Aktuelle Nachrichten – Unternehmen
18.05.2009
Düsseldorf – Die Pläne der Metro AG zur Fusion der Warenhausketten Karstadt und Kaufhof stoßen beim krisengeschüttelten Konkurrenten Arcandor auf große Skepsis. Unternehmenssprecher Gerd Koslowski sagte der AP am Montag, der vom Kaufhof-Mutterkonzern Metro ins Gespräch gebrachte Zusammenschluss allein stelle für Arcandor und seine Tochter Karstadt noch keine langfristige Perspektive sicher und könne die erhoffte Staatsbürgschaft in Höhe von 650 Millionen Euro nicht ersetzen.
Koslowski warnte gleichzeitig, eine Fusion der Warenhausketten werde zwangläufig einen deutlich größeren Stellenabbau zur Folge haben als eine Sanierung im Alleingang. „Alle bisherigen mir bekannten Szenarien gehen davon aus, dass ein Drittel bis ein Viertel der Filialen geschlossen würden“, meinte Koslowski. Darüber hinaus seien allein in der Karstadtzentrale 1.500 weitere Stellen gefährdet. Dennoch sei man selbstverständlich zu Gesprächen bereit.
Bundeswirtschaftsminister Karl Theodor zu Guttenberg kündigte unterdessen an, er werde ein Übernahmeangebot von Metro für die Karstadt-Warenhäuser sorgfältig und in Ruhe prüfen. „Das ist keine Situation, die mit leichter Hand in zwei Tagen zu lösen wäre“, sagte er am Montag in München. Erste Gespräche auf Arbeitsebene hätten schon stattgefunden. Weitere Gespräche sollen nach Angaben der Metro bereits in den nächsten Tagen folgen. Die Gewerkschaft ver.di kritisierte unterdessen, die Pläne von Metro-Chef Eckhard Cordes erinnerten eher an Rosinenpickerei als an ein seriöses Angebot.
Cordes hatte überraschend in einem Brief an den Bundeswirtschaftsminister angekündigt, der Handelsriese sei angesichts der Krise beim Konkurrenten Arcandor bereit, über eine Zusammenarbeit und einen möglichen Zusammenschluss von Karstadt und Galeria Kaufhof zu sprechen.
Metro-Sprecher Martin Bommersheim betonte am Montag, dem Konzern gehe es dabei nicht um einen Kauf von Karstadt, sondern um einen möglichen Zusammenschluss der beiden Warenhausketten. Details etwa zur Fragen des künftigen Mehrheitseigners nannte er dabei nicht. Doch bekräftigte er gleichzeitig, die Metro sehe die Warenhaussparte trotz des Vorstoßes nicht als strategisches Kerngeschäft. Nach wie vor halte der Konzern an seinen Plänen fest, sich über kurz oder lang vom Kaufhof zu trennen.
Zwischen den Unternehmen selbst herrschte unterdessen weiter Funkstille. Es gebe noch keine Gespräche über den Zusammenschluss, berichteten beide Seiten übereinstimmend. Auch mit dem Bundeskartellamt hat es nach Angaben von Behördensprecher Kay Weidner noch keinerlei Gespräche gegeben.
Obwohl durch den Zusammenschluss der mit weitem Abstand größte Warenhauskonzern in Deutschland entstehen würde, ist ein Veto der Wettbewerbshüter nicht zwangsläufig. Denn in den einzelnen Sparten wie Textilien, Sportartikel oder Lebensmittel wäre der neue Konzern alles andere als marktbeherrschend.
Die Sprecherin des ver.di-Bundesvorstandes, Cornelia Haß, kritisierte den Vorstoß von Cordes. Die Konkurrenten wollten offenbar Arcandor filettieren und sich die Rosinen herauspicken. „Dazu werden wir keine Hand reichen.“ Aus Sicht der Gewerkschaft gebe es auf dem deutschen Markt durchaus eine Chance für zwei Wettbewerber. „Und die sollte auch genutzt werden“, meinte Haß.
An der Börse sorgten die Fusionspläne der Metro-Führung für einen Höhenflug der Arcandor-Aktie. Auch die Metro-Papiere legten bis zum Nachmittag leicht zu. (AP)
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