Psyche – Mehr psychische Erkrankungen in Krisenzeiten – DAPD
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Überforderung in der Krise Mehr psychische Erkrankungen in Krisenzeiten

DAPD

17.03.2009

Berlin – Psychische Erkrankungen erfahren in Wirtschaftskrisen einen Aufschwung. Sie verursachen derzeit jährliche Kosten von 136 Milliarden Euro in der Europäischen Union, wie der EU-Gesundheitsexperte Michael Hübel am Dienstag am Rande der internationalen Konferenz „Psychische Gesundheit am Arbeitsplatz“ in Berlin mitteilte. Die Zahl beruhe auf Berechnungen der London School of Economics. Weitere Fachleute betonten, als Folge der aktuellen Rezession sei eine Zunahme der psychischen Erkrankungen zu erwarten.

Matt Muijen aus dem Regionalbüro Europa der Weltgesundheitsorganisation WHO sagte, zahlreiche Studien belegten, dass sich das psychische Wohlbefinden in Zeiten der Rezession sinke. Hübel erklärte, der Zusammenhang zwischen dem Vorhandensein einer Krise und mehr psychischen Erkrankungen sei statistisch nachweisbar.

Muijen äußerte die Befürchtung, dass viele Staaten nun am Gesundheitssystem sparen werden. Aus der steigenden Zahl der Kranken und der sinkenden Unterstützung entstehe dann ein Gegensatz aus Angebot und Nachfrage.

Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) sagte zur Eröffnung der Konferenz, Arbeitgeber seien gut beraten, sich stärker in der betrieblichen Gesundheitsförderung zu engagieren. Dabei helfe die Steuerfreiheit von Maßnahmen, die pro Person und Jahr bis zu 500 Euro kosten. Schmidt wies darauf hin, dass die Teilhabe am Arbeitsleben ein „integrativer und stabilisierender Faktor für psychisch kranke Menschen“ ist.

Laut der aktuellen Studie Indigo versuchten zwei Drittel der psychisch Erkrankten langfristig nicht mehr, am Arbeitsmarkt Fuß zu fassen, sagte der Vorsitzende des Aktionsbündnisses Seelische Gesundheit, Wolfgang Gaebel. Von den Menschen mit schweren Depressionen oder Schizophrenie sei nur jeder Zehnte im ersten Arbeitsmarkt beschäftigt.

Als Grund für die nachlassenden Bemühungen, trotz einer psychischen Erkrankung wieder einen Job zu bekommen, nannte Gaebel schlechte Erfahrungen in der Vergangenheit: „Rund ein Drittel haben bereits eine Stigmatisierung am Arbeitsplatz wegen ihrer Erkrankung erfahren.“

Das Aktionsbündnis Seelische Gesundheit ist ein Netzwerk aus 50 Mitgliedsorganisationen. Es setzt sich nach eigenen Angaben für einen offenen und toleranten Umgang mit psychischen Erkrankungen ein.

http://www.mental-wellbeing.net/

http://www.seelischegesundheit.net/ (AP)

 

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