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Mehr Raum für den Feuersalamander

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07.11.2012

Feuersalamander (Naturstiftung David/Martin Schmidt/dapd) Foto: Martin Schmidt
Feuersalamander (Naturstiftung David/Martin Schmidt/dapd)

Foto: Martin Schmidt

Erfurt – Dierk Conrady kniet am Ufer eines kleinen Bachlaufs, der sich von den bewaldeten Höhen außerhalb der kleinen Thüringer Gemeinde Arlesberg vom Berg herab windet. Der Umweltschützer deutet auf ein Rohr, mit dem das Wasser aufgefangen und unter einem Waldweg hindurchgeführt wird. Vor allem für die stark bedrohten Feuersalamander-Populationen im Thüringer Wald seien solche künstliche Barrieren verhängnisvoll, erklärt er. Ein aktuelles Naturschutzprojekt will diese Hindernisse entfernen, damit die beliebten Salamander ihre natürlichen Lebensräume zurückerobern können.

Einst sei der Feuersalamander über den gesamten Thüringer Wald und darüber hinaus nach Osten bis zur Elbe verbreitet gewesen, sagt Conrady. Er ist bei der Naturstiftung David in Erfurt mit der Umsetzung des Projekts betraut. Heute bilde Thüringen die nordöstliche Grenze der streng geschützten Feuersalamander-Vorkommen. Und auch hier seien die einst flächendeckenden Vorkommen längst auf keine Populationsinseln zusammengeschrumpft.

Innerhalb von zehn Jahren Rückgang um 25 Prozent

Nach Schätzungen der Naturschützer gibt es heute noch etwa 250 bis 300 erwachsene Feuersalamander im Thüringer Wald. Allein seit 2002 seien die Bestände um 25 Prozent zurückgegangen, sagt Conrady. "Aber bereits seit etwa 300 Jahren macht der Waldumbau den Tieren zu schaffen." So seien etwa die Laubbäume mit der Zeit durch schnell wachsende Fichten ersetzt worden. Das unter Fichten herrschende Klima sei jedoch zu trocken für die auf eine hohe Luftfeuchtigkeit angewiesenen Salamander. Auch die überall in den Wäldern verteilt liegenden eiszeitlichen Steinschutthalden wurden mit Fichten bepflanzt - und versiegelten die Wohnhöhlen der Tiere.

Außerdem seien viele der kleinen Bäche durch Rohre oder Wehre zu einer unpassierbaren Hürde für Kleinstlebewesen geworden, die die Bäche hinauf wanderten, sagt Conrady. Diese bildeten jedoch die Hauptnahrungsquelle für die Salamanderlarven, die der Naturschützer wegen ihrer Gefräßigkeit scherzhaft als "Wolf der Bäche" bezeichnet. "Der Feuersalamander ist definitiv der Chef im Bach", erklärt er mit einem Grinsen.

70 Quadratkilometer Wald werden wieder feuersalamandertauglich

Um die Probleme zu beheben und den Wald wieder lebenswert für Feuersalamander zu machen, seien keineswegs umfangreiche Baumaßnahmen nötig, erklärt der Geschäftsführer der Naturstiftung, Adrian Johst. Manchmal seien viele kleinere Maßnahmen durchaus sinnvoller. Ein Jahr lang waren die Mitarbeiter der Stiftung im Gebiet unterwegs, um die Problemfälle zu kartieren - eine Voraussetzung für die Förderung. 230 Störfälle seien dabei dokumentiert worden. Viel davon erforderten nur einen relativ geringen Arbeitsaufwand, sagt Conrady. Im vorliegenden Fall werde etwa das kleine Rohr durch ein deutlich größeres ersetzt, an dessen Grund sich Sediment anlagern können. Die Futtertiere der Salamander hätten dann freie Bahn.

Die kommenden fünf Jahre sollen nun zum Umbau genutzt werden. Dabei soll vor allem die Durchgängigkeit der Bachläufe wiederhergestellt werden. Entlang der Ufer würden Fichten entnommen, Steinhalden von Bäumen befreit. Auf etwa 70 Quadratkilometern entlang der Quellbäche der Zahmen und Wilden Gera sollen mehr als 40 Bachläufe wieder "salamandertauglich" gemacht werden. Als zweites Projekt deutschlandweit sei das thüringische Feuersalamander-Programm damit ins das Bundesprogramm biologische Vielfalt vom Bundesamt für Naturschutz aufgenommen worden, sagt Johst.

Auch vonseiten der Landesforstanstalt ist die Unterstützung groß. "Wir werden den Waldumbau im Projektgebiet bevorzugt umsetzen und logistische Unterstützung im Gegenwert von 300.000 Euro leisten", sagt Thüringens Umweltstaatssekretär Roland Richwien.

"Der Feuersalamander ist eine Leitart", erklärt Conrady. "Letztlich geht es um das gesamte Ökosystem." Ziel sei zunächst einmal die Stabilisierung der Populationen. Wenn ideale Bedingungen herrschten, werde das Gebiet irgendwann zu klein für die Jungtiere. Eines Tages könnten sich die Salamander-Inseln schließlich neu vernetzen. Dann könnten die "Wölfe der Bäche" wieder zu den kleinen Herrschern ihres angestammten Lebensraums werden.

dapd

 

 

 

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