Hamburg (APD) Der Anblick ist äußerst ungewohnt. In einem Klassenzimmer der Real- und Hauptschule Hamburg-Sintorf tragen alle Kinder die gleiche Kleidung: Pullover in Marineblau, weiße Streifen an den Armen. Ein solches Bild der Gleichförmigkeit kennt man sonst aus Ländern wie England oder Japan, wo Schuluniformen gang und gäbe sind. Für einheitliche Schulkleidung auch in Deutschland hat sich nun Bildungsministerin Annette Schavan ausgesprochen. Sie sorgt damit für eine kontroverse Debatte.
„Wenn alle etwas Gemeinsames tragen, kann sich das sehr positiv auswirken“, sagte die CDU-Politikerin der „Bild“-Zeitung. Der Wettstreit um teure Marken in den Schulen sei problematisch und für viele sehr anstrengend. Das Wort „Uniform“ finde sie in diesem Zusammenhang allerdings komisch. Zudem sollte die Politik eine einheitliche Schulkleidung nicht vorschreiben.
„An einigen Schulen wird das ja freiwillig schon gemacht“, erklärte die Ministerin weiter und meinte damit unter anderen die Real- und Hauptschule Sintorf, in der die Kinder seit neun Jahren eine einheitliche blaue Oberbekleidung tragen, mit gleichen Hemden, T-Shirts, Pullovern oder Jacken. Hosen und Schuhe dürfen frei gewählt werden. Die Schule entschied sich auf Wunsch einer Elterninitiative für diese Regelung. Für die Sachen müssen die Eltern selbst aufkommen: sieben Euro zahlen sie für ein T-Shirt, Hemd oder Pullover liegen bei 19 Euro.
Den Vorstoß der Ministerin hat die Schule positiv aufgenommen. „Wir begrüßen das sehr“, sagte Schulleiter Klaus Damian der Nachrichtenagentur DAPD. Die Elternschaft stehe nach Irritationen bei der Einführung im Jahr 2000 nun geschlossen hinter der Regelung. „Wer sich bei uns anmeldet, der weiß, dass wir eine einheitliche Kleidung erwarten.“ Bei Verstößen würden Ermahnungen ausgesprochen und Mitteilungen an die Eltern vergeben.
„Das Neidproblem haben wir damit längst hinter uns gelassen“, sagte Schulleiter Damian. Auch wenn manche Schüler teure Handys oder andere Gegenstände besäßen, komme keine allgemeine Hetze gegen andere mehr auf. Zudem gebe es keine Fälle des sogenannten „Abziehens“, bei dem Jugendlichen ihren Mitschüler teure Kleidung gegen Gewaltandrohung abnehmen.
Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) kritisierte dagegen die Pläne der Ministerin. „Wir verfolgen die Diskussion um Schuluniformen immer skeptisch“, sagte GEW-Sprecherin Martina Schmerr. „Vor allem, wenn Politiker das von oben anstoßen wollen.“ Schulen, Eltern und die Schüler selbst sollten wenn überhaupt freiwillig über die Einführung einer einheitlichen Kleidung entscheiden, sagte Schmerr.
Die Gewerkschaft vertritt den Standpunkt, dass Uniformen nicht die sozialen Probleme an Schule lösten. „Der Markenterror der Jugendlichen verschiebt sich dadurch nur auf Handys und Uhren“, erklärte Schmerr. Es handle sich hierbei um eine Stellvertreterdebatte, da die eigentliche Schwierigkeit darin liege, dass „unser Schulsystem Verlierer produziert“.
Innerhalb der Schülerschaft in ganz Deutschland werde das Thema sehr kontrovers diskutiert, erklärte der Redaktionsleiter der Schülerzeitung „Spießer“, Jörg Flachowsky. „Aus unserer Sicht gibt es eine deutliche Präferenz bei den Schülern dagegen, Schuluniformen werden also grundsätzlich abgelehnt.“ Viele würden demnach den Standpunkt vertreten, dass eine einheitliche Kleidung nicht die Probleme an Schulen lösen könne. „Man muss nach Meinung der Schüler nicht dafür sorgen, dass alle gleich werden, sondern lieber daran arbeiten, dass man Andersartigkeit akzeptiert“, sagte Flachowsky. Schüler wollten überwiegend eigenständig entscheiden, welche Kleidung sie trügen. (AP)
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