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Medienexperten fordern mehr Transparenz im Netz

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03.09.2012

ProSiebenSat.1-Chef Ebeling wirbt für "neuen Mediendialog" Foto: ddp images / dapd/dapd
ProSiebenSat.1-Chef Ebeling wirbt für "neuen Mediendialog"

Foto: ddp images / dapd/dapd

Berlin – Gespräche statt Gesetze: In der sich rasant verändernden Medienlandschaft wollen Vertreter der Branche und der Politik zunächst auf freiwillige Verpflichtungen der Unternehmen anstatt auf neue Regulierungen setzen. Der Vorstandsvorsitzende der ProSiebenSat.1 Media AG, Thomas Ebeling, sprach sich am Montag auf dem Internationalen Medienkongress in Berlin für einen "neuen Mediendialog" in Deutschland aus.

Ebeling forderte zugleich mehr Selbstregulierung und Selbstverpflichtung der digitalen Player. Er regte einen breiten Dialog an, um die "großen Errungenschaften der digitalen Revolution" zu erhalten und gleichzeitig faire Rahmenbedingungen zu schaffen.

Regulatorisch sei man in vielen Bereichen in einer Sackgasse oder laufe der Entwicklung hinterher. Das solle kein Vorwurf an die Politik sein, fügte Ebeling hinzu. Die Materie sei technisch komplex und die Veränderungsgeschwindigkeit rasant.

Er sei überzeugt, dass in Deutschland ein "neuer Dialog über die Zukunft der Medienwirtschaft" nötig sei. Es gehe nicht mehr, Probleme nur bilateral anzugehen. Gebraucht werde ein multilateraler, kontinuierlicher Austausch zwischen Politik, Verlagen, TV-Konzernen, Telekommunikationsunternehmen und globalen Online-Giganten, sagte Ebeling in seiner Keynote.

Beck will auf Verantwortung der Wirtschaft setzen

Man könne zum Beispiel gemeinsam mit den global agierenden Online-Unternehmen zu Selbstverpflichtungen kommen, führte er aus. Ohne den Willen zur Selbstregulierung bei diesen führenden Digitalkonzernen werde es sehr schwer werden, in Deutschland faire und transparente Rahmenbedingungen in der Medienbranche zu schaffen. In den Gesprächen mit der Politik sollte das Signal gegeben werden, dass die Wirtschaft willens und in der Lage sei, hier auch selbstständig zu Lösungen zu kommen.

Auch Kurt Beck (SPD), Vorsitzender der Rundfunkkommission der Länder, will bei neuen internetfähigen Fernsehgeräten zunächst auf Verantwortung der Hersteller setzen. Beck, der auf derselben Veranstaltung sprach, will ebenfalls auf Selbstverpflichtung der Hersteller setzen. Sie müssten deutlich machen, welche Inhalte Menschen auf den Geräten aufrufen könnten.

Mit den sogenannten "Smart TVs" könnten Nutzer sowohl das Fernsehprogramm verfolgen als auch im Internet surfen. Falls Hersteller Nutzer bevorzugt auf ihre eigenen Angebote leiten wollten, müsse das klar erkennbar sein, sagte Beck. Würden hier massive Manipulationen sichtbar, "dann schließe ich auch Regelungen nicht aus", sagte der rheinland-pfälzische Ministerpräsident.

Fernsehen von Google "nach den gleichen Bedingungen"

Allen Marktteilnehmern müsse ein "faires Unternehmertum nach gleichen Spielregeln" ermöglicht werden, betonte Ebeling. "Wenn Google Fernsehen machen möchte, dann entweder nach den gleichen Regeln, denen sich RTL, ProSiebenSat.1 und die anderen TV-Unternehmen zurzeit unterwerfen müssen oder in einem generell anders regulierten Umfeld - aber zu gleichen Bedingungen", führte er als konkretes Beispiel aus.

Jens Redmer von Google erklärte dagegen, das sogenannte Google TV sei kein Fernsehangebot des Internetkonzerns. Das Gerät könne zwischen die Set-Top-Box und den Fernseher geschaltet werden und erlaube so neben dem Fernsehen auch das Surfen im Internet. Ähnlich wie bei Handys können zudem kleine Programme, sogenannte Apps, heruntergeladen werden.

Bei dem Medienkongress in Berlin treffen sich am Montag und Dienstag (3./4. September) zahlreiche Experten aus der Medienbranche. Das Leitmotto lautet nach Veranstalterangaben "Digitale Werte". Unter anderem geht es um Fragen der Medien- und Netzpolitik sowie neueste Content- und Technologie-Trends.

dapd

 

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