Aktuelle Nachrichten – International
28.02.2012
Foto: Rodrigo Abd/AP Photo
Genf – Angesichts der andauernden Gewalt in Syrien hat die UN-Menschenrechtskommissarin am Dienstag erneut einen sofortigen Waffenstillstand in dem Land gefordert. Ihrem Büro lägen Berichte über eine "massive Welle von Festnahmen" vor und zahlreiche Zivilpersonen seien von der Versorgung mit Nahrungsmitteln, Wasser und Medikamenten abgeschnitten, sagte Navi Pillay auf einer Krisensitzung des UN-Menschenrechtsrats in Genf. "Hunderte Menschen sind Berichten zufolge seit dem Beginn der jüngsten Offensive Anfang Februar getötet worden." Die syrische Regierung solle internationale Beobachter ins Land lassen und Hilfsorganisationen Zugang gewähren, forderte Pillay.
"Angesichts der unbeschreiblichen Gewalt" müsse sich der Internationale Strafgerichtshof mit der Lage in Syrien befassen, sagte die Menschenrechtskommissarin. "Mehr als jemals zuvor, müssen die Verantwortlichen für die Gewalt in Syrien verstehen, dass die internationale Gemeinschaft sich dieses Blutbad nicht länger anschauen wird und dass ihre Entscheidungen und Handlungen nicht ungestraft bleiben werden."
Der syrische UN-Botschafter Fajssal al Hamwi warf dem UN-Menschenrechtsrat vor, dem Terrorismus in seinem Land Vorschub zu leisten. Das Treffen am Dienstag werde die Krise in Syrien lediglich verlängern, sagte al Hamwi bevor er den Raum verließ.
Unterdessen teilten Aktivisten mit, der britische Journalist Paul Conroy sei aus der belagerten Stadt Homs evakuiert und in den Libanon gebracht worden. Deserteure der syrischen Streitkräfte hätten Conroy aus dem umkämpften Stadtteil Baba Amr geborgen, sagte eine Sprecherin der Örtlichen Koordinationskomitees, Rima Fleihan. Conroys französische Kollegin Edith Bouvier sei noch immer in Homs. Die Reporter waren am vergangenen Mittwoch bei einem Angriff auf ein provisorisches Pressezentrum in Baba Amr verletzt worden. Die britische Botschaft in Beirut sagte der Nachrichtenagentur AP, derzeit werde Conroys Rückreise nach Großbritannien vorbereitet.
Am Montag hatten Aktivisten landesweit 144 Todesopfer der jüngsten Welle der Gewalt gemeldet. Allein 64 Menschen seien bei der Flucht aus einem belagerten Teil von Homs ums Leben gekommen, teilten die Örtlichen Koordinationskomitees mit. Die Aktivisten machten keine Angaben darüber, ob alle 144 Opfer am Montag oder über die vergangenen Tage hinweg getötet wurden. Nach Angaben des in London ansässigen Syrischen Observatoriums für Menschenrechte wurden 68 Tote in ein Krankenhaus der Stadt gebracht, diese erneute Welle der Gewalt in Syrien konnte von unabhängiger Seite nicht bestätigt werden.
(dapd)
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