Karachi – Nach einem triumphalen Empfang bei ihrer Rückkehr nach Karachi ist die frühere pakistanische Ministerpräsidentin Benazir Bhutto nur knapp einem verheerenden Attentat entgangen. Mindestens 126 Menschen kamen dabei ums Leben, etwa 250 wurden verletzt, wie in der Nacht zum Freitag aus Krankenhäusern verlautete. Bhuttos Konvoi wurde nach Polizeiangaben zunächst von einer Granate getroffen, kurz darauf zündete ein Selbstmordattentäter einen gewaltigen Sprengsatz. Bhutto selbst blieb unversehrt.
Bhutto sei sofort nach den Explosionen in ihre Residenz in Karachi gebracht worden, sagte Polizeichef Azhar Farooqi. An ihrem Lastwagen waren Scheiben zu Bruch gegangen, ein Fahrzeug der Polizeieskorte ging in Flammen auf. Es war die bislang schwerste Anschlagsserie in der Geschichte Pakistans. Zu mutmaßlichen Tätern wollte sich die Polizei zunächst nicht äußern.
Bhutto war am Donnerstagmittag nach acht Jahren im Exil nach Pakistan zurückgekehrt, wo ihr mehr als 150.000 Anhänger einen jubelnden Empfang bereiteten. Sie wollte umgehend zum Grabmal des Staatsgründers Mohammed Ali Jinnah fahren, doch kam ihr Fahrzeugkonvoi in den überfüllten Straßen nur im Schneckentempo voran. Nach etwa zehn Stunden kam es dann zu den tödlichen Anschlägen. Bhutto war vor möglichen Attentätern gewarnt worden, hatte aber dennoch darauf bestanden, durch die Straßen der Hafenstadt Karachi zu fahren.
Präsident Pervez Musharraf nannte die Anschläge eine „Verschwörung gegen die Demokratie in Pakistan“. Die Bevölkerung rief er zur Ruhe auf. Die Regierung werde alles tun, um die Verantwortlichen zu finden und zur Rechenschaft zu ziehen.
UN-Generalsekretär Ban Ki Moon zeigte sich entsetzt über die Anschläge und verurteilte sie zutiefst, wie sein Büro in New York erklärte. Ban rief alle politischen Kräfte in Pakistan dazu auf, die nationale Einheit zu bewahren und zu stärken. Gordon Johndroe, der außenpolitische Sprecher von US-Präsident George W. Bush, betonte, es dürfte Extremisten nicht gestattet werden, freie und demokratische Wahlen in Pakistan zu verhindern. Das Volk müsse über seine Repräsentanten frei entscheiden können. Ähnlich äußerten sich auch die EU-Staats- und Regierungschefs auf ihrem Gipfel in Lissabon.
Bhutto will bei der Parlamentswahl im Januar als Spitzenkandidaten ihrer Pakistanischen Volkspartei (PPP) antreten. Der Anfang des Monats vom Parlament wiedergewählte Präsident Musharraf sieht sich einer wachsenden Opposition gegenüber. Zur Stärkung seiner Position führte er mit Bhutto Gespräche über ein mögliches Bündnis. Im Gegenzug erhielt die frühere Regierungschefin die Zusage, dass sie nach ihrer Rückkehr nicht mit einer Strafverfolgung wegen Korruption rechnen müsse. Die PPP-Politikerin genießt nach zwei Regierungszeiten in weiten Teilen der pakistanischen Bevölkerung hohes Ansehen. (AP)
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