Aktuelle Nachrichten – Gesundheit
20.06.2011
Foto: Phillipp Gueland/dapd Photo
Berlin – Ausschließlich mangelnde Hygiene ist nach Ansicht des Mediziners Klaus-Dieter Zastrow für den Ausbruch der EHEC-Epidemie verantwortlich. Lebensmittel wie die lang verdächtigten Sprossen oder Gemüse seien lediglich Überträger und könnten bedenkenlos verspeist werden, wenn sie gesäubert und gewaschen würden, sagte der Hygiene-Experte vom Berliner Vivantes-Klinikum am Montag in einem dapd-Interview. Derweil wurde ein 40. Todesopfer infolge einer EHEC-Erkrankung gemeldet.
Zastrow, der auch Sprecher der Deutschen Gesellschaft für Krankenhaushygiene ist, sagte: "Lebensmittel sind nicht Auslöser der EHEC-Krise". Falls sich jedoch beispielsweise ein EHEC-infizierter Mitarbeiter einer Catering-Firma seine Hände nicht desinfizierte und wüsche, könnte der Erreger auf Lebensmittel gelangen.
Der Keim habe nichts mit einem Lebensmittel zu tun, sondern stamme aus den Därmen von Menschen und Tieren, fügte Zastrow hinzu. Wenn Hygienefehler gemacht würden, könnte der Erreger also an jedem Lebensmittel sein. Auch die als EHEC-Träger analysierten Sprossen seien nicht von vornherein mit dem Erreger belastet. Vielmehr müssten sie von einem Infizierten, der die Hygiene-Regeln nicht eingehalten hätte, angefasst worden sein.
Klargestellt werden müsse, dass "unsere Lebensmittel" an sich nicht gefährlich seien, forderte Zastrow. So könnte viel Verunsicherung in der Bevölkerung beseitigt werden. Darüber hinaus würden auch die Bauern davon profitieren, die unter der Krise ungerechtfertigter Weise litten. Die Panikmache sei völlig unnötig.
EHEC werde nicht wie Grippe durch Tröpfcheninfektion beim Niesen übertragen, betonte Zastrow. Vielmehr werde der Erreger von Mensch zu Mensch durch Schmierinfektion weitergegeben ähnlich wie bei Typhus oder Cholera.
Derweil meldete das Gesundheitsministerium in Düsseldorf, eine 62-jährige Frau sei an einer Infektion mit EHEC gestorben. Die Frau hatte sich Mitte Mai mehrere Tage in Norddeutschland aufgehalten und dort mit dem Erreger angesteckt. Insgesamt geht laut Robert-Koch-Institut (RKI) die Zahl der EHEC-Neuerkrankungen aber weiter zurück. Es werde sowohl bei den EHEC- als auch bei den HUS-Fallzahlen ein kontinuierlicher Rückgang beobachtet, teilte das RKI mit. Insgesamt seien bislang 3.494 EHEC- oder HUS-Fälle übermittelt worden.
Der Fund des aggressiven EHEC-Erregers in einem Bach in Frankfurt am Main ist nach Einschätzung des Umweltbundesamtes (UBA) keine Überraschung. "Das ist für Gewässer direkt im Anschluss zur Kläranlage nichts Ungewöhnliches", sagte UBA-Sprecher Stephan Gabriel Haufe auf dapd-Anfrage in Dessau. Kläranlagen könnten E.coli-Bakterien aus menschlichen Fäkalien nicht komplett aus Abwässern herausfiltern. Das geklärte Wasser werde durch die Einleitung in Bäche und Flüsse aber so extrem verdünnt, dass eine Ansteckung bei Beachtung üblicher Hygieneregeln sehr gering sei.
Eine Verunreinigung des Trinkwassers mit dem Keim ist nach Angaben der Behörde zudem praktisch ausgeschlossen. Werden auch nur geringe Mengen an E.coli-Bakterien bei den regelmäßig stattfindenden Tests gefunden, muss das Wasser beispielsweise mit Chlor desinfiziert werden. Der aggressive EHEC-Stamm O104:H4 wurde in Deutschland bislang noch nie in Trinkwasser gefunden.
Bakterien des Erregertyps O 104:H 4 waren am Freitag in dem Bach gefunden worden. Das Gewässer rückte ins Blickfeld der Behörden, nachdem auf einem nahegelegenen Gemüsehof weniger aggressive EHEC-Erreger nachgewiesen worden waren.
(dapd)
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