Aktuelle Nachrichten – International
27.02.2010
Foto: AP Photo/TVN via APTN
Talca/Chile (apn) Das heftigste Erdbeben in Chile seit einem halben Jahrhundert hat mehr als 120 Menschen in den Tod gerissen und verheerende Schäden angerichtet. Der Erdstoß der Stärke 8,8 erschütterte am Samstag um 03.34 Uhr Ortszeit (07.34 Uhr MEZ) die Landesmitte einschließlich der Hauptstadt Santiago. Sein Zentrum lag rund 320 Kilometer südwestlich von Santiago unweit von Concepción, der zweitgrößten Stadt Chiles. Für den Westen Südamerikas und weite Gebiete des pazifischen Raums wurde eine Tsunami-Warnung ausgegeben.
Die noch amtierende Präsidentin Michelle Bachelet rief für die Regionen um das Epizentrum den Katastrophenzustand aus. Das Fernsehen zeigte Bilder von eingestürzten Wohnhäusern und Verletzten auf Tragen. Straßen waren zerstört, Überführungen in sich zusammengefallen, die Telefon-, Strom- und Wasserversorgung war unterbrochen. Auf den gewaltigen Erdstoß folgten zahlreiche Nachbeben, von denen 21 die Stärke 5,0 oder mehr hatten, wie die US-Erdbebenwarte mitteilte. Eines der Nachbeben erreichte sogar die Stärke 6,9.
Experten warnten vor der Gefahr einer riesigen Flutwelle im Pazifik. Diese könnte um 22.19 Uhr MEZ auf Hawaii treffen, erklärte Charles McCreery vom Pazifischen Tsunami-Alarmzentrum der USA. Auf den zu Chile gehörenden Robinson-Crusoe-Inseln schwappte nach Angaben von Präsidentin Bachelet bereits eine riesige Welle an Land. Genauere Berichte über Schäden auf den Inseln lagen zunächst aber nicht vor. Nahe der 200.000-Einwohner-Stadt Concepción wurden Flutwellen von rund zwei Metern über dem Normalzustand registriert.
Viele Gebiete waren zunächst von der Außenwelt abgeschnitten. Das zweigeschossige Parkhaus eines Mietshauses in Santiago fiel in sich zusammen und begrub etwa 50 Autos unter sich. Am Rand der Hauptstadt stürzte eine Brücke ein. Der Flughafen wurde für mindestens 24 Stunden geschlossen, weil das Passagierterminal schwer beschädigt worden war. In Concepción stürzte ein 15-stöckiges Hochhaus ein.
Der Erdstoß war nach Behördenangaben entlang des Gebirgszugs der Anden auch in Argentinien zu spüren. In der Hauptstadt Buenos Aires und in Córdoba schwankten Gebäude. Schäden oder Verletzte habe es aber nicht gegeben, sagte ein Sprecher der Stadtregierung von Buenos Aires.
Bundesaußenminister Guido Westerwelle sprach dem chilenischen Volk seine Anteilnahme aus. Hinweise auf deutsche Opfer lagen zunächst nicht vor, wie eine Sprecherin des Auswärtigen Amts in Berlin mitteilte. Die deutsche Botschaft vor Ort sei eingeschaltet. Das Auswärtige Amt kündigte die Entsendung eines Erkundungsteams des Technischen Hilfswerks nach Chile an.
Das stärkste jemals registrierte Beben wurde am 22. Mai 1960 ebenfalls in Chile gemessen. Bei dem Erdstoß der Stärke 9,5 kamen damals 1.655 Menschen ums Leben, zwei Millionen wurden obdachlos. Der davon ausgelöste Tsunami tötete Menschen in Hawaii, Japan und auf den Philippinen, an der Westküste der USA richtete er Schäden an. (AP)
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