Berlin - Bundeskanzlerin Angela Merkel ist am Donnerstag zu einem zweitägigen Besuch in die Türkei aufgebrochen. Im Mittelpunkt ihrer Gespräche mit Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan und Präsident Ahmet Nezdet Sezer in Ankara werden die schwierigen Verhandlungen über einen EU-Beitritt der Türkei stehen. Am Abend reist Merkel nach Istanbul weiter, wo sie am Freitag Wirtschaftsvertreter und Oberhäupter mehrerer Religionsgemeinschaften treffen wird.
Die erste Türkei-Reise der Kanzlerin seit ihrem Amtsantritt findet fast genau ein Jahr nach Aufnahme der EU-Beitrittsverhandlungen mit der Türkei statt. Die Gespräche sind in einer kritischen Phase, weil die Türkei die Zollunion mit der EU noch nicht wie vereinbart auf alle neuen EU-Mitglieder inklusive Zypern ausgeweitet hat. Die EU hat damit gedroht, die Verhandlungen teilweise auszusetzen, wenn das Problem bis Ende des Jahres nicht geklärt ist.
Merkel will bei ihren Gesprächen in Ankara in der Zypern-Frage kompromisslos bleiben. Die Kanzlerin werde deutlich machen, dass die vereinbarte Ausweitung der Zollunion ohne Abstriche eingehalten werden muss, hieß es aus Regierungskreisen. Sie wolle aber die Bemühungen der finnischen EU-Ratspräsidentschaft unterstützen, zu einer Lösung bei dem Thema zu kommen.
Merkel wird nach ihrer Ankunft in Ankara zunächst das Atatürk-Mausoleum besuchen und dann Erdogan und Sezer treffen. Am Abend wird sie mit Erdogan an einem traditionellen Fastenbrechen im Ramadan teilnehmen.
Am Freitag wird sich Merkel mit dem Patriarchen Bartholomäus I., dem geistlichen Oberhaupt der christlichen Orthodoxie, treffen. Anschließend wollen Merkel und Erdogan gemeinsam mit Bartholomäus und den Oberhäuptern der islamischen, jüdischen und armenisch-apostolischen Gemeinden in Istanbul sprechen. Dieses Treffen soll das besondere Interesse der Kanzlerin an einem Dialog der Kulturen in der Türkei verdeutlichen, hieß es in Regierungskreisen.
Merkel wird von 20 Managern aus den Bereichen Tourismus, Energie und Verkehr begleitet. Auch Industriepräsident Jürgen Thumann gehört der Wirtschaftsdelegation an.
(AP)
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