Langen – Zwei Beinahe-Zusammenstöße im deutschen Luftraum bei steigenden Flugzahlen: Das Flugzeug bleibt weiterhin eines der sichersten Verkehrsmittel. Im Jahr 2006 seien zwei Luftfahrzeugannäherungen in die Risiko-Kategorie B – Sicherheit nicht gewährleistet – eingestuft worden, sagte DFS-Chef Dieter Kaden am Freitag in Langen bei Frankfurt am Main. Insgesamt habe das Unternehmen 2006 fast drei Millionen Flüge kontrolliert, 4,1 Prozent mehr als im Vorjahr. Eine Privatisierung der DFS hält Kaden bis Ende 2008 für möglich.
Von den beiden Beinahe-Zusammenstößen habe die DFS einen verantworten müssen, sagte Kaden. Im Jahr 2005 hatte es zwei Zwischenfälle der Risiko-Kategorie A gegeben – Gefahr eines Zusammenstoßes. Beide gingen nicht zu Lasten der DFS.
Bei der Zahl der Flüge erwartet das Unternehmen im laufenden Jahr eine Überschreitung der Drei-Millionen-Marke. Kaden betonte, dass die DFS ungeachtet der gestiegenen Flugzahlen die pünktlichste Flugsicherung Europas geblieben sei: 97,3 Prozent der Flüge seien 2006 ohne flugsicherungsbedingte Verspätung ans Ziel gelangt.
Die DFS setze weiter auf Privatisierung, trotz der Weigerung des Bundespräsidenten im Oktober 2006, das Flugsicherungsgesetz zur Privatisierung der DFS zu unterschreiben, sagte Kaden. Horst Köhler hatte damals verfassungsrechtliche Bedenken angemeldet.
Das neue Gesetzgebungsverfahren könnte bereits im Winter abgeschlossen sein, so dass der Startschuss für die Privatisierung im Frühjahr 2008 fallen könnte, erklärte Kaden. Bis Ende des kommenden Jahres könne die DFS privatisiert sein. Damit erhalte das Unternehmen eine bessere Ausgangslage im liberalisierten europäischen Flugsicherungsmarkt.
Den Beweis, dass es Wettbewerb im Bereich der Flugsicherung bereits gebe, liefere die Situation an den deutschen Regionalflughäfen, sagte Kaden. Zehn Regionalflughäfen hätten im Juni ein Angebot der österreichischen Flugsicherung Austrocontrol angenommen, neun Flughäfen hätten Verträge mit der DFS-Tochter „The Tower Company“ abgeschlossen. Drei Flughäfen hätten sich selbst zertifizieren lassen.
Der DFS-Chef erklärte, dass die Flugsicherung ihre Produktivität gesteigert habe. So seien die Stückkosten im Bereich An- und Abflug von 2002 bis 2006 um 26 Prozent auf 149 von 203 Euro gesunken. In der Strecke sei ein Rückgang um 13 Prozent auf 53 Euro von 61 Euro verbucht worden. Während der Umsatz von DFS im vergangenen Jahr auf 875 Millionen (2005: 881,7 Millionen) gesunken sei, habe der Jahresüberschuss auf 26,9 Millionen (2005: 18,2 Millionen) zugelegt.
Die Flugsicherungsgebühren, die die Nutzer des Luftraums der DFS für ihre Dienstleistungen zahlen, seien 2006 um 11,5 Prozent in der Strecke gesenkt worden. Die An-und Abfluggebühren seien dagegen um 2,6 Prozent leicht erhöht worden.
Für die Zukunft erwartete Kaden weitere Steigerungen der Verkehrszahlen. Im Jahr 2010 seien womöglich 3,5 Millionen Flüge pro Jahr im deutschen Luftraum zu kontrollieren, kündigte er an. (AP)
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