Aktuelle Nachrichten – Kultur
14.12.2012
Foto: © 2012 AP. Photographer: Amr Nabil
Mannheim – Ein neues Museum für altägyptische Kunst wird in den nächsten Jahren in Mannheim eingerichtet. Basis dafür sei eine hochkarätige Privatsammlung, die Kira Prinzessin von Preußen und ihr Ehemann Thomas Liepsner in jahrzehntelanger Arbeit zusammengetragen hätten, teilten die Reiss-Engelhorn-Museen (rem) Mannheim am Freitag mit.
Die Sammlung, die noch nie öffentlich gezeigt wurde, umfasst laut Liepsner mehrere tausend Objekte, darunter Tischvitrinen, Sarkophage, Figuren, Masken und Reliefdarstellungen. Höhepunkt ist ein außergewöhnlicher, circa 3500 Jahre alter Totenbuch-Papyrus, nach Angaben des Museums eines der ältesten Bücher der Welt. Es steht für den ersten nachweisbaren Versuch eines Künstlers überhaupt, Dreidimensionalität darzustellen. Zur Sammlung gehört zudem der vergoldete Mumienkopf einer jungen Frau. Sie lebte rund 300 vor Christus, die Leinen für die Mumienbinden sind jedoch 2.000 Jahre älter.
rem suchen nach geeignetem Gebäude für neues Museum
Ab 2015 werde die Sammlung zunächst in einer rund 2.000 Quadratmeter großen Dauerausstellung in den bestehenden Räumen der Reiss-Engelhorn-Museen präsentiert, sagte rem-Generaldirektor Alfried Wieczorek. Sie werde einen Einblick in eine wunderschöne, bedeutende Privatsammlung altägyptischer Kunst geben, die in den nächsten Jahren aufgearbeitet werde. Seit rund einem Jahr seien die Reiss-Engelhorn-Museen auf der Suche nach einem Gebäude, das Raum für altägyptische Sammlungen biete. Man wolle gezielt auch anderen ernstzunehmenden Sammlern altägyptischer Kunst eine Möglichkeit bieten, die von ihnen zusammengetragenen Kunstwerke öffentlich zu präsentieren.
Der renommierte Ägyptologe Robert Steven Bianchi sagte, die Kira Prinzessin von Preußen Sammlung sei voller einzigartiger Stücke, die sorgsam aufbewahrt worden seien. Es handele sich um bedeutende Zeitzeugen der altägyptischen Kunst und Kultur. Ein jedes Museum wäre froh, solche Exponate zu bekommen.
Wieczorek warnt vor Zerstörung von altägyptischer Kunst
Wieczorek betonte, ein Museum für altägyptische Kultur sei angesichts der aktuellen Entwicklungen im Vorderen Orient wichtiger denn je. Seit Jahren finde in Ägypten ein ständiger Ausverkauf altägyptischer Kunst statt. Hunderte Ausgrabungsstätten, Lager und Museen seien bereits beraubt worden. Täglich steige die Bedrohung insbesondere auch für die Nachfolgekultur der Kopten. Zerstörungen seien fast alltäglich geworden.
In den vergangenen Jahren sei im Vorderen Orient ein Flächenbrand entstanden, der von Afghanistan ausgehend den Irak, Syrien und vielleicht bald Jordanien und Ägypten erreicht habe. Dieser Flächenbrand mache es so gut wie unmöglich, sich vor Ort Kulturgüter anzuschauen. Gefahr drohe den Altertümern nicht durch die Islamisierung an sich, betonte Wieczorek. Das Problem sei vielmehr, dass es sich um eine sehr rückwärtsgewandte Form des Islam handele.
Inzwischen sei es westlichen Museen kaum noch möglich, für Ausstellungen Leihgaben aus den betreffenden Ländern zu erhalten. In Ägypten etwa gebe es eine Ausfuhrsperre für altpharaonische Exponate. Umso wichtiger seien Sammlungen wie die von Kira Prinzessin von Preußen. Durch sie könne das kulturelle Erbe der Menschheit bewahrt werden. Eine großartige Kultur mit großartigen Schätzen sei so weiterhin der Allgemeinheit zugänglich.
dapd
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