Bagdad - Ein Massaker von vermutlich schiitischen Milizionären an Sunniten hat die Spannungen im Irak am Sonntag drastisch verschärft. Mindestens 41 Menschen wurden dabei getötet. Die Bewaffneten stoppten nach Angaben der Polizei und von Augenzeugen im berüchtigten Bagdader Stadtteil Dschihad Fahrzeuge oder griffen Fußgänger von der Straße auf. Wer anhand seines Namens als Sunnit identifiziert werden konnte, wurde erschossen. Es handele sich offenbar um einen Racheakt für einen Autobombenanschlag auf eine schiitische Moschee am Samstag, bei dem es zwei Tote gab.
Irakische und US-Truppen riegelten das Gebiet ab. In verschiedenen Straßen wurden zunächst 41 Leichen entdeckt. Nach weiteren Opfern wurde noch gesucht, wie Polizeisprecher Maitham Abdul Rassak mitteilte. Die US-Truppen verhängten per Lautsprecherdurchsagen ein zweitägiges Ausgehverbot in dem Stadtteil, wie Augenzeugen berichteten.
Der stellvertretende irakische Ministerpräsident Salam Sikam Ali al Subaie, ein Sunnit, machte die irakischen Sicherheitskräfte für dieses «hässliche Massaker» verantwortlich. Es wird vermutet, dass die Sicherheitskräfte von schiitischen Milizionären unterwandert sind, die für die jüngste Welle der Gewalt verantwortlich sind. «Es gibt Offiziere, die nicht in Leitungsfunktionen sein sollten, sondern den Justizbehörden übergeben werden sollten», sagte al Subaie dem Sender Al Dschasira. Andere Vertreter der Sunniten machten die Mahdi-Armee des schiitischen Predigers Muktada al Sadr für das Massaker verantwortlich.
Bei dem Autobombenanschlag auf die schiitische Moschee wurden am Samstagabend zwei Menschen getötet und neun verletzt. Der Sprengsatz detonierte in einem Parkhaus in der Nähe der Moschee im Westen Bagdads. Das Gotteshaus sei leicht beschädigt worden, erklärte ein Polizeisprecher. In einem schiitischen Wohngebiet im Stadtviertel Dora wurden am Samstag mehrere Häuser mit Mörsergranaten beschossen. Vier Menschen wurden nach Angaben der Behörden getötet und neun verletzt.
Bei Kämpfen im Westirak wurden nach amerikanischen Angaben am Samstag drei US-Marineinfanteristen getötet. Das Gefecht habe in der überwiegend sunnitisch bewohnten Provinz Anbar stattgefunden, teilten die US-Streitkräfte in Bagdad mit. Bei Anschlägen in Bagdad wurden am Samstag mindestens sieben Menschen getötet.
Die Pipeline vom Nordirak zum türkischen Hafen Ceyhan wurde für Reparaturarbeiten geschlossen, wie Ölminister Hussein al Schahristani am Sonntag mitteilte. Die Öllieferungen würden in zwei bis drei Tagen wieder aufgenommen, erklärte er.
(AP)
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