Aktuelle Nachrichten – Menschen & Meinungen
26.11.2008
Wiesbaden – In Deutschland ist fast jeder fünfte Einwohner nichtdeutscher Herkunft. Das geht aus Zahlen hervor, die das Statistische Bundesamt am Mittwoch in Wiesbaden veröffentlichte. Danach ist der Anteil von Menschen mit Migrationshintergrund im vergangenen Jahr auf 18,7 Prozent der Bevölkerung angestiegen. Zwar ging die Zahl der Ausländer leicht zurück. Dafür wurden aber deutlich mehr Deutsche aus Einwandererfamilien gezählt. Wie es weiter hieß, sind die Migranten inzwischen in geringerem Maße von Arbeitslosigkeit betroffen als früher.
Zur Bevölkerung mit Migrationshintergrund werden die seit 1950 nach Deutschland Zugewanderten und deren Nachkommen gezählt. 2007 machten Ausländer mit 7,3 Millionen insgesamt 8,9 Prozent der Bevölkerung aus, die Deutschen mit Migrationshintergrund 8,1 Millionen oder 9,9 Prozent. Gegenüber dem Vorjahr ging die Zahl der Ausländer den Angaben zufolge um 20.000 zurück, die der Deutschen mit Migrationshintergrund nahm dagegen um 287.000 zu.
Der Anteil von Menschen mit Migrationshintergrund in Deutschland insgesamt stieg folglich um rund 268.000 Personen auf 15,4 Millionen, während die Einwohnerzahl um 112.000 von 82,4 auf knapp 82,3 Millionen sank. Die Zahl der Personen ohne Migrationshintergrund fiel um 379.000 auf 66,8 Millionen. Insgesamt wuchs somit der Anteil der Bevölkerung mit Migrationshintergrund von 18,4 auf 18,7 Prozent.
Mit 10,5 Millionen machten die seit 1950 Zugewanderten, also Menschen mit eigener Migrationserfahrung, im vergangenen Jahr rund zwei Drittel aller Bundesbürger mit Migrationshintergrund aus. Hierbei waren die Ausländer mit 5,6 Millionen gegenüber denjenigen mit deutschem Pass (4,9 Millionen) in der Mehrheit. Von letzteren gab mehr als die Hälfte an, als Aussiedler oder Spätaussiedler bzw. deren Ehegatte oder Kind nach Deutschland eingereist zu sein.
Nach Angaben des Statistischen Bundesamts konnten die Menschen mit Migrationshintergrund 2007 erheblich von der positiven Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt profitieren. Den Ergebnissen aus dem Mikrozensus zufolge ging die Zahl der Erwerbslosen unter ihnen im Vergleich zum Vorjahr um 178.000 zurück. Dagegen stieg die Zahl der Erwerbstätigen mit Migrationshintergrund, die nicht nur geringfügig beschäftigt waren, um 221.000 an.
Durch diese Entwicklung hat sich zwar der Abstand zwischen den Menschen mit und ohne Migrationshintergrund verringert, er war laut Statistischem Bundesamt aber weiterhin deutlich ausgeprägt. So waren Menschen mit Migrationshintergrund im Alter von 25 bis 65 Jahren mit 14 Prozent nahezu doppelt so häufig erwerbslos wie jene ohne. Auch gingen 12,6 Prozent ausschließlich einer geringfügigen Beschäftigung nach gegenüber 8,4 Prozent aller Erwerbstätigen. Vor allem waren davon Menschen ohne einen deutschen Pass betroffen – von diesen waren 16 Prozent erwerbslos, und 13,7 Prozent der Erwerbstätigen unter ihnen waren ausschließlich geringfügig beschäftigt.
Einer der Gründe dafür dürfte sein, dass ein allgemeiner Schulabschluss bei Menschen mit Migrationshintergrund mit 12,6 Prozent viel häufiger fehlt als in der übrigen Bevölkerung (1,6 Prozent). Ohne beruflichen Abschluss sind in dieser Gruppe sogar 58 Prozent. Auch haben von den Menschen mit Migrationshintergrund überdurchschnittlich viele schlecht bezahlte Jobs.
Der Osnabrücker Migrationsforscher Klaus J. Bade nannte die höhere Erwerbstätigkeit der nichtdeutschen Bevölkerung erfreulich. Sie sei aber kein Wendesignal, sagte der Vorsitzende des Sachverständigenrats deutscher Stiftungen für Integration und Migration dem Berliner „Tagesspiegel“. In der angebrochenen Krisenzeit könne die Erwerbslosigkeit bald wieder verstärkt zunehmen. (AP)
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