Aktuelle Nachrichten – Deutschland
12.02.2008
Hamburg – Bundeskanzlerin Angela Merkel hat nach den Äußerungen des türkischen Regierungschefs Recep Tayyip Erdogan zur Assimilierung von Einwanderern Gesprächsbedarf angemeldet. Sie freue sich, dass Erdogan sich für Integration und das Erlernen der deutschen Sprache ausspreche. „Aber es ist natürlich so, dass das dauerhafte Leben in einem Lande auch eine verstärkte Annahme der Gewohnheiten dieses Landes mit sich bringt“, sagte die CDU-Vorsitzende am Montag in Hamburg. Über das Integrationsverständnis müsse mit Erdogan noch weiter diskutiert werden.
Merkel erklärte: „Integration setzt natürlich voraus, dass auch eine Bereitschaft ist, sich in die Lebensweise eines bestimmten Landes, in dem ich in der vierten, fünften, sechsten Generation lebe, auch hineinzufinden.“ Wer die deutsche Staatsbürgerschaft habe, sei „Bürger ohne Abstriche“. „Das heißt nicht, dass sie nicht ihren eigenen kulturellen Hintergrund haben können, aber die Loyalität gehört dann dem deutschen Staat.“ Sie nehme als Bundeskanzlerin dessen Sorgen genauso wichtig wie die von jemandem, der sich als deutschstämmig seit Jahrhunderten bezeichne.
Mit Blick auf den Vorstoß Erdogans zur Einrichtung türkischer Schulen und Universitäten in Deutschland sagte die Kanzlerin, sie habe keine Einwände gegen deutsch-türkische Gymnasien und Türkisch als Fremdsprache. „Ich habe meine Vorbehalte geäußert dagegen, dass türkische Lehrer jetzt nach Deutschland kommen, um mit den hier lebenden türkischstämmigen jungen Leuten Unterricht zu machen“, sagte Merkel. Es sollten mehr Türkischstämmige, die in Deutschland aufgewachsen seien, den Lehrerberuf ergreifen, weil sie zum Teil die Probleme der Integration kennen und besser mit den Jugendlichen reden könnten. (AP)