Aktuelle Nachrichten – Wirtschaft
29.04.2012
Foto: Kaveh Rostamkhani/dapd
Berlin/Frankfurt – Die IG Metall lässt im Tarifkonflikt der Metall- und Elektrobranche ihr schärfstes Schwert aufblitzen: Unmittelbar nach Ablauf der Friedenspflicht sind am Sonntag die ersten Beschäftigten in den Ausstand getreten. Nach Gewerkschaftsangaben beteiligten sich bundesweit 2.500 Mitarbeiter an Warnstreiks und Aktionen. Doch das war nur der Auftakt, nach den Kundgebungen am 1. Mai soll die Warnstreik-Welle deutlich anschwellen. Die Arbeitgeber sprachen indes von einer "unnötigen Machtdemonstration".
Mancherorts legten bereits Mitarbeiter der Nachtschicht die Arbeit nieder, nachdem um Mitternacht die Friedenspflicht in Westdeutschland abgelaufen war. In den ostdeutschen Ländern gilt sie seit Auslaufen des Tarifvertrages Ende März nicht mehr.
Mit den Warnstreiks will die Gewerkschaft ihre Forderung nach 6,5 Prozent mehr Geld, der unbefristeten Übernahme von Ausgebildeten und mehr Mitsprache beim Einsatz von Zeitarbeitern unterstreichen. Nach der dritten Verhandlungsrunde für die rund 3,6 Millionen Beschäftigten in der Branche sind die Fronten verhärtet. Die Arbeitgeber boten drei Prozent mehr Lohn bei einer Laufzeit von 14 Monaten, lehnten die weiteren Forderungen aber ab. Der IG-Metall-Vorsitzende Berthold Huber bezeichnete dies als Provokation.
Der Porsche-Betriebsratsvorsitzende Uwe Hück drohte den Arbeitgebern mit einem erbitterten Tarifkonflikt, falls sie bei den inhaltlichen Themen Zeitarbeit und der Übernahme von Auszubildenden nicht einlenken sollten. "Ich glaube, wir werden einen der härtesten Arbeitskämpfe bekommen, den wir je hatten", sagte der Arbeitnehmervertreter dem "Spiegel".
Geld sei im laufenden Tarifstreit zwar kein leichtes Thema, aber nicht der Knackpunkt. "Es geht vielmehr um prekäre Arbeitsverhältnisse und um die Jugend." Zwei von fünf Beschäftigten unter 25 Jahren hätten nach der Lehre befristete Verträge, sagte Hück dem Nachrichtenmagazin. "Die jungen Menschen fühlen sich verraten und verloren."
Jörg Hofmann, Bezirksleiter der IG Metall in Baden-Württemberg und Verhandlungsführer der Gewerkschaft im aktuellen Tarifkonflikt forderte eine Beteiligung der Beschäftigten an den "goldenen Bilanzen" der Unternehmen. "Wenn in den nächsten Verhandlungen keine Lösung in Sicht ist, werden wir die Rote Karte ziehen", sagte er dem "Tagesspiegel" (Montagausgabe). Das bisherige Angebot belaufe sich aufs Jahr gerechnet nur auf 2,5 Prozent und gleiche gerade einmal die Preissteigerung aus.
Der Präsident des Arbeitgeberverbandes Gesamtmetall, Martin Kannegiesser, trat der Argumentation der Gewerkschafter entgegen. "Unser Angebot bedeutet nicht nur eine spürbare Reallohnsteigerung, es schöpft sogar den von den Gewerkschaften selbst definierten Verteilungsspielraum aus", sagte er. Die IG Metall habe schon mit einem möglichen Arbeitskampf gedroht, bevor sie ihre Forderung beschlossen habe. Die Warnstreiks hätten nichts mit der Sache zu tun, sagte Kannegiesser. "Die Gewerkschaft muss sich inhaltlich bewegen, statt mit einer unnötigen Machtdemonstration den Betrieben zu schaden."
Der Schwerpunkt der Warnstreiks lag in Bayern, wo sich nach Angaben der IG Metall rund 1.200 Beschäftigte beteiligten. Im rheinland-pfälzischen Andernach versammelten sich demnach in der Nacht rund 500 Beschäftigte der ThyssenKrupp Rasselstein sowie Mitarbeiter der Rasselstein Verwaltungs GmbH aus Neuwied zu einer Kundgebung. In Berlin hätten rund 200 Mitarbeiter der Nachtschicht im Osram-Werk die Arbeit niedergelegt. In Niedersachsen beteiligten sich der IG Metall zufolge rund 500 Beschäftigte an ersten Warnstreiks. (dapd)
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