsen

Die Berliner S-Bahn hat seit Monaten Probleme. Ihr Fahrplan war im Frühsommer durcheinandergeraten, weil Mängel an Rädern auffielen und Revisionsaufforderungen des Eisenbahn-Bundesamts ignoriert worden waren. Seitdem müssen die Wagen häufiger als zuvor kontrolliert werden. Ende Juli hatte sich der S-Bahn-Verkehr teilweise normalisiert. Inzwischen waren 70 Prozent der Züge wieder im Einsatz. Bis Mitte Dezember sollte sich der Verkehr voll normalisieren. Ob das noch eingehalten werden kann, wurde am Dienstag bezweifelt.

http://www.s-bahn-berlin.de (AP)

 

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